Lokalsport | 06.09.2026, 10:56 Uhr

35 Jahre Radsport CfT Sinzig

Radsportgruppe CfT Sinzig feiert 35-jähriges Bestehen und Jubiläumstour im Odenwald 2026

Team 1993 / Elsass

Sinzig. „Wie schnell is nix jedonn worde“: 35 Jahre Radsport beim CfT Sinzig

Von der verregneten ersten Etappentour bis zu anspruchsvollen Fahrten durch die Alpen, die Provence und den Odenwald: Die Radsportgruppe des CfT Sinzig feiert 2026 ihr 35-jähriges Bestehen. Was einst mit vier Freunden und einer spontanen Idee begann, ist heute eine generationenübergreifende Gemeinschaft mit einer beeindruckenden Tourgeschichte.

Es regnete in Strömen, als sich am 28. Juni 1991 um 15.30 Uhr vier Radsportbegeisterte in einer Sinziger Garage trafen. Reinhold Kasper, Herbert Kirwald, Axel Schröder und Ralf Jonas wollten mit ihren Fahrrädern von Sinzig nach Luxemburg fahren – in drei Tagen. „Seid ihr bekloppt?“, riefen ihnen einige hinterher. Doch die vier ließen sich nicht beirren. Der Startschuss für eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte war gefallen.

Die erste Tour führte von Sinzig über Prüm und Bitburg zurück in die Heimat. Schon damals zeigte sich, was die späteren Fahrten prägen sollte: sportlicher Ehrgeiz, Improvisationstalent und eine große Portion Humor. Nach der Ankunft in Prüm spät in der Nacht half der persönliche Kontakt von Reinhold Kasper zum Hotelwirt. Am nächsten Tag ging es entlang der Sauer weiter nach Bitburg. Der Abschluss führte über einen Abstecher zum „Rock am Ring“ zurück nach Sinzig.

Von der Eifel in die große Radsportwelt

Von der Eifel in die große Radsportwelt

Bereits im folgenden Jahr war die Eifel den inzwischen gewachsenen Ansprüchen der Gruppe nicht mehr genug. Jürgen Füllmann und Joachim Luhmer kamen hinzu und übernahmen wichtige Aufgaben bei Planung und Logistik. Die Reise führte in die Provence – über fünf Tage von der Ardèche zum Grand Canyon du Verdon und zurück.

In den darauffolgenden Jahren wuchs die Gruppe stetig. Thomas Kurz und Rainer Fleischer stießen 1993 dazu, Alfi Mayer folgte 1994. Weitere Teilnehmer kamen hinzu, darunter Thomas Hofeditz im Jahr 1999. Die Ziele wurden abwechslungsreicher und die Strecken anspruchsvoller: Elsass, Schwarzwald, Zentralmassiv, Ardennen, Saarland, Cesenatico, Allgäu, Bayerischer Wald, Vorarlberg, Südtirol, Thüringer Wald, das Elbsandsteingebirge und der Spessart standen auf dem Programm.

Ein besonderer Höhepunkt waren die Fahrten zum Mont Ventoux. Gleich zweimal bezwang die Gruppe den legendären „heiligen Berg“ der Provence – einmal sogar bei Nebel, Kälte und widrigen Bedingungen. Solche Erlebnisse sind es, die bis heute in Erinnerung bleiben.

Mehr als 10.000 Kilometer voller Geschichten

Bei den drei- bis fünftägigen Etappentouren kamen über die Jahre mehr als 10.000 Kilometer zusammen. Die in der Tourliste dokumentierten Fahrten führen durch zahlreiche Regionen Europas und verbinden sportliche Herausforderung mit besonderen Begegnungen und gemeinsamen Erlebnissen.

Dabei galt stets das ungeschriebene Motto: „Unter 100 Kilometer am Tag läuft hier nix.“ Und selbstverständlich kam es nicht nur auf die Kilometer, sondern auch auf die Höhenmeter an. Ob steile Anstiege, lange Abfahrten, Regen, Nebel oder Hitze – die Gruppe stellte sich jeder Herausforderung.

Die Touren erzählen von eindrucksvollen Landschaften, aber auch von kleinen Pannen und großen Anekdoten: von veränderten Routen, platten Schläuchen, verlorenen Etappen, gesperrten Abfahrten und überraschenden Steigungen. Manchmal wurde ein Fahrrad durch Baustellen getragen, manchmal sorgte ein ungewöhnlicher Snack für Gesprächsstoff. Und nicht selten wurde aus einer geplanten Ausfahrt eine spontane Abenteuerfahrt.

