Allgemeine Berichte | 13.10.2014, 15:48 Uhr

HeimatMuseum Schloss Sinzig

Neue Facetten im Werk von Carl Andreae

Sonderausstellung zu Kirchenfenstern und italienischen Impressionen

Die Besucher hatten Gelegenheit an einer Führung teilzunehmen. RÜ
165

Sinzig. Was ein guter Fundus für ein Museum wert ist, konnten die Gäste der Vernissage in Sinzig unmittelbar erleben. Die neue Ausstellung ist nur möglich geworden, weil das Sinziger Museum zu „seinem“ Maler Carl Christian Andreae (1823 - 1904) eine außerordentliche Vielfalt und Vielzahl von Werken sein Eigen nennt.

Das würdigten einleitend die Beigeordnete der Stadt, Charlotte Hager, und für den Vorstand des Fördervereins Matthias Röcke. Museumsleiterin Agnes Menacher berichtete dem Publikum dann auch gleich, was die wertvolle Sammlung so hat anwachsen lassen. Nachfahren der Familie Andreae, von denen zur Eröffnung Erika Anstock und Marlis Andreae gekommen waren, haben den Museumsfundus mit Zuwendungen aus dem Familienbesitz über Jahre nachhaltig bereichert. Das Ergebnis von alldem ist nun, zehn Jahre nach „Carl Andreae - Maler, Zeichner, Porträtist“, seinerzeit zum 100. Todesjahr des Künstlers durchgeführt, eine Sonderausstellung zur Kirchenmalerei und zu italienischen Impressionen. Sie dauert bis 26. Mai 2015 und ist geöffnet donnerstags von 10 bis 12 Uhr und an Wochenende von 14 bis 17 Uhr.

Andreae war ein Schwager von Gustav Bunge, der 1855 das Sinziger Schloss als Sommersitz hat bauen lassen. Der Sinziger Maler hat sich mit seinen Bildern dort verewigt und sich generell mit seinen vielen Zeichnungen und Gemälden einen Namen gemacht. Zum Schloss gehört beispielsweise die Ausmalung des Turmzimmers. Die Besucher konnten das Historienbild „Germanen am Rhein beobachten Römer“ nicht nur im Original, sondern auch als aus dem Fundus stammenden Entwurf bewundern. In erste Linie geht es in der Ausstellung aber um zwei neue Aspekte: Andreaes religiöse Malerei im Stil der Nazarener und die Faszination, die das Reiseland Italien auf den Maler ausgeübt hat.

Als Kirchenmaler fühlte er sich berufen und folgte damit seiner tief empfundenen Religiosität. „In mir steckt Andreae´sches Luthertum“, so hat er seine Einstellung dazu selbst beschrieben. Als Kirchenmaler feiert er seine größten Erfolge und wurde vielfach geehrt. Ein ganz wichtiges Zeugnis dieses Aspektes seines Werkes ziert die Ausstellung, nämlich die Entwürfe für die Gestaltung der Fenster in der Schlosskirche von Wernigerode. Gerade weil nicht alles so verwirklicht wurde wie entworfen, sind diese Darstellungen so interessant. Die Zuordnung der Fenster aus Wernigerode zum Werk Andreaes war erst im Zuge der Ausstellungsvorbereitungen gelungen. Überhaupt gehört viel Improvisation zur einer solchen Ausstellung. Noch wenige Stunden vor der Eröffnung ließ sich eine Kopie auf Leinwand des Bildes „Pfingstpredigt des Petrus“ beschaffen, eines wertvollen Andreae-Bildes, das sich in Privatbesitz befindet.

Von den ebenfalls von Andreae gestalteten Fenstern im Dom zu Pécs in Ungarn gibt es Fotos zu sehen. Und hier liegt ein weiterer Grund für Agnes Menacher, stolz zu sein auf „ihre“ Sammlung: Nachdem das Tagebuch über die Arbeiten in Pécs beim Archiveinsturz in Köln verloren gegangen ist, gibt allein die n Sinzig vorhandene Kopie noch Auskunft….

Jeder Künstler im 19. Jahrhunderts hatte den Wunsch, in Italien zu malen und die alten Meister zu bewundern. Andreae tat beides intensiv, eine große Auswahl seiner Impressionen bietet die neue Ausstellung. Es gab seinerzeit aber auch andere Motive im schönen Italien. Maler waren nämlich nebenher Kriegsberichterstatter. So schickten Andreae und andere um das Jahr 1848 zwei- bis dreimal wöchentlich Bilder von Kampfhandlungen im Zuge italienischer Unruhen an den preußischen Königshof.

