Politik | 18.03.2013, 15:46 Uhr

„Grüne Gespräche“ im Schloss Sinzig

„Reinholen und vernetzen“

Eveline Lemke verbindet wirtschaftliche mit innerstädtischer Entwicklung

Eveline Lemke gastierte im Sinziger Schloss mit einem Vortrag zum Thema Stadtentwicklung.RÜ
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Sinzig. Die Potenziale in Sinzig sind da. Aber das „Stück vom Kuchen“, das ihre Heimatstadt abbekommt, ist für Eveline Lemke noch zu klein. Die wirtschaftlichen Chancen für die Barbarossastadt lotete die in Bad Bodendorf lebende rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin im Sinziger Schloss aus. Eingeladen war sie innerhalb der „Grünen Gespräche“, zu denen sie ihr Sinziger Parteifreund Richard Klasen auch im Beisein von Grünen-Kreissprecher Mathias Heeb und Bürgermeister Wolfgang Kroeger begrüßte. Nachdem unter anderem die Geografin Nathalie Plum noch einmal die statistischen Eckdaten für Sinzig aufbereitet präsentierte, stellte Lemke unter anderem fest, dass vor allem „grüne Technologen“ aus Deutschland international gefragt sind. Stark wachsende Nationen wie China und Mexiko wollten und brauchten Trink- und Abwasseranlagen, Windkraft und Solartechnik. Aber sie wollten innovative Produkte und die am besten gleich im Paket und fertig „zum Mitnehmen“. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die Innovationspreisträger des Landes, die fast durchweg Mittelständler seien und entsprechende Ideen hätten, betonte Lemke, dass das Wissen und die Ideen vorhanden seien. Diese ausgezeichneten Unternehmer verfügten jedoch nicht über die Fertigungsmöglichkeiten, Lagerkapazitäten, Logistik und die Groß- und Außenhandelskaufleute, ihre Produkte im großen Stil für den Export und die vorhandene Nachfrage aus dem Ausland anzubieten. „Wir haben schon heute eine halbe Milliarde Euro, die in kommunale Kassen fließt, aber in Sinzig kommt noch nicht so viel an“, konstatierte Lemke mit Blick auf die Einträglichkeit von „Green-Tech“. Auch für Sinzig gebe es Möglichkeiten, davon mehr abzubekommen, fand sie. Lemke gab eine Standortbeschreibung Sinzigs ab und gab und verband Erfolgschancen für die wirtschaftliche Entwicklung auch mit der innerstädtischen Entwicklung, denn die Städte müssten für junge Unternehmer attraktiv werden und sich heute schon Gedanken dringend darum machen, was in einem Jahrzehnt sei. Der Grund: „In zehn Jahren geht die Hälfte aller Unternehmer in Altersruhestand und zugleich braucht es zehn Jahre für eine gute Betriebsübergabe.“ Junge Leute benötigten Rat und Hilfe, und auch das Image und die Angebote in einer Stadt seien wichtig. Aufgabe sei, dass sich herumspreche, „in Sinzig, kann man gut wohnen, da ist was los und kann man was erledigen.“ Junge Leute organisierten sich zwar anders als früher, aber sie organisierten sich und suchten auch weiterhin Begegnungsstätte, wo sie heutzutage vielleicht Kontakt knüpfen und zugleich ihren Kaffee trinken und im Internet aktiv sein könnten. Auch solche sozialen Stätten seien Wirtschaftsfaktoren. Eine Herausforderung für Wirtschaftsförderer sei die Stadtplanung, denn auch im Zuge des demografischen Wandels sei Umdenken erforderlich. „Nicht Rausholen und Vermarkten, sondern Reinholen und Vernetzen“, gab sie als Devise vor. Statt Flächen draußen vor der Stadt auszuweisen, sei es nötig, die Stadtkerne zu entwickeln. Factory Outlet Center (FOC), die zwar eigentlich genau die unerwünschte Entwicklung auf der „grünen Wiese“ darstellen, könnten in Sachen Attraktivität Anhaltspunkt für die Gestaltung der Städte sein. Sie seien so beliebt, weil es dort beispielsweise Sortimentsmanager gebe, die alle Akteure und Angebote in Einklang brächten, sodass der Kunde sich wohlfühle und das Gefühl habe, alles sei stimmig und ansprechend platziert. Auch mit einer eigenen Identifikation könne eine Stadt punkten. Hier brachte Lemke die Stadtentwicklung in einen europäischen Zusammenhang. Denn wer eine Identität innerhalb in Europa entwickle, könne damit werben und den Tourismus ausbauen sowie auch Lebensfreundlichkeit und Lebensfreude vermitteln, die weitere Potenziale anzögen. Allerdings brauche es dafür viele, die mitmachten und Leitfiguren, die bei der Realisierung hülfen. Unterstützung fänden alle Gruppen, egal ob Unternehmer, Gründer, Stadtentwickler oder engagierte Bürger, auch beim Land und bei europäischen Förderprogrammen wie „Win“ oder „Raum plus“, auf die Lemke ebenfalls verwies. „Netzwerke sind gespannt und die Diskussion läuft, aber sie ist noch nicht in jedem Winkel angekommen“, sagte sie und rief auch alle Bürger auf, sich für ihre Stadt Sinzig zu engagieren.

Eveline Lemke gastierte im Sinziger Schloss mit einem Vortrag zum Thema Stadtentwicklung.Foto: RÜ

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