2. Bundesliga Damen: Die SG99 verliert den Auftakt unglücklich mit 2:1 beim FC Ingolstadt
Ein „gebrauchtes Wochenende“ für die Bäckermädchen
Andernach/Ingolstadt. Gut gelaunt und ziemlich optimistisch sind die Andernacher Fußball-Ladies samt Trainer- und Betreuerstab nach Ihrem Pokalsieg gegen den Regionalligisten SV Alberweiler vor einer Woche abermals gegen Süden gefahren. Diesmal jedoch nicht nach Baden-Württemberg, sondern ins schöne bayrische Ingolstadt. Da das Süd-Staffel Bundesliga-Auftaktspiel der Rheinländerinnen bereits für 11 Uhr am Sonntagmorgen angesetzt war, reiste die Bus-Gruppe schon samstags an. Im Hotel übernachtet, achtete die Delegation penibel darauf, die vom DFB und vom Land Bayern angeordneten, vergleichbar strengen Corona-Bedingungen einzuhalten. So mussten die nicht gesondert getesteten, aber allesamt symptomfreien Spielerinnen außerhalb von Zimmer, Tisch und Stadion immer den Mund-Nasen-Schutz aufbehalten und sich zum Beispiel auf der Bank mit entsprechenden Abständen setzen.
Das bei jahreszeittypischem Wetter ausgetragene Spiel sah eine eher chancenarme erste Halbzeit, in der beide Mannschaften den Fokus auf eine abgesicherte Abwehrarbeit gelegt und das Spiel Kompakt gehalten haben. Die größte Chance in besagter Spielhälfte für die mit Jana Theisen, Caro Dillenburg, Karla Engels, Maggi Schumacher, Alina Wagner, Vanessa Zilligen, Kathrin Schermuly, Lisa Umbach, Julia Schermuly, Antonia Hornberg und Marie Schäfer spielenden Gäste war ein spitzer Außennetz-Schuss in der 20. Spielminute. Die beste Torgelegenheit für die Gastgeber folgte bereits 90 Sekunden später. Nach einer kopfballverlängerten Ecke und viel Konfusion in der Abwehr, landete ein Kopfball von Jana Scharly spitz wie trudelnd vor dem Tor von Jana Theisen. Diese konnte katzenartig gesprungen den flachen Ball noch gegen den rechten Pfosten lenken, von welchem der Ball jedoch abprallte und gefährlich über die Torlinie rollte. Geistesgegenwärtig konnte Karla Engels den Ball noch von der Linie kratzen und so heldenhaft das unentschieden in einer wichtigen Spielphase retten.
Rote Karte verändert Spielfluss nicht
Negativer Höhepunkt in der ersten Halbzeit war der von der souveränen Schiedsrichterin Marina Bachmann ausgesprochene Platzverweis gegen Alina Mailbeck, welche der vom 1. FC Köln kommenden Vanessa Zilligen nach einem Einwurf am Seitenaus im Bereich des Mittelfelds einen Ellenbogenscheck verpasste. Während die getroffene Spielerin sich noch auf dem Boden wälzte, wurde der rot gekleideten Spielerin eine Karte in passender Farbe zu ihrer Spielkleidung präsentiert.
Sehr verändert hat, O-Ton Florian Stein, dieser „klare Platzverweis“, dass Spiel aber nicht. Auch nach der 34. Minute blieb die Partie weiterhin auf Augenhöhe. Der neue Mit-Trainer der Andernacher-Fußball-Frauen erklärte gegenüber BLICK aktuell die erste Halbzeit so: „Es lag vor beiden Teams eine sehr lange Pause. Daher war dieses Spiel unter Wettbewerbsbedingungen für uns eine echte Standortbestimmung. Wir hatten die komplette erste Halbzeit fast nur halbe Chancen. Wir waren oft in Tornähe, schaffen es aber nicht, den Ball aufs Tor zu bringen. Ebenso haben wir etwas gebraucht, den Gegner hoch anzulaufen. Trotzdem waren wir grundsätzlich zufrieden. Zumal wir mehr Ballbesitz und Spielanteile hatten. Trotzdem änderten wir für die zweite Hälfte unsere Marschroute“.
