Handballverein Vallendar gewinnt einen wichtigen Punkt - Sperre für Reckenthäler?
Spiel auf Augenhöhe
Handballverein Vallendar - SG Saulheim 27:27
Vallendar. Was ein Handballspiel und was für ein dramatisches Ende, welches das RPS-Oberliga-Spiel zwischen dem HV Vallendar und der SG Saulheim in der Sporthalle auf dem Mallendarer Berg nahm. Zwei fragwürdige Rote Karten, eine mögliche Sperre für den Trainer, ein hochklassiges Spiel und ein enorm wichtiger Punktgewinn für die Löwen. Doch zunächst der Reihe nach. Die Ausgangslage war eindeutig, die Vallendarer brauchten dringend einen, wenn nicht sogar zwei Punkte im Spiel gegen die Rheinhessen aus Saulheim. Vor allem im Hinblick auf die aktuelle Tabellensituation, denn sowohl Friesenheim, als auch Nieder-Olm und Kastellaun/Simmern befinden sich allesamt in Schlagdistanz um den Klassenverbleib. Doch zunächst einige Worte in eigener Sache, denn unmittelbar vor dem Anpfiff der Begegnung sprach sich der HVV mit einem Banner, auf welchem „Rote Karte für Rassismus“ zu lesen war, gegen Fremdenfeindlichkeit aus. Dazu verlasen die Spieler einige aussagekräftige Worte, in denen unter anderem gesagt wurde, dass „Rassismus jeglicher Art in unserem Sport, in unserer Halle und in unser aller Leben keinen Platz hat.“ Demonstrativ streckten die Spieler Rote Karten in die Luft, eben jene Farbe, welche an diesem Abend noch für einige Diskussionen sorgen sollte. Besonderer Anerkennung gilt den Gästen aus Saulheim, welche sich spontan an dieser Aktion beteiligten und sich Schulter an Schulter mit den Vallendarern vor der Tribüne aufstellten. Doch nun zum Spielverlauf. In der gut gefüllten Sporthalle auf dem Mallendarer Berg fanden die Hausherren den besseren Start. Die Defensive stand kompakt gegen den erfahrenen Rückraum der Gäste und Tim Meder brachte seine Farben mit schnellen Gegenstößen in Front. Von der ersten Minute an war es ein Spiel auf Augenhöhe, geprägt von Kampfgeist und einem immens hohen Tempo. Die SG zeigte ihre Ambitionen als Spitzenteam und trug taktisch kluge Spielzüge vor. Die Rheinhessen lösten häufig auf zwei Kreisläufer auf, eine Maßnahme, mit der die Löwen-Defensive zunächst nicht zurechtkam. Bei eigenem Ballbesitz spielte der HVV strukturierter als noch in den Vorwochen, Lukas Hertz führte Regie und Gerdon Waldgenbach und Baldus kamen aus dem Rückraum zu sehenswerten Treffern. Bis zum Halbzeitpfiff blieb das Spiel weiter eng, keine Mannschaft konnte sich bedeutend absetzen. Doch die Löwen waren am Drücker. Schon im Hinspiel konnte man der SG einen Punkt abluchsen, das war auch der Plan an diesem Spieltag. In der Kabine forderte Reckenthäler eine noch aggressivere Abwehr und mahnte sich die verbliebenen Kräfte gut einzuteilen, wohl in dem Bewusstsein, dass nur wenige Auswechselspieler zur Verfügung standen. Es waren dann auch prompt die Gäste, welche im zweiten Durchgang zunächst das Heft in die Hand nahmen. Saulheim setzte sich schnell auf zwei Treffer ab, doch der Vorsprung währte nur kurz. Die Führung pendelte hin und her, beide Teams zeigten eine ansprechende Leistung. Knapp 15 Minuten vor dem Ende wurde es dann kurios. Vallendars Kreisläufer Oliver Lohner bekam nach einem Foul eine zweiminütige Zeitstrafe, eine vertretbare Entscheidung der Unparteiischen. Auf der Bank angekommen klatschte Lohner aus Ärger über seinen eigenen Fehler mit seinen Händen an die Holzwand der Sporthalle. Die Schiedsrichter werteten dies als Provokation, vergaben eine zusätzliche Zwei-Minuten-Strafe und schickten Lohner mit seiner nun insgesamt dritten Zeitstrafe auf die Tribüne - eine definitiv überzogene Interpretation der Ereignisse. Lohner dazu: „Die erste Zeitstrafe war okay, ich habe mich auf der Bank über meinen Abwehrfehler geärgert. Ich habe die Schiedsrichter weder angesehen, noch gemeckert.“ Wegen seines Protests sah Trainer Wolfgang Reckenthäler noch die Gelbe Karte. Für die folgenden vier Minuten waren die Löwen nun mit einem Mann weniger auf dem Parkett. Weitestgehend schadlos überstand das Team vom Rhein diese Situation, Saulheim konnte sich nicht weiter absetzen.
