Sprengnetter will Sinziger Bahnhof kaufen
Rat sichert einstimmig Unterstützung zu
Sinzig. Die Immobilienbewertungsfirma Sprengnetter aus Sinzig will den Sinziger Bahnhof kaufen. Sprengnetter ist mit seinem Firmenhauptsitz unmittelbarer Nachbar und das Gebäude soll sozusagen eingegliedert werden. Über 100 Mitarbeiter sind bei Sprengnetter am Sinziger Firmensitz beschäftigt, weitere könnten hinzukommen.
Unterstützung von der Stadt
Die Stadt Sinzig will Sprengnetter beim Kauf massiv unterstützen. Dies wurde einstimmig im nicht öffentlichen Teil der Ratssitzung vom Donnerstag beschlossen. Zum Hintergrund: Der Mindestpreis für das denkmalgeschützte Gebäude liegt bei 68.000 Euro, die Stadt Sinzig hat ein Vorkaufsrecht. Mit der Unterstützung der Stadt werden der Sprengnetter-Gruppe allerbeste Chancen für den Kauf eingeräumt. Der durch die Bahn vorgesehene Verkauf des Sinziger Bahnhofes wurde in der Barbarossastadt umfangreich diskutiert. Wie es zu den für die Öffentlichkeit überraschenden Verkaufsabsichten der Bahn kam, erläuterte Bürgermeister Wolfgang Kroeger in den städtischen Gremien.
Der Hintergrund
Wichtig für das Verständnis der Hintergründe: Die Stadt Sinzig will schnell den dritten Bauabschnitt mit Erhöhung der Bahnsteige, Einbau der Aufzüge und Verlängerung der Unterführung auf den Bahnhofsvorplatz umsetzten. Just in der Diskussion über den dritten Bauabschnitt des Bahnhofsgeländes in den nächsten Jahren kam auch die Frage nach der weiteren Nutzung des Bahnhofs ins Gespräch. Der Sinziger Stadtchef nahm diesbezüglich Kontakt mit der Deutschen Bahn auf. Dabei stellte sich heraus, dass zwar in den Jahren 2016/17 verschiedene Bahnhöfe veräußert werden sollten, das Sinziger Objekt war aber nicht darunter. Kroeger regte bei den Verantwortlichen an, ob eine Vermarktung bereits jetzt anlaufen könne, damit dies auch mit den vorgesehenen Bauabschnitten in Einklang geschehe. Die Bahn erklärte sich einverstanden und schrieb die Liegenschaft aus.
Gemeinsam Projekte verwirklichen
Natürlich wurde die Verkaufsabsicht auch im neuen Bürgerforum diskutiert und es kamen viele Ideen einer Nutzung zusammen. Das Konzept eines Kulturbahnhofs wurde der Stadt vorgestellt. „Nun aber stellt sich die Situation anders dar“, teilte der Bürgermeister dem Haupt- und Finanzausschuss und dem Stadtrat mit. „Der Kauf durch Sprengnetter wird auch neue Arbeitsplätze bringen“, so Kroeger. „Die städtischen Gremien stehen einstimmig hinter den Kaufsabsichten von Sprengnetter, weil man in Zusammenhang mit dem Bahnhof noch weitere Projekte gemeinsam verwirklichen möchte“, hieß es aus Sinzig. Damit spricht Kroeger vor allen die Idee des Barbarossapfades, also der fußläufigen Verbindung zwischen Bahnhof / Sinzig-Ost und dem Kernbereich der Innenstadt an, die gemeinsam umsetzt werden soll. Dieser Idee steht Firmenchef Dr. Hans-Otto Sprengnetter sehr aufgeschlossen gegenüber. „So könnten idealerweise Stadt und Privatunternehmen zum Wohle der Sinziger Bürger Hand in Hand gehen“, erklärte der Bürgermeister gegenüber „BLICK aktuell“.
Zahlen zum Bahnhof
Für das vermutlich in den Jahren 1858/59 gebauten denkmalgeschützten Sinziger Bahnhofgebäude mit seinen klassizistischen Grundformen will die Bahn 68.000 Euro haben. Der vergleichsweise niedrige Kaufpreis erklärt sich durch den desolaten Zustand des Gebäudeinneren. Nach ersten Einschätzungen wird eine Komplettsanierung deutlich jenseits der Marke von 1 Million Euro liegen. Richtig teuer wird auch der dritte Bauabschnitt im Bahnhofsumfeld, den die Stadt angehen will. Erhöhte Bahnsteige, Arbeiten an der Unterführung und deren Verlängerung hin zum Bahnhofvorplatz sowie der Einbau der Aufzüge sollen 7,5 Millionen Euro kosten. Zumindest der Landesrechnungshof hat für das Projekt grünes Licht gegeben.
Seit Ende der neunziger Jahre beschäftigt sich die Politik mit der Sanierung des Bahnhofs. 1998 investierte die Bahn rund 100.000 Euro in die Außensanierung. Die damals durchgeführten Arbeiten lassen das Gebäude von außen noch recht fit aussehen. Im September 1999 fasste der Rat der Stadt Sinzig einen weitreichenden Beschluss, um den Bahnhof und sein Umfeld städtebaulich fortzuentwickeln.
Umgerechnet fast 4,5 Millionen Euro sollte wohlgemerkt die gesamte Maßnahme kosten. Zwei Bauabschnitte wurden seitdem realisiert. Das Bahnhofsumfeld in Richtung Stadt wurde auch mit dem Bau des Kreisels an der Lindenstraße realisiert. Und auch in Richtung Osten wurden die Planungen mit der Ansiedlung von Kaufland letztlich umgesetzt. Dabei wurden die Planungen in umgekehrte Reihenfolge abgearbeitet. Denn der heutige dritte Bauabschnitt stand seinerzeit in der Liste ganz oben.
