Sinzig ist auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt
Stadtrat spricht sich für eine Antragsstellung aus
Fokus soll künftig auch mehr auf regionale Produkte gerichtet werden
Sinzig. Sinzig ist auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt. Bei der jüngsten Haushaltssitzung hat sich der Stadtrat mit fünf Gegenstimmen und drei Enthaltungen dafür ausgesprochen, dass die Barbarossastadt den entsprechenden Antrag bei der Kampagne „Fairtrade Deutschland“ stellt. Einstimmig sprach sich der Stadtrat nach dem Antrag von FWG-Mitglied Norbert Hammer dafür aus, den Fokus künftig auch mehr auf regionale Produkte zu richten. Der Weg zum jetzigen Grundsatzbeschluss des Stadtrates war eine steiniger, der von einer engagierten und überparteilichen Initiative Sinziger Kommunalpolitiker gegangen wurde.
Sinzig reiht sich dabei in die Kette der Städte ein, die in unmittelbarer Nachbarschaft diesen Weg bereits erfolgreich beschritten haben. So haben Andernach und Unkel bereits den Status Fairtrade-Stadt erhalten, der dafür steht, dass ihre Stadt den Verkauf und die Verwendung von fair gehandelten Produkten unterstützt. Der Landkreis Mayen-Koblenz bemüht sich in seiner Gesamtheit um das Siegel.
Wichtig dabei ist der Austausch mit der Stadt Unkel über deren Erfahrungen. Die Initiative besuchte Geschäfte im Ort, um deren Bereitschaft für den Handel von Fairtrade-Produkten zu erkunden und veranstaltete zahlreiche Infostände und Veranstaltungen wie etwa beim Bad Bodendorfer Dorffest. Intensiver Kontakt zu Schulen und Kirchen begleitete die Bemühungen, auch im Rathaus stieß man auf offene Ohren. Denn eins der Kriterien, die ausschlaggebend für die Verleihung des Titels sind, ist, dass ab sofort Fairtrade-Kaffee und weitere Produkte bei Sitzungen, in den Büros und Kantinen sowie bei Gemeindeveranstaltungen angeboten werden.
Weitere Auflagen sind: Von der Verwaltung soll ein Mitglied zu der schon bestehenden sechsköpfigen Steuerungsgruppe mit ihren 14 Helfern der Fairtrade-Bewegung hinzukommen und sich für die Realisierung einsetzen. Fairtrade-Produkte sollen in lokalen Geschäften leicht verfügbar sein und in lokalen Gastronomiebetrieben angeboten werden. Die Bevölkerung soll regelmäßig über das Angebot informiert werden, etwa durch die Erstellung eines Einkaufsführers. Hinzu kommt Lobbyarbeit in Betrieben, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen oder Pfarreien. Ein Vorzeigeunternehmen soll gewonnen werden, das auf Fairtrade-Produkte umstellt. Veranstaltungen werden organisiert, um das Bewusstsein der Bevölkerung für die gute Sache zu wecken. Die bestehende Steuerungsgruppe hat bereits die ersten Fairtrade-Frühstücke mit Subventionen von Engagement Global (Bonn) durchgeführt. Das nächste Frühstück findet am Sonntag, 18. Januar im Evangelischen Gemeindehaus statt.
Der Weg zur Fairtrade-Stadt lief wie folgt: Vortrag von Gisela Burckhardt über Fair hergestellte Kleidung Anfang 2013; Gründung der (überparteilichen) Fairtrade Gruppe Sinzig im Juni 2013; Einladung der Fairtrade Gruppe und des Bürgermeisters der Stadt Unkel nach Sinzig; Inventar aller Geschäfte und Organisationen, die sich mit Fairtrade beschäftigen oder handeln, wurde besichtigt; Fairtrade-Stand auf dem Dorffest in Bad Bodendorf 2013; 2014 persönliche Information von Bürgermeisters Wolfgang Kroeger durch Vertreter der Gruppe; Infoveranstaltung für den Stadtrat und Ausschüsse sowie alle städtischen Institutionen; Fairtrade-Stand am „Sprudelnden Sinzig“ 2014; März 2014 Fairtrade-Antrag im Stadtrat und Verschiebung in den Haupt- und Finanzausschuss (der damalige Beschluss löste bei der Initiative große Enttäuschung aus); Teilnahme an überregionalen Fairtrade Informationsveranstaltungen von ELAN Mainz; Fairtrade-Stand beim Dorffest Bad Bodendorf 2014; Organisation von Fairen Frühstücken mit Subventionen von Engagement Global, Bonn (Aktion läuft noch); November 2014 Fairtrade im Haupt und Finanzausschuss; 11. Dezember 2014 positive Beschlussfassung für Fairtrade im Stadtrat.
Nachdem die politische Grundsatzentscheidung gefallen ist, liegt es nun an allen Sinziger Bürgern, die offizielle Fairtrade-Stadt mit Leben zu füllen.
Sinzig wird Fairtrade-Stadt. Foto: TransFair e.V./Miriam Ersch
