Die Sinziger Innenstadt soll behindertengerechter werden
Rundgang mit Betroffenen
Erster Schritt auf dem Weg zu einer barrierefreien Stadt
Sinzig. Ungewöhnlicher Stadtrundgang mit Rollstuhl, Rollator und Doppelkinderwagen. Um die Situation älterer und behinderter Menschen zu verbessern, beschreitet die Stadt Sinzig einen nicht alltäglichen Weg. Sie hat ein neutrales Gutachterbüro beauftragt, um Vorschläge erarbeiten zu lassen, wie die Innenstadt barrierefrei gestaltet werden kann.
Das Büro "NEUMANN CONSULT, Stadt- und Regionalentwicklung - Design für Alle" wurde mit einer Konzeptentwicklung für die Sinziger Kernstadt und Bad Bodendorf beauftragt. Dies sind die Standorte der Einrichtungen, in denen die meisten Betroffenen zu Hause sind. Die Ergebnisse werden in großen Teilen aber auch auf die anderen Ortsteile übertragbar sein.
Der erste Arbeitsschritt besteht in der Erhebung des Istzustandes. Hierfür wurden bereits Ortsbegehungen in der Sinziger Innenstadt und Bad Bodendorf durchgeführt. Die Teilnehmer sind entweder beruflich mit dem Thema befasst oder aber selbst in irgendeiner Form eingeschränkt und können somit die wertvollsten Hinweise aus eigener Erfahrung an Dr. Peter Neumann weitergeben. Die erste Ortsbegehung fand in Sinzig statt. Die Zweite startete in Bad Bodendorf. Im Anschluss werden die Ergebnisse analysiert und in einem Zugangskataster zusammengefasst. Dieses zeigt Schwachstellen und Problembereiche auf, gibt Handlungsempfehlungen und setzt Prioritäten bei der Umsetzung. Nachdem der erste Arbeitsschritt mithilfe der Betroffenen abgeschlossen und die Ergebnisse zusammengetragen sind, werden die Bürger und die Politik über die Erkenntnisse informiert und es können erste Handlungsempfehlungen umgesetzt werden.
Jüngst gab es einen Praxistest mit Menschen, die auf ganz unterschiedliche Art selbst betroffen sind. So kutschiert Christina Juchem ihre Kinder Eva und Tim mit dem Zwillingswagen durch die Stadt. Frank Kurth, ein junger Mann im Dienst der Stadt ist auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen. Eine gehbehinderte Dame gesellte sich mit ihrem Rollator dazu und eine sehbehinderte ältere Sinzigerin waren die Tester, die der Regionalentwicklungsgesellschaft Neumann Consult aus Münster auf der Suche nach Hindernissen halfen.
„Die Stadt Sinzig hat eine lange Tradition im Zusammenleben von behinderten und nicht behinderten Menschen. Das Lebenshilfehaus, die Caritaswerkstätten und die Seniorenheime sind Beispiele für hervorragendes Miteinander“, unterstrich Wirtschaftsförderin Maike Gausmann-Vollrath bei der Begrüßung. Die Stadt war übrigens nicht offiziell vertreten.
Die Betroffenen sollten ganz frei auf die Missstände hinweisen können. Allerdings hat Bürgermeister Wolfgang Kroeger das Thema schon länger auf seiner Agenda. Der glatte Pflastersteifen auf dem Marktplatz entlang der Geschäfte war eine erste Maßnahme.
Wie Kroeger mitteilte, sind im Haushalt für das kommende Jahr bereits Mittel vorgesehen, um Maßnahmen durchführen zu können. Das Fernziel ist eine komplett barrierefreie Innenstadt.