Auch die abendlichen „Etappen“ gehören zur Geschichte. In manchen Jahren führten sie die Teilnehmer in Kneipen und Bars, wo das eine oder andere „Einzelzeitfahren“ bis spät in die Nacht dauerte. So mancher Fahrer schied dabei wegen Überschreitung der Zeit aus der Gesamtwertung aus – sportlich streng, aber stets mit einem Augenzwinkern.

Der Schwächste wird mitgezogen

Was die Radsportgruppe über all die Jahre zusammengehalten hat, ist mehr als die Freude am Fahrradfahren. Es ist die Gemeinschaft. Der Schwächste im Feld wird nicht zurückgelassen, sondern mitgezogen. Neue Teilnehmer werden offen aufgenommen, und aus einzelnen Fahrern wird schnell eine Mannschaft.

Eine wichtige Rolle spielten dabei über viele Jahre die Organisatoren und Begleiter Joachim Luhmer, Rainer Fleischer und Alfi Mayer. Sie sorgten dafür, dass Unterkünfte, Strecken und Abläufe funktionierten. Mit den Jahren wurde die Vorbereitung immer professioneller – ohne dass der ursprüngliche Charakter der Touren verloren ging.

Die Gruppe blieb dabei offen für neue Generationen. Mitte der 2000er-Jahre kamen zahlreiche neue „Pedalos“ hinzu. Heute fahren Teilnehmer verschiedener Altersgruppen gemeinsam, und auch E-Bikes haben inzwischen ihren Platz im Peloton gefunden. Entscheidend ist nicht, womit gefahren wird, sondern dass man gemeinsam unterwegs ist.

Die Jubiläumstour 2026 führt in den Odenwald

Die Tour im Jubiläumsjahr führte vom 3. bis 7. Juni 2026 in den Odenwald. Von Grasellenbach aus bewältigte die Gruppe drei Etappen über Michelstadt, Bad König, Amorbach, Erbach, Eberbach, den Neckar und Hirschhorn. Insgesamt kamen 310 Kilometer und 4.591 Höhenmeter zusammen.

Das Wetter zeigte sich wechselhaft und kühl, blieb während der Fahrten aber überwiegend trocken. Einige knackige Anstiege verlangten den Teilnehmern einiges ab, doch die Stimmung blieb gut. Abends wurde im gemütlichen Hotel gemeinsam gegessen, und auch die Sauna gehörte zum täglichen Programm.

Besonders erfreulich: Trotz einer Rekordteilnehmerzahl blieb die Tour unfallfrei. Lediglich der Akku von Bodo Decker streikte kurz vor dem Ende. Mit Florian Seidel und Marcel Bugl waren außerdem zwei neue Teilnehmer dabei. Ralf Jonas und Oliver Pauly kehrten nach längerer Pause zurück.

Zum Team der Jubiläumstour gehörten Axel Schröder, Bodo Decker, Christian und Christoph Hofeditz, Dennis Zöllner, Florian Seidel, Marcel Bugl, Norbert Seidel, Oliver Pauly, Roman Schwarzlose, Steffen Hellerbach, Thomas Hofeditz und Thomas Voll. Unterstützt wurde die Gruppe von Rainer Fleischer und Ralf Jonas.

Eine Geschichte, die weitergeht

Die Zahlen der Teilnehmerliste zeigen, wie viele Menschen die Touren geprägt haben. Rainer Fleischer kommt auf 27 Teilnahmen, Axel Schröder auf 26. Thomas Hofeditz war 24-mal dabei, Thomas Kurz 23-mal, Jürgen Füllmann 22-mal und Bodo Decker 21-mal. Auch Reinhold Kasper, der die erste Tour maßgeblich initiierte, bleibt als Mentor und treibende Kraft untrennbar mit der Geschichte verbunden.

35 Jahre nach dem Start in der regennassen Sinziger Garage ist aus einer kleinen Idee eine feste Tradition geworden. Die Räder haben gewechselt, die Strecken sind länger und die Organisation ist professioneller geworden. Geblieben sind der Zusammenhalt, die Freude an der Bewegung und die Bereitschaft, gemeinsam neue Wege zu entdecken.

