2. Bundesliga Damen: SG99 feiert mit Siegen gegen Hoffenheim & Würzburg den Liga-Verbleib
Mit einem Donnerknall zum Klassenerhalt
Andernach. Für die junge Polizeikommisaranwärterin Sarah Willms war es plötzlich genug, als sie die sonntägliche Partie gegen Würzburg am 15. Spieltag nur drei Minuten vor dem regulären Ende, für fast eine halbe Stunde, unterbrach. Hintergrund war ein vermeintlich bedrohliches Donnerhallen aus der Entfernung. In der Paarung stand es zu diesem Zeitpunkt, es war 15:41 Uhr, 1:2 für die Gastgeber aus der Bäckerjungenstadt.
Bei noch vereinzelten, aber dicken Tropfen begaben, sich alle soweit im Stadion zugelassenen Personen in Sicherheit. Rechtzeitig bevor der Himmel seine Schleusen öffnete. Währenddessen hielte sich Andernach auf der Holztribüne mit Treppenläufen warm, während die Gäste aus Würzburg im alten Gemäuer darunter den Dingen ausharrten. Was den wenigsten im Stadion jedoch zu diesem Zeitpunkt klar war: Egal, wie dieses Spiel hier noch Enden würde, war eines seit einigen Minuten Gewissheit: die SG99 würde garantiert das erste Team der folgenden eingleisigen zweiten Bundesliga Saison sein. Den um 15:36 Uhr erzielte Hoffenheims Lisa Drexler, im rund 135 km Luftlinie entfernten Saarland, bei der Partie der TSG II gegen den FCS, in der 82. Minute das vorentscheidende 1:3. Womit kein Team der Plätze neun bis sechs in den ausbleibenden Spielen noch hätte 25 Punkte erreichen können, die notwendig gewesen wären, um die Andernacher mit ihrem gewaltigen positiven Torverhältnis noch überraschend ins Unglück zu stürzen.
Würzburg wurde nicht unterschätzt
Sich auf andere zu verlassen, ist jedoch nicht im naturell der beiden Trainer vom Rhein verankert. Daher schickten sie, um das große Ziel Klassenerhalt aus eigener Kraft zu erreichen, abermals eine schlagkräftige Truppe auf dem Platz. Da sich die in den letzten Wochen festgespielte Vanessa Zilligen im letzten Training vor dem Spiel leider schwer am Arm verletzt hat, sie kugelte sich das linke Ellenbogengelenk aus, war man gezwungen, nochmals kurzfristig umzudisponieren, was folgende Startaufstellung ergab.
Die in den letzten Wochen überragend spielende Kathrin Günther, durfte auch beim letzten Heimspiel der Saison natürlich den Kasten verteidigen.
Davor bildete sich, wie in der Vorwoche gegen Bayern eine Viererkette mit Carolin Dillenburg, Magdalena Schumacher, Carolin Asteroth und Alina Wagner. Wobei die beiden Caro´s in der Halbzeit durch die Nationalspielerin des Kosovos Besarta Hisenaj und die nach einer Verletzung wieder herangeführte Karla Engels ersetzt wurden. Im Mittelfeld setzte das gut funktionierende Trainergespann auf die Schermuly-Schwestern Kathrin und Julia, Standardspezialistin Lisa Umbach und die flinke Marie Schäfer. In der Sturmspitze wuselte abermals die immer torgefährliche Antonia Hornberg, welche in diesem Spiel jedoch durch die in der Vorwoche erst zurückgekommene Maren Weingarz unterstützt werden sollte.
