SV Rot-Weiß Queckenberg
Verschmitzt und zugeklemmt
Queckenberg. Eigentlich muss man sich diese Begegnung stets mit einem fetten Kreuz im Kalender vormerken, sobald der Spielplan der jeweiligen Saison feststeht. Immer, wenn in den letzten Jahren der SV Rot-Weiß Queckenberg mit einer der Reservemannschaften aus der Kernstadt die Klingen kreuzte, war gehörig Feuer im Spiel – so auch am letzten Sonntag, als man beim SC Rheinbach III 1913 gastierte. Während die einstige Vorzeigsportanlage am Rande des Stadtparks mittlerweile ein bedauernswertes Dasein fristet, strahlte die Sonne kaiserwetterverdächtig vom azurblauen Himmelszelt über den mattgrünen Kunstrasenplatz.
Vom Anpfiff weg spürte man den besonderen Reiz, den diese Begegnung einmal mehr ausstrahlte. So standen in der Startelf der Rot-Weißen nicht weniger als acht Fußballsachverständige, die in ihrer Vita bereits über eine Vorverwendung bei den verschiedenen Vorgängerclubs des SC berichten können. Selbst Übungsleiter Döring war an dieser Wirkungsstätte verantwortlich für große Erfolge. Unter diesen Vorzeichen fieberten sich die Kerle in die Derbyschlacht und wurden dabei von einem hohen zweistelligen und stimmungsvollen Fanmob unterstützt. Dagegen konnte man die Fans der Einheimischen an einer Hand abzählen und brauchte dafür definitiv nicht alle fünf Finger. Angetrieben von der puren Lust am Fußballspielen brannte der RWQ in den ersten zehn Minuten drei ganz dicke rot-weiße Ausrufezeichen in die hitzige Derbyluft, doch leider rauchten diese jeweils übers SC-Gestänge hinweg, anstatt sich darin einzubrennen. Nach diesem Madbacher Überfallkommando wurde die Drehzahl etwas herunter geschraubt und man ließ den Gastgeber etwas am Spiel teilhaben. Dabei hielt man das Heft des Handelns weiter eisern in den eigenen Pranken. Erst nach 25 Minuten wurde dem SC der erste Torschuss gestattet. Jedoch musste danach ein Suchtrupp weit hinter der Stadionabsperrung nach dem Einschlag und dem entschwundenen Spielgerät Ausschau halten. Dieser konnte dann auch nicht die längst überfällige Gästeführung erleben. Die vierte Bures-Ecke innerhalb von 35 Sekunden wurde in Flipper- oder Tischkickermanier durch den SC-Strafraum gejagt und prallte bereits dreimal vom Rheinbach-Kasten wieder in den Sechzehner zurück, bis Klemm die Kugel mit dem rechten Vollspannhammer unhaltbar in die Maschen schmetterte (36.). Auf dieser hoch verdienten Führung ruhten sich die Kerle von der Madbach nun doch etwas zu arg aus, gönnten sich vielmehr ein kleines Mittagsschläfchen und glaubten, den Vorsprung in die Halbzeit träumen zu können. Doch weit gefehlt, die bis dato recht einfalls- und wirkungslosen Glasstädter fanden nun ihrerseits den Reiz am Derbyfieber und schickten sich an, die Queckies empfindlich zu piesacken. Kurz vor dem Pausentee wurde ihnen in aussichtsreicher Position noch ein Freistoß zugesprochen, und die Hereingabe wurde zum etwas überraschenden Ausgleich verwertet (43.).
Hatten die Döring-Bures-Buben bereits gegen Ende der ersten Hälfte ihren rot-weißen Spielfaden irgendwo im fußballerischen Nirgendwo verloren, steigerten sie ihren mittlerweile holprigen und unrunden Auftritt im zweiten Durchgang und ließen den Gastgeber mehr und mehr an dessen Führung schnuppern. Die erste wirklich glänzend-glamouröse Aktion ließ dann allerdings die prall gefüllte Gegengerade nicht nur mit der Zunge schnalzen, sondern gipfelte auch in einem lautstark auftosenden Jubelorkan: ein diagonaler 40-Meter-Uwe-Bein-Gedächtnispass fand den auf der linken Flanke durchbrechenden Klemm. Der Hüne servierte eine butterweiche Gefühlsflanke an die Sechsmeterraum-Grenze. Und hier veredelte Schmitz diesen kongenialen Spielzug mit einer sehenswerten Kopfballbogenlampe ins lange Torwarteck (58.). Dieser feine Spielzug ließ durchblicken, welche Qualität in den Füßchen und Köpfchen der Gäste schlummert und brachte endlich Licht in den mittlerweile von Tristesse und Einfallslosigkeit geprägten Queckenberger Auftritt. In der darauf folgenden Viertelstunde besann man sich wieder auf seine ureigensten Eifeler Fußballtugenden. Es wurden körperliche Robustheit, physische Stärke und mentale Resistenz mit reichlich Spielwitz garniert und siehe da, man hatte wieder die Oberhand gewonnen in diesem Derbyfeldzug und die Glut abermals zu einem lodernden Feuer entfacht. Leider konnte man trotz guter Chancen keine Vorentscheidung herbeiführen. Als ca. ab der 75. Minuten unerklärlicherweise ein weiteres Mal die rot-weißen Schattenseiten herausgekehrt wurden, lud man die Mannen um Benni Gehlen doch noch einmal ein, vielleicht ein Pünktchen zu ergaunern. Zum Glück hatte die SC-Truppe im letzten Training den Schwerpunkt wohl nicht auf den Torschuss gelegt. So konnte man weiterhin ohne Puls bestaunen, wie die Einheimischen sich im Tontaubenschießen versuchten, wenn man die Höhe der unglücklichen Torannäherungen berücksichtigt. Dabei ließen sie auch zwei hundertprozentige Dinger liegen, sodass sich der RWQ am Ende über einen glanzlosen und vielleicht auch etwas glücklichen Auswärtssieg freuen durfte. Die erste Hälfte war fast ausschließlich von rot-weißer Leidenschaft durch elf Queckenberger Temperamentsbolzen geprägt. Nach dieser dicken Rippe servierte man nach dem Seitenwechsel größtenteils Magerquark an. Zum Glück hat es jedoch zweimal in dieser Partie ordentlich geklemmt, legte doch Haudegen Raphael Klemm mit einem Treffer und dem Assist zu einem verrückt-verschmitzten Kopfballkunstwerk den Grundstein für den Dreier im Städtchen.
Am nächsten Wochenende trifft die RWQ-Reserve von Hansi Weinand bereits am Samstag, 2. April ab 15.30 Uhr auf die neu gegründete zweite Mannschaft des SV Schwarz Weiß Merzbach. Während also in der Bundesliga gekickt wird, schrillen am Mount Queck die Alarmglocken zum nächsten Derby. Die erste Garde empfängt dann wie gewohnt am Sonntag, 3. April zur Primetime ab 15 Uhr den ISC AlHilal Bonn zum heißen Fußballtanz. Der Sieger dieses Kreisligakrachers rückt definitiv vor auf Platz 2 hinter dem unangefochtenen Spitzenreiter VfL Meckenheim.
Erste Garde: Claßen – Wappenschmidt, Uygur, Cipera, Klemm – Leifer, Declair, Paffenholz, Bures, Gümüs – Ring.
Verstärkung: Schmitz, Savas, A. Watty, Erol Eiserne Reserve: Döring.
Für den
SV Rot-Weiß Queckenberg
Daniel Kunze