Viel Stoff für eine umfangreiche Ausstellung. Nach dem Vortrag von Menacher führte Kunsthistoriker Stephan Pauly die Gäste zu den Exponaten. Sein engagierter Vortrag erläuterte nicht nur die Kunst hautnah, sondern sehr eindrücklich auch die Zeitumstände des 19. Jahrhunderts. Dazu passten die musikalischen Werke, die Theresa Menacher und Rudolf Menacher zuvor zur Einstimmung gespielt hatten.

Charlotte Hager begrüßte die Anwesenden und gab einen kurzen Einblick ins Programm.

Charlotte Hager begrüßte die Anwesenden und gab einen kurzen Einblick ins Programm.

Eine musikalische Begrüßung von Theresa Menacher und Rudolf Menacher eröffnete die Vernissage.

Eine musikalische Begrüßung von Theresa Menacher und Rudolf Menacher eröffnete die Vernissage.

Die Besucher hatten Gelegenheit an einer Führung teilzunehmen. Fotos: RÜ

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dienstleistungen
Bestellung Nr.: 4300003040-W100-606  / Kampagne Rheinschiene, KW 30-51
Kirmes Miesenheim
Vorabrechnung, Nr. AF2026.000438.0, Oktober 2026
Anzeige Lagerverkauf
Stellenausschreibung Abwasserwerk
Stellenanzeige Reinigungskräfte/Gärtner
Empfohlene Artikel
Was Betroffene über Gelenkersatz und minimalinvasive OP-Methoden wissen sollten, erläutern Prof. Jan Schmolders und sein Team des Endoprothetikzentrums der Maximalversorgung im Rahmen eines Infoabends.  Foto:Joachim Gies | Marienhaus
15

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Fangen Gelenke an zu schmerzen, wird Alltägliches zur Herausforderung. Treppensteigen, Schuhe binden oder ein Spaziergang, der früher ganz selbstverständlich war. Häufig steckt Arthrose hinter den Beschwerden, die sich meist mit zunehmendem Alter einstellen und Betroffene massiv beeinträchtigen. Wenn konservative Behandlungsmöglichkeiten nicht mehr ausreichen, kann Gelenkersatz neue Beweglichkeit und damit ein Stück Lebensqualität zurückbringen.

Weiterlesen

Herr Enke der Klassenlehrer, Raffaela, Florian, Emilio und Herr Beck, Schulleiter.  Foto: privat
12

Sinzig. Einmal selbst bei einer Fernsehsendung mitmachen: Für Florian, Raffaela und Emilio von der Regenbogenschule wurde dieser Wunsch Wirklichkeit. Die drei Kinder standen am 23. April 2026 für die Quizsendung „1, 2 oder 3“ in den Bavaria Filmstudios in München vor der Kamera. Für die damaligen Schülerinnen und Schüler der Klasse 4D war die Teilnahme ein besonderes Erlebnis zum Abschluss ihrer Grundschulzeit.

Weiterlesen

Andrii und Mykola Pysiura verbinden Hand-auf-Hand-Akrobatik und Luftartistik an Strapaten mit Humor.  Foto:Simon Bierwald
14

Bonn. Die Kamera läuft, das Licht passt auch. Doch hinter den Kulissen droht das Chaos, zumindest ein bisschen: Mit „On Air – Licht! Kamera! Action!“ verwandelt das GOP Varieté-Theater Bonn seine Bühne in ein Fernsehstudio, in dem längst nicht alles nach Drehbuch geht. Vom 1. Oktober 2026 bis zum 17. Januar 2027 treffen hier internationale Artistik, musikalische Spielfreude und schräge Charaktere aufeinander.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Strecke ab der Ortslage Poltersdorf in Richtung KVP Senhals im Verlauf der B 49. Foto: LBM
3575

Arbeiten an wichtiger Verkehrsverbindung an der Mosel

Ab November: B49 wird im großen Stil saniert

Senhals/Poltersdorf. Ab dem 9. November 2026 wird die B 49 zwischen dem Kreisverkehrsplatz (KVP) Senhals und der Ortslage Poltersdorf auf einer Länge von rd. 5,3 km umfassend saniert. Die Arbeiten dienen insbesondere dem dauerhaften Substanzerhalt dieser wichtigen Verkehrsverbindung entlang der Mosel.

Weiterlesen

Erika Meyer zu Drewer.
3050

CDU trauert um Erika Meyer zu Drewer

Ein schwerer Abschied

Meckenheim. Meckenheim hat seine Ehrenbürgerin und einen ungewöhnlich engagierten, warmherzigen und im öffentlichen Leben sehr präsenten Menschen verloren. Für die CDU und auch die Frauen Union und die Senioren Union bedeutet der Tod Erika Meyer zu Drewers zugleich den Verlust eines loyalen, zugewandten und immer unterstützenden Mitglieds.

Von Ariane Stech aus Meckenheim

Weiterlesen