Das Spiel begann aus Sicht der Gastgeber wenig berauschend. Die vor diesem Spiel als vorletzter massiv abstiegsgefährdeten Gäste gaben direkt mutig Vollgas und profitierten von einen wenig be-rauschenden Start der Mädels in Blau. So sorgte die Kickers dafür, dass sich am Anfang auffallend viel vor dem Tor von Günther abspielte, ehe man aus fast heiterem Himmel in der 9. Minute durch Luisa Scheidel die Führung erzielte. SG99-Cheftrainer Florian Stein sagte über das Tor: „Die Abstimmung zwischen Abwehr und Torhüterin hat in der Situation nicht gestimmt. Wir waren in einer zwei gegen eins Situation. Maggi Schumacher und Caroline Asteroth haben es nicht geschafft die Gegenspielerin unter Druck zu setzen. Kathrin stand auch was falsch. Der Ball ging dann nicht mal so gefährlich aufs Tor. Aber hoch genug, dass Kathrin nicht mehr an den Ball kam.“
Die abstiegsbedrohten Würzburger Kickers konnten sich jedoch nicht sehr lange an dieser für sie so wichtigen Führung erfreuen. Denn bereits in der 27. Minute bediente, die auf der linken Seite sehr aktive Marie Schäfer, die perfekt eingelaufene Mittelstürmerin Antonia Hornberg, die ohne groß zu zögern, von der Fünfmeterlinie per Direktannahme den Ball ins fränkische Tor wuchtete. Trotz des Ausgleichs gaben sich die Gäste nicht auf. Sehr zum Ärger der sehr agierenden, wie lautstarken bayerischen Trainer vergaben die Mädels jedoch trotzdem einige sehr gute Gelegenheiten, um vor der Halbzeit die Führung zurückzubekommen. Was aber mitunter auch an der sehr stabilen Abwehrleistung der Fußballfrauen von der SG 99 Andernach lag.
Nach Wiederanpfiff dominierten die Bäckermädchen
In Anbetracht der gezeigten Leistungen in der vergangenen Spielhälfte, folgte sicherlich in der Halbzeitpause trotzdem zumindest ein kleines Donnerwetter in der Kabine der Bäckermädchen. Jedenfalls präsentierte sich das in den letzten Wochen auf Erfolgskurs fahrende Team nach Wiederanpfiff verwandelte und dominierte fortan die Partie. Die Bäckermädchen liessen den Gästen keine Chance mehr. Marie Schäfer war es, die in der 64. Minute jedoch per Kopfball, die zentral heranstürmende Hornberg, belieferte. Mit einem wuchtigen Volley von der Straftraumkante erzielte Andenachs-Torgranate ihren persönlich achten Saisontreffer. Womit sie gemeinsam mit der am 15. Spieltag unbelohnten Medina Pesic der Kickers mit acht Toren hinter Kölns Mandy Islacker (11) sowie den Zehn Toren von Hoffenheims Vanessa Leimenstoll und Ingolstadts Ramona Meier auf Platz vier der Torjägerliste liegt. In der 80. Minute wurde sie unter großem Applaus ihrer Mitspielerinnen für ihre junge Sturmkollegin Laura Weißenfels ausgetauscht. Auch Trainer Stein fand nach dem Spiel große Worte für seine Spitzenstürmerin: „Toni hat die Saison unheimlich viel gearbeitet. Gerade auch in den letzten Wochen hat sie ohne große Unterstützung über die Außenbahn es richtig gut gemacht! Daher ist ihre persönliche Torflaute für das Team nicht unbedingt schlimm gewesen. Toni ist eine für uns unheimlich wichtige Spielerin, welche mit ihrer Power und Präsenz ein Spiel im Alleingang entscheiden kann! Um so Schöner für uns alle, dass sie sich heute selbst doppelt beschenkt hat.“
Kurz bevor der Regen herunter kommen sollte und auch das Spiel festgefahren wirkte, wurde nach einem schönen Querpass das 3:1 erzielt.
Mit dem starken Regen flossen dann aber auch die Tränen. Während die jubelnden Gastgeber sich feiern liessen, sah man bei den jetzt abgestiegenen Mädels der Kickers viele Tränen.
