Allgemeine Berichte | 29.11.2012

Historisches Wegekreuz erneut eingesegnet

Pfarrer Hermann Josef Zeyen sah in dem Wiederaufbau des Kreuzes ein Zeichen der christlichen Hoffnung

Das historische Steinkreuz aus dem Jahre 1665 hat seinen Platz bei den drei Eichen am „Eeschebömche“ wieder gefunden. Die Adendorfer feierten die Rückkehr mit einer kleinen Feierstunde.VJ

Adendorf. Mit einer kleinen, aber hochkarätig besetzten Feierstunde brachten die Adendorfer ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass das Wegekreuz am „Eeschebömsche“ wieder an seinen angestammten Platz zurückgekehrt ist. Nachdem im vergangenen Jahr unbekannte Vandalen das historische Denkmal zerstört hatten, war es liebevoll restauriert und wieder an seinem ursprünglichen Standort aufgestellt worden.

An der Kreisstraße 68 zwischen Adendorf und Eckendorf steht das älteste Adendorfer Wegekreuz, es stammt aus dem Jahre 1665, inmitten eines malerischen Ensembles aus drei alten Eichenbäumen, die dem Dreieck an der Einmündung eines Wirtschaftsweges seinen Namen gegeben haben. Die Ortsausschuss-Vorsitzende Ursula Perkams erläuterte die Historie des unter Denkmalschutz stehenden Steinkreuzes. Das 3,30 Meter hohe Kreuz aus Trachyt mit beeindruckender Inschriftentafel, eines der vier Segenskreuze von Adendorf, ist der Schutzpatronin von Adendorf, der heiligen Margareta, geweiht, und nun dorthin zurückgekehrt, wo es fast 350 Jahre gestanden hat.

Keiner weiß, wer das Kreuz aufstellte

Bis heute wisse keiner, wer das Kreuz einst aufgestellt hat, „es ist aber auch unerheblich, wer es war - für uns ist wichtig, dass es überhaupt gestiftet wurde“, betonte Perkams. Und was das Kreuz den Adendorfern bedeute, gehe nicht zuletzt aus der Inschrift hervor, die heute leider praktisch nicht mehr lesbar sei. „Santa Margareta, Patronin von dem Ort, O Sünder, hör auf mein Wort, nieder auf die Knie, ehre Gott Deinen Erlöser. Hier 1665.“ Bis um das Jahr 1900 habe hier übrigens nur eine einzelne Eiche gestanden, die beiden anderen seien erst kurz nach der vorigen Jahrhundertwende hier gesetzt worden, wusste Perkams anhand alter Bilder und Postkarten zu berichten.

Im Februar 2011 jedoch gab es einen großen Schock im Dorf, denn das Kreuz wurde zerschmettert und am Boden liegend aufgefunden. Es war offensichtlich von Unbekannten mit roher Gewalt von seinem Sockel gestoßen worden, gegen die dahinter stehende Eiche geprallt und in Stücke zerbrochen und zersplittert. Die erste Bergung geschah in strömendem Regen an einem späten Freitagabend durch einen Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Adendorf, die jedoch die schweren Teile nicht abtransportieren konnte. In der darauffolgenden Woche wurden die Großteile des Kreuzes mit schwerem Gerät durch den Bauhof der Gemeinde Wachtberg abtransportiert und alle Teile im Bauhof gelagert.

Plötzlich war der Kreis Eigentümer

Als man nun überlegte, wie weiter vorzugehen sei, stellte die Untere Denkmalbehörde der Gemeinde Wachtberg überraschend fest, dass das Kreuz gar nicht der Gemeinde gehört, sondern im Eigentum des Rhein-Sieg-Kreises ist. Es steht nämlich unmittelbar an der Kreisstraße 68, heute Eifelstraße genannt, die Adendorf mit Eckendorf verbindet. So hatte der Rhein-Sieg-Kreis plötzlich und unerwartet zwar ein zusätzliches, aber auch ein zerstörtes Denkmal in seinem Besitz.

