Politik | 18.06.2013

BUND Wachtberg

Erhalt der „grünen Lebensader“

Birnenallee in Fritzdorf ist jetzt als kulturlandschaftliches Erbe geschützt

Die blühende Birnenallee in Fritzdorf soll erhalten bleiben.privat

Wachtberg. Es summt und brummt von Hummeln, Bienen und vielen anderen Bestäuberinsekten an der Fritzdorfer Windmühlenstraße, denn hier stehen auf einer Länge von 800 Metern circa 60 Birnbäume in einer landschaftsprägenden Allee in voller Blüte. Die ältesten von ihnen sind bis zu 170 Jahre alt und stammen somit aus der Zeit, als die Fritzdorfer Windmühle gebaut wurde. Die Birnenallee ist eine Rarität, zumal hier 16 teilweise sehr selten gewordene Birnensorten zu finden sind; einige davon nur noch in Einzelexemplaren wie die Pastorenbirne, Kuhfuß, Tongern, Neue Poiteau oder Gelbmöstler. Das große Sortenspektrum sorgte früher für vielfältige Verwendungsarten wie Tafelobst, Kochobst, Brand, Most und „Kraut“. Heute produziert der Streuobstverein Wachtberg leckeren Birnenmost und den sehr beliebten Fritzdorfer Birnenbrand. (www.streuobst-wachtberg.de). Eine so alte Birnenallee ist schon eine Seltenheit - nicht nur in der Wachtberger Kulturlandschaft. Diese Allee stiftet einen vielfältigen Nutzen in der von intensiver Agrarproduktion und Plantagenobstbau geprägten weitgehend ausgeräumten Landschaft. Sie bildet die letzte „grüne Lebensader“ für viele Vögel, Insekten, Fledermäuse und Kleinsäuger; einige von ihnen gehören zu den besonders geschützten oder bedrohten Arten. Nicht zuletzt ist die Allee an diesem Standort für das Landschaftsbild und als Pollenspender für die umliegenden intensiv bewirtschafteten Birnenplantagen von großem Wert. Als ausgewiesener Wander-, Pilger- und Fahrradweg hat dieser schon von den Römern benutzte Handelsweg eine große kulturhistorische Bedeutung. Darum gilt es diese Allee zu schützen und zu erhalten. Einen gewissen Schutzstatus erhielt sie durch den Eintrag in das Alleenkataster von Nordrheinwestfalen, der vom BUND Wachtberg angeregt wurde. Nach § 47 Landschaftsgesetz ist der Eigentümer zur Erhaltung aufgefordert. Auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat den Wert dieser Allee gewürdigt und sie als „Bedeutsamer Landschaftsbereich Drachenfelser Ländchen“ in sein „Informationssystem Historische Kulturlandschaften und das landschaftliche Kulturelle Erbe“ aufgenommen. Sorge bereiten allerdings praktischen Maßnahmen zur Erhaltung der Allee. In einem Positionspapier hatte der BUND Wachtberg bereits Ende 2010 ein praktisches Handlungskonzept zur Diskussion gestellt, welches in den Grundzügen bei der Gemeinde Wachtberg und der unteren Landschaftsbehörde des Rhein-Sieg-Kreises Zustimmung fand. Erste Nachpflanzungen wurden vom Streuobstverein Wachtberg durchgeführt. Es besteht jedoch nach wie vor dringender Handlungsbedarf, um die nach wie vor bestehende Gefährdung durch landwirtschaftlichen Schwerlastverkehr, Straßenunterhaltung und angrenzende Nutzungen einmal grundsätzlich anzugehen. Ein verbindlicher Maßnahmen- und Ausbauplan mit tragfähiger Perspektive für die nächsten Jahrzehnte ist unverzichtbar. Ein erfolgreiches Beispiel für die Erhaltung einer alten Allee vermeldet die Biostation Rhein-Sieg. In Hennef-Söven (Rhein-Sieg-Kreis) wurde erst kürzlich mit der finanziellen Unterstützung des Landschaftsverbandes Rheinland in Höhe von 17.000 Euro eine Obstallee revitalisiert. Warum sollte das nicht auch in Wachtberg möglich sein. Es soll im Frühling auch weiterhin kräftig summen und brummen für eine reiche Ernte, damit auch künftig Birnen, Saft und Brand von der Fritzdorfer Windmühlenstraße verkostet werden können und darüber hinaus ein kleines Stück historisch bedeutsamer Kulturlandschaft im Drachenfelser Ländchen erhalten bleiben.Pressemitteilung

des BUND Wachtberg

Sortenspektrum der Birnenfrüchte.

Sortenspektrum der Birnenfrüchte.

Die blühende Birnenallee in Fritzdorf soll erhalten bleiben.Fotos: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Monatliche Anzeige
Dauerauftrag 2025
Innovatives rund um Andernach
Tag der offenen Tür
Container Anzeige
Stellenanzeige mehrere Stellen
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
Titelanzeige
Unterstützeranzeige
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel.  Foto:privat
5

Allgemeine Berichte

EIN-Spruch: Fest(e) der Befreiung

Vom 01.-09. April wird die jüdische Pessach Woche begangen, die nahezu zeitgleich zusammenfällt mit der von den Christen begangene Kar- und Osterwoche. Durch Jesus bedingt hängen beide Festtraditionen, auch inhaltlich, miteinander zusammen.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
178

Leserbrief zu „HeimatCheck: Bad Neuenahr: Zu viele unangeleinte Hunde im Stadtgebiet?“

Leserbrief: „Das ist keine Tierliebe, das ist Egoismus!“

Ich bin fast 75 Jahre alt. Seit meinem 17. Lebensjahr habe ich Hunde. Zwei dieser Hunde wurden von unangeleinten Hunden angefallen, und so schwer verletzt, dass sie nur durch hohe tierärztliche Kunst gerettet werden konnten. Beide hatten ihr Leben lang mit den Folgen zu kämpfen.

Weiterlesen

Andreas Bohn hat das Ehrenamt im Blut.  Foto: privat
23

Seit vielen Jahren engagiert sich Andreas mit Herzblut für seine Heimat.

HeimatHelden: Andreas Bohn ist die gute Seele von Reifferscheid

Reifferscheid. In jeder Gemeinde gibt es Menschen, die im Hintergrund wirken, anpacken, zuhören und einfach da sind, wenn man sie braucht. In der Gemeinde Reifferscheid ist so ein Mensch Andreas Bohn. Seit vielen Jahren engagiert sich Andreas mit Herzblut für seine Heimat. Als stellvertretender Ortsbürgermeister und langjähriges Mitglied im Gemeinderat hat er Verantwortung übernommen und die Entwicklung des Dorfes aktiv mitgestaltet.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Daueranzeige
Kreishandwerkerschaft
Kreishandwerkerschaft
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Koblenz blüht
First Friday Anzeige März
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
SB Standesamt
Stellenanzeige
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
PR-Anzeige
Dauerauftrag 2026
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Unterstützeranzeige
Mitarbeiter IT-Administrator