Gegen Hoffenheim erstes Ziel erreicht
Die Grundlage für den erfolgreichen Klassenerhalt, schuf man sich bereits mit dem 1:2 im Duell Rheinland gegen Kraichgau. Beim Spiel gegen die erwartet sehr engagierten und spielstarken Gastgeberinnen aus Hoffenheim, konnte man mit dem Startteam bestehend aus Günther, Dillenburg, Asteroth, Schumacher, Wagner, Hisenaj, Zilligen, Umbach, Kathrin Schermuly, Weingarz sowie Hornberg zwar wegen vieler Fehlpässe und Abstimmungsprobleme nicht an die Leistungen wie gegen Bayern direkt anknüpfen, aber trotzdem , vor allem dank der starken Abwehrleistung erfolgreich agieren. Grundlage hierfür waren aber auch viele Torchancen, wie ein 25-Meter-Schuss von Kathrin Schermuly nach einer Viertelstunde oder mehrfache Torschüsse von Lisa Umbach. Die Führung brachte jedoch ein Eigentor. Kurz vor der Halbzeit rutsche Amelie Bohnen, beim Versuch eine flanke von Alina Wagner zu entschärfen, so unglücklich gegen den Ball, dass dieser ins Tor flog.
Nachdem in der Halbzeit mit Blick auf den engen Spielplan Weingarz durch Marie Schäfer, Hisenaj durch Julia Schermuly und Dillenburg durch Karla Engels ersetzt wurden, veränderte sich durch die frische Kraft auch das Spiel. Andernach stand viel vor dem Tor der Gastgeber, hatte Chancen und belohnte sich mit dem vierten Treffer von Kathrin Schermuly zum 2:0. Das Tor in der 51. Minute fiel abermals nach einer Ecke von Lisa Umbach. Traf die angespielte Alina Wagner zunächst nur den Pfosten, konnte die zweiterfolgreichste Torschützin der SG99, anschließend den Ball über die Linie drücken. Der Gegentreffer in der 65. Minute erzielte TSG-Torjägerin Vanessa Leimenstoll mit einem unhaltbaren Kracher von der Strafraumgrenze. Dies sollte auch das Endergebnis bleiben.
Fazit: Auch Isabelle Hawel ist sehr glücklich: „Wir sind unheimlich Stolz auf das Team! Wir hätten nicht gedacht, dass wir am 16. Mai, so frühzeitig, den Klassenerhalt feiern können. Es war wirklich eine herausragende Saison von uns. Es gab innerhalb des Teams eine klare Entwicklung. Die Mädels haben alle einen Schritt nach vorne gemacht.“
Kollege Stein fast die Saison mit einem Satz zusammen und ergänzt: „Nach 14 Spielen lügt eine Tabelle nicht!“ Fakt ist auch, dass Andernach über beide Staffeln gesehen die dritterfolgreichste Mannschaft von 18 Teams ist.
Somit kann sich die in den letzten Wochen wieder sehr stabile SG99 auf den Kampf um den zweiten Tabellenplatz konzentrieren. Rechnet man alle Optionen durch, könnte in der Neuner-Liga eigentlich nur noch die Reserve des FC Bayern München gefährlich werden. Dafür müsste Andernach jedoch die beiden noch ausbleibenden Spiele verlieren. Somit können sich die Verantwortlichen in Andernach nun in Ruhe um die Planung, der am 14./15. August startende Zweitliga-Saison 2021/2022, kümmern, ohne dabei natürlich den Endspurt aus den Augen zu lassen.
Nach dieser letzten, strapaziösen englischen Woche mit zwei Spielen binnen vier Tagen, reist man nun für die restlichen beiden noch ausstehenden Spiele an den verbleibenden drei Spieltagen jeweils in die Ferne. So muss man bereits am kommenden Wochenende unmittelbar neben dem Brentanobad gegen die neuformierte Truppe der Eintracht aus Frankfurt ran. Die spielstarke Reserve der Hessinnen besiegte die Rheinländerinnen am 6. April eher unglücklich mit 1:2. Das Spiel gegen die Jungadler findet um 14 Uhr am kommenden Sonntag statt und kann wie gehabt von allen interessierten über die Plattform „Soccerwatch.tv“ angeschaut werden.
Roland Schäfges - www.myfoto24.eu.
Antonia Hornberg streit es hinaus. Nach einer kleinen Torflaute erzielte sie ihren siebten Saisontreffer und den Ausgleich in der Partie. Foto: Roland Schaefges