Und die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Die Planung für die nächste Tour läuft bereits. Wohin die Reise führt, ist noch offen. Sicher ist nur: Die Räder werden wieder rollen – und irgendwo zwischen Anstieg, Abfahrt, Hotelterrasse und gemeinsamer Abendrunde wird ein neues Kapitel der Sinziger Radsportgeschichte entstehen. Denn eines gilt auch nach 35 Jahren unverändert:

„Wie schnell is nix jedonn worde.“

Herbert, Jürgen und Reinhold am Lac de Verdon, 1992

Herbert, Jürgen und Reinhold am Lac de Verdon, 1992 Foto: Ralf Jonas

Im Schwarzwald 1997

Im Schwarzwald 1997 Foto: Ralf Jonas

Volvic-Zentralmassiv 1996

Volvic-Zentralmassiv 1996 Foto: Ralf Jonas

Fotostrecke

Radsportgruppe CfT Sinzig feiert 35-jähriges Bestehen und Jubiläumstour im Odenwald 2026
Jürgen, Herbert, Ralf und Axel im Grand Canyon du Verdun, 1992

Foto: Ralf Jonas

Radsportgruppe CfT Sinzig feiert 35-jähriges Bestehen und Jubiläumstour im Odenwald 2026
Auf dem Mont Ventoux, 2003

Foto: Ralf Jonas

Radsportgruppe CfT Sinzig feiert 35-jähriges Bestehen und Jubiläumstour im Odenwald 2026
Im Odenwald, 2026

Foto: Ralf Jonas

Radsportgruppe CfT Sinzig feiert 35-jähriges Bestehen und Jubiläumstour im Odenwald 2026
Radsportgruppe CfT Sinzig feiert 35-jähriges Bestehen und Jubiläumstour im Odenwald 2026
Radsportgruppe CfT Sinzig feiert 35-jähriges Bestehen und Jubiläumstour im Odenwald 2026

Weitere Themen

Team 1993 / Elsass Foto: Ralf Jonas

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Rheinbacher Ausbildungsmesse
Messezeitung Rheinbacher Ausbildungsmesse
Titel plus Innenteil
Pellenzer Ausbildungsmesse ,Ausbildung kaufmännisch
Kirmes Ettringen 2026
Empfohlene Artikel
Weibliche B-Jugend JSG Weibern/Rhein-Nette
51

Zum vorerst letzten Auswärtsspiel der Vorrunde der RPS-Regionalliga reiste die weibliche B-Jugend der JSG Weibern/Rhein-Nette zur WJSG Kandel/Wörth/Hagenbach und zeigte dabei erneut eine überaus beachtliche Leistung. Dabei sprachen vor dem Spiel nicht viele Faktoren für die JSG. Neben der weiten Anreise zu einer durchaus unüblichen frühen Anwurfzeit, plagten die JSG Weibern/Rhein-Nette personelle Sorgen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
1139

Nach dem Crash flüchtete der Verursacher zunächst zu Fuß von der Unfallstelle

07.09.: Kreis AW: Britischer Autofahrer missachtet Rechtsverkehr: Verletzte und Totalschaden nach Frontalkollision

Quiddelbach. Der Fahrer eines britischen Pkw befuhr am Freitagabend gegen 19:40 Uhr die B 257 von Quiddelbach kommend in Fahrtrichtung Müllenbach. Dabei nutzte er über einen längeren Zeitraum den linken Fahrstreifen. Ausgangs einer Linkskurve oberhalb von Quiddelbach kollidierte der schwarze Pkw frontal mit einem entgegenkommenden Fahrzeug.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Pixabay.com
1019

Für rund zweieinhalb Stunden blieb es dunkel:

05.09.: Langer Stromausfall in Remagen und Sinzig

Sinzig/Remagen. Am Samstagabend kam es um 20.07 Uhr zu einem Kurzschluss im Bereich der Umspannanlage Sinzig. In der Folge fiel im Bereich von 31 Netzstationen der Strom aus. Betroffen waren Haushalte in Sinzig und Remagen.

Weiterlesen

Nach der Flut bewiesen Gisela Dieringer und Brigitte Gafinen Durchhaltevermögen.
661

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach mehr als 150 Jahren endet eine außergewöhnliche Familien- und Unternehmensgeschichte: Das traditionsreiche Schuhhaus Rollmann in Bad Neuenahr schließt seine Türen. Damit verliert die Innenstadt ein Geschäft, das für Generationen von Kundinnen und Kunden weit mehr war als nur ein Ort zum Schuheinkaufen, sondern einen Platz für Begegnungen und Gespräche. Nun haben sich die...

Weiterlesen