Rote Karte für Reckenthäler
Wenige Minuten später dann die nächste strittige Situation: Tim Meder blockt einen Pass der Gäste ab, der Ball landet bei Simon Stein im Torraum. Die Unparteiischen werteten dies als absichtlichen Rückpass, also Ballbesitz für Saulheim. Reckenthäler, von Emotionen geleitet, monierte diese Entscheidung, woraufhin er eine zweiminütige Strafe erhielt - auch das war legitim. Während der Schiedsrichter auf Reckenthäler deutete, befand sich dieser bereits im Rückwärtsgang, traf dabei vollkommen unabsichtlich einen Schiedsrichter am ausgestreckten Arm. Dies wurde als Tätlichkeit angesehen. Die Folge: Auch der Trainer musste mit einer Roten Karte (mit Bericht) auf die Tribüne, was ebenfalls als überzogen bezeichnet werden darf. Ob und wie lange Reckenthäler gesperrt wird, bleibt abzuwarten. Auf der Bank herrschte nun kurzzeitig Verwirrung, wer gab nun die Anweisungen? Markus Weiskopf und der verletzte Merlin Busse übernahmen, führten Auswechslungen durch und motivierten die Spieler unaufhörlich. Weiskopf dazu: „Ich war schon oft mit auf der Bank, auch zu meiner Zeit in Mülheim, aber so eine Situation habe ich noch nie erlebt. Ich habe mein Bestes versucht, die Jungs anzufeuern, denn ein Trainer bin ich ja definitiv nicht. Aber wir haben das zusammen super gelöst, die Jungs haben sich zu keiner Zeit von ihrem Weg abbringen lassen - das war ein riesen Kampf.“ Auch die erneute Unterzahl überstand Vallendar, sieben Minuten vor dem Ende führten die Gäste mit zwei Treffern. Trotz schwindender Kräfte gelang es den Löwen, die Begegnung erneut auszugleichen. 20 Sekunden vor dem Ende erkämpfte sich der HVV den Ball, doch Lucas Gerdon übersah den vollkommen freien Dominik Stein, wurde gefoult und die Zeit lief herunter. Am Ende stand ein gerechtes 27:27-Unentschieden auf der Anzeigetafel, mit etwas mehr Ruhe am Ende hätte man durchaus noch gewinnen können. Hätte man vor der Saison angeboten bekommen, dass man gegen die SG Saulheim zweimal unentschieden spielt, es hätte wohl jeder Spieler sofort angenommen. Vallendar steht nach diesem Punktgewinn auf dem 13. Tabellenplatz, allerdings punktgleich mit Merzig und Friesenheim, welche zwei überraschende Punkte gegen Budenheim gewinnen konnten. In den verbleibenden sieben Spielen heißt es also weiter Vollgas zu geben, denn man muss unbedingt noch wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg sammeln. Am Ostermontag, 28. März, steht für die Vallendarer Löwen dann das traditionsreiche Final-Four-Turnier um den Rheinlandpokal in heimischer Halle auf dem Programm. Das Turnier beginnt um 11 Uhr mit dem Kracher zwischen dem HV Vallendar und dem TV 05 Mülheim in der Sporthalle auf dem Mallendarer Berg in Vallendar. Es spielten für den HVV: Burgard und S. Stein (beide im Tor); Meder, Hertz, Baldus, Lohner, D. Stein, Graulich, Gerdon, Waldgenbach, Woods, Schäfer, Jackmuth.