Die Bäckermädchen kamen durch das Überzahlspiel sehr gut aus der Pause zurück und hatten durch Julia Schermuly auch direkt eine Chance zur Führung. Der Kopfball der schnellen Flügelspielerin fiel jedoch auf das Tornetz. Im unmittelbaren Konter fiel dann eher die ungerechte Führung für die Mädels aus Ingolstadt. Ein langer, eher unpräzise wirkender Ball aus der eigenen Hälfte landete förmlich auf dem Fuß von Stefanie Reischmann, welche das Spielgerät über die weit herausgekommene Andernacher Torhüterin Jana Theisen ins Netz beförderte.
„Gute Reaktion auf Rückstand“
„Auch wenn der Gegentreffer für uns Überraschend kam, hat uns die Reaktion der Mannschaft gefallen“, sagte Stein gegenüber unserer Zeitung nach dem Spiel. Denn anstatt, wie im letzten Jahr oft gesehen, zu resignieren, machte das Team um „Antreiberin“ Toni Hornberg weiter Druck und spielte den Matchplan des Trainerduos weiter durch. Die Folge war ein gut rausgespielter Freistoß in der 57. Minute. Dieser wurde von Vanessa Zilligen rechts an der Mauer vorbei gechippt, was für ein wenig Unordnung im Strafraum der Gastgeber sorgte. Völlig außer acht gelassen, landete der Ball, gespielt von Kathrin Schermuly, vor den Füßen von der mittig stehenden Antonia Hornberg, welche den Ball förmlich ins Tor grätschte.
Die nächsten 25 Minuten konnten die Bäckermädchen keine nennenswerten Chancen mehr erspielen, was unweigerlich zu einem Mittelfeldgeplänkel führte, da auch von den Damen aus der Autostadt wenig Gefahr ausging. In dieser Spielphase holte sich auch Hornberg eine Gelbe Karte wegen Meckern ab.
Erst in der 83. Minute folgte mal wieder ein gut herausgespielter Konter über Julia Schermuly und der in der 69. Minute für Carolin Dillenburg eingewechselten Laura Weißenfels, welche letztlich Lisa Umbach gut angespielt hat. Diese verpasste jedoch nur einige Meter vor dem Tor stehend knapp die mehr als verdiente Führung für die Mädels vom Rhein.
Bessere Mannschaft und trotzdem verloren
Die Führung und damit den endgültigen Sieg holten sich letztlich aber dann doch sehr zur Freude der 95 Zuschauer im Audi-Park die Gastgeber. Einen langen Freistoß aus der gegnerischen Hälfte bekamen die Bäckermädchen in der 89. Minute wegen schlechter Kommunikation überhaupt nicht geklärt, womit der Ball für einen zweiten Versuch vor Ramona Maier landete, welche aus 14 Metern den Ball wunderschön in den linken Winkel zimmerte.
Somit steht, trotz 55 Minuten Überzahl, die erste Niederlage im Buch. Eine unverdiente, ärgerliche und unnötige Niederlage, wie es auch Trainer Stein sieht: „Gerade beim Siegtreffer hatten wir leider keine gute Absicherung und keine Kommunikation“ bilanziert der Fußballlehrer und fährt fort: „Diese Niederlage ist wirklich bitter. Wir haben viele gute Dinge gesehen, weswegen ein Sieg auch nicht unverdient gewesen wäre. Daher sind wir schon auch irgendwo zufrieden mit dem Team. Trotzdem hätten wir erhofft, anders zu starten. Wir haben jetzt noch 15 Endspiele, in einer Liga, die keine Fehler erlaubt und wo Kleinigkeiten Sieg oder Niederlage ausmachen. Aber ich bin mir sicher, die heutigen kleinen, aber entscheidenden Fehler können bereits am Dienstag im Training wieder ausgearbeitet werden. Wir haben viel mitgenommen, trotzdem fühlt es sich jetzt, wie ein gebrauchtes Wochenende an“
Weiter geht es für das Team am kommenden Sonntag um 14 Uhr mit dem Heimspiel gegen den 1. FFC 08 Niederkirchen. Im DFB-Pokal, so wurde jetzt ausgelost, wird die SG99 am 31.10. im Liga-internen-Duell zuhause auf den FC Saarbrücken treffen.
Roland Schäfges -
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