Lokalsport | 04.09.2026, 10:11 Uhr

Formel 4 kehrt nach Deutschland zurück

Die Verantwortlichen erläuterten in einer Pressekonferenz die Pläne zur Formel 4.  Foto:

Nürburgring/Deutschland. Der deutsche Formelsport bekommt eine neue Bühne: Ab 2027 geht die F4 Germany als FIA-zertifizierte Nachwuchsmeisterschaft an den Start. Im Umfeld der DTM am Nürburgring wurden die Pläne und die Hintergründe der neuen Rennserie vorgestellt. Nach mehreren Jahren ohne eigene deutsche Formel-4-Meisterschaft soll damit eine wichtige Lücke in der Nachwuchsförderung geschlossen werden.

Die Rückkehr der Formel 4 nach Deutschland ist für den Motorsport ein bedeutender Schritt. Die bisherige deutsche ADAC Formel 4 war nach der Saison 2022 nicht fortgeführt worden. Seitdem fehlte hierzulande eine nationale Nachwuchsserie, die jungen Fahrern den direkten Einstieg in den internationalen Formelsport ermöglichen konnte. Genau an dieser Stelle setzt die neue F4 Germany an.

Veranstalter der Meisterschaft ist Gedlich Racing, bekannt unter anderem durch die Formula Winter Series in Spanien und Portugal. Gemeinsam mit dem Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) wurde die FIA-Zertifizierung für die neue deutsche Meisterschaft auf den Weg gebracht. Damit gehört die F4 Germany zur internationalen FIA-Formel-4-Pyramide.

Die DTM als große Bühne

Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die enge Verbindung zur DTM. Der überwiegende Teil der Rennen soll im Rahmen der deutschen Traditionsserie ausgetragen werden. Damit erhalten die jungen Fahrer nicht nur Rennpraxis, sondern gleichzeitig eine große öffentliche und mediale Bühne.

Für die Verantwortlichen ist die DTM deshalb weit mehr als nur ein Veranstaltungsort. Die Nachwuchspiloten sollen dort unter professionellen Bedingungen vor großem Publikum Erfahrungen sammeln und sich gleichzeitig für höhere Rennklassen empfehlen können. Ergänzt werden soll der Kalender durch einzelne Veranstaltungen im Rahmen der ADAC Racing Weekends.

Für den Nürburgring ist die neue Serie ebenfalls von besonderem Interesse. Die traditionsreiche Rennstrecke gehört zu den vorgesehenen Stationen der F4 Germany 2027. Damit könnte die Eifel bereits in der Premierensaison Schauplatz der nächsten Generation deutscher Nachwuchsfahrer werden. Der endgültige Rennkalender soll zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden.

500.000 Euro für den Nachwuchs

Besonders bemerkenswert ist das geplante Förderprogramm der neuen Meisterschaft. Insgesamt stehen 500.000 Euro Preisgeld zur Verfügung. Das Geld soll unter dem Motto „Race for Gold“ an erfolgreiche Nachwuchsfahrer ausgeschüttet werden.

Damit will Gedlich Racing einen konkreten Beitrag dazu leisten, talentierten Piloten den weiteren Weg im Motorsport zu ermöglichen. Gerade im Formelsport sind die finanziellen Hürden für junge Fahrer erheblich. Das Förderprogramm soll deshalb nicht nur sportliche Erfolge belohnen, sondern auch zusätzliche Aufstiegschancen schaffen.

Drei Rennen an einem Wochenende

Auch beim sportlichen Format orientiert sich die F4 Germany an etablierten internationalen Formel-4-Meisterschaften. Pro Rennwochenende sind zwei Qualifyings und drei Rennen vorgesehen. Zum Einsatz kommen FIA-homologierte Fahrzeuge der zweiten Generation von Tatuus. Die Motoren stammen von Autotecnica Motori, Pirelli liefert die Rennreifen. Damit setzt die Serie auf ein weitgehend standardisiertes technisches Paket.

Das Ziel ist klar: Nicht das Budget oder eine besonders aufwendige technische Entwicklung soll den Unterschied machen, sondern möglichst das Talent des Fahrers. Technische Kontrolle und einheitliche Komponenten sollen für vergleichbare Bedingungen sorgen.

Ein weiterer Punkt des Konzepts betrifft die Testfahrten. Die Verantwortlichen wollen verhindern, dass sich die Kosten durch immer umfangreichere private Testprogramme weiter nach oben entwickeln. Deshalb ist ein festgelegter Testkalender vorgesehen. Über die Saison verteilt sollen bis zu 20 Testtage möglich sein, darunter zwei Tests vor dem Saisonstart.

Damit soll gleichzeitig sichergestellt werden, dass die Fahrer ausreichend Gelegenheit haben, sich auf die Rennstrecken und Fahrzeuge vorzubereiten.

Die Formel 4 ist innerhalb der internationalen FIA-Pyramide die erste wichtige Stufe im professionellen Formelsport. Für viele Nachwuchsfahrer beginnt hier der Weg über höhere Kategorien bis hin zu Formel 3, Formel 2 und schließlich zur Formel 1.

Besonders interessant ist deshalb die FIA-Zertifizierung der neuen deutschen Meisterschaft. Die Fahrer können in der F4 Germany Punkte für die FIA-Superlizenz sammeln. Damit besitzt die Serie nicht nur einen nationalen Charakter, sondern ist unmittelbar in die internationale Nachwuchsstruktur eingebunden.

Dass die deutsche Formel 4 in der Vergangenheit erfolgreiche Talente hervorgebracht hat, zeigt ein Blick auf die früheren Meister. Zu den ehemaligen Champions gehören unter anderem Kimi Antonelli und Oliver Bearman, die später den Sprung in höhere internationale Formelklassen geschafft haben.

Neue Perspektive für eine junge Generation

Für den deutschen Motorsport geht es deshalb bei der Rückkehr der Formel 4 um mehr als eine weitere Rennserie. Deutschland verfügt über eine große Karting-Szene und zahlreiche Nachwuchsfahrer, doch bislang fehlte nach dem Ende der ADAC Formel 4 eine nationale Station zwischen Kart und internationalem Formelsport.

Die neue F4 Germany soll genau diese Verbindung wieder herstellen. Gleichzeitig eröffnet sie auch Teams, Ingenieuren und Technikern eine Plattform, auf der sie Erfahrungen im professionellen Formelsport sammeln können.

Der Startschuss fällt 2027. Geplant sind sieben Rennveranstaltungen, davon der überwiegende Teil im Umfeld der DTM. Mehrere deutsche Traditionsstrecken stehen bereits auf der vorläufigen Liste, darunter Hockenheim, Lausitzring, Norisring, Oschersleben, Nürburgring und Sachsenring. Für einen weiteren Lauf ist derzeit noch ein internationaler Austragungsort im Gespräch.

Damit könnte 2027 nicht nur die Rückkehr der Formel 4 nach Deutschland markieren. Für viele junge Fahrer könnte es zugleich der erste große Schritt auf dem langen Weg in den internationalen Motorsport werden. WAM

Die Verantwortlichen erläuterten in einer Pressekonferenz die Pläne zur Formel 4. Foto:

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