„Uns Adendorfern kam es zugute, dass wir gerade ‚Golddorf‘ im Kreiswettbewerb ‚Unser Dorf hat Zukunft‘ geworden waren“, erinnerte sich Perkams. Dieser Kreiswettbewerb liege nämlich in der Zuständigkeit des Planungsdezernates des Rhein-Sieg-Kreises, das auch verantwortlich zeichne für die Kreisstraßen. Dort traf man auf viel Verständnis, als das Bauamt der Gemeinde Wachtberg, der heimische CDU-Kreistagsabgeordnete Karl Schmitz und Vizebürgermeisterin Perkams dort vorsprachen. Besonders Schmitz hatte sich sehr verdient gemacht, denn er habe keine Mühen gescheut, alle Verantwortlichen von der Notwendigkeit der Renovierung zu überzeugen. So wurde schließlich das nötige Geld für die Reparatur und Wiedererrichtung des Wegekreuzes im Kreishaushalt bereitgestellt, die Gemeinde Wachtberg als Untere Denkmalbehörde mit der Ausschreibung beauftragt. Sie vergab den Auftrag an den Diplomrestaurator Thomas Sieverding, und im September diesen Jahres kehrte das beeindruckende und sehr vermisste Wegekreuz, sorgfältig restauriert, an seinen Stammplatz am „Eeschebömsche“ zurück.

Für Erhaltung christlicher Denkmäler

„Mit der kleinen Feierstunde zur Rückkehr des Wegekreuzes möchten wir als Christen ein Zeichen dafür setzen, dass wir die heute leider übliche heimliche, gewaltsame und willkürliche Zerstörung unserer Glaubenszeugnisse verurteilen und uns auch weiterhin für die Erhaltung unserer christlichen Denkmäler einsetzen werden“, betonte Perkams. So war es auch Pfarrer Hermann Josef Zeyen vergönnt, das historische Wegekreuz erneut einzusegnen. „Das Kreuz ist ein Zeichen des Glaubens, und der Wiederaufbau des Kreuzes ist als Zeichen der christlichen Hoffnung zu sehen“, sagte er dabei.

Kreisstraße wird demnächst ausgebaut

Dieter Dettke, Leiters der Abteilung Kreisstraßenbau beim Rhein-Sieg-Kreis, machte deutlich, dass der Kreis gerne zu seiner Verpflichtung gestanden habe, das historische Kreuz wieder herzurichten, „denn schon im Grundgesetz steht: Eigentum verpflichtet.“ Der Kreis sei zwar ziemlich überraschend zu einem Eigentum gekommen, von dem er bis zu seiner Zerstörung keine Ahnung hatte, habe dieser Verpflichtung jedoch Rechnung getragen und für die baldige Reparatur gesorgt. Dettke hatte eine weitere erfreuliche Nachricht mit im Gepäck, denn der Kreistag habe beschlossen und auch im Haushaltsplan verankert, die Kreisstraße vom Ortsende bis zur Landesgrenze bei Eckendorf in einem Zeitraum von acht bis zehn Jahren auszubauen. Dann werde auch der Fußweg, der jetzt provisorisch eingerichtet ist, benutzerfreundlicher gestaltet, versprach er. Schließlich brachte Jagdhornbläser Klaus Schulze Lohne sehr zur Freude der Zuhörer, darunter Bürgermeister Theo Hüffel und die Burgherren-Familie von Loë, das Hornsignal „Fürstengruß“ zu Gehör. VJ

Das historische Steinkreuz aus dem Jahre 1665 hat seinen Platz bei den drei Eichen am „Eeschebömche“ wieder gefunden. Die Adendorfer feierten die Rückkehr mit einer kleinen Feierstunde.Foto: VJ

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Dienstleistungen
China Wellness Massage Andernach
Kirmes in Kettig KW33
Stellenanzeigen
Yoga und Pilates Kurse
Imageanzeige - Sommeraktion 2+1 - 1. Anzeige
Engelporter Kirmes 2026
Empfohlene Artikel
Ob rasante Fahrt im Breakdancer oder doch lieber ein ruhigeres Vergnügen beim Entenangeln – die Kirmes in Sinzig hatte für jeden Geschmack etwas zu bieten.
68

Die traditionelle Sinziger Kirmes hat auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Besucherinnen und Besucher in die Innenstadt gelockt. Vier Tage lang wurde gemeinsam gefeiert, gefahren und die lange Kirmestradition der Stadt gepflegt. Wir haben die schönsten Impressionen in unserer Fotogalerie im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Die Auftritte beim Latscho-Festival lockten zahlreiche Besucher an die Bühne.
135

Latscho“ kommt aus dem Romanes (Sprache der Roma) und bedeutet „Super“ oder „Alles gut“. „Koblenz zeigte sein schönstes Gesicht, denn ohne Latscho geht es nicht“, reimte die künstliche Intelligenz von Chat-GPT zu dem 3tägigen Latscho-Festival auf dem Zentralplatz. Alles rund ums Festival jetzt im RegioMAGAZIN lesen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Niederhutstraße in Ahrweiler. Foto: ROB
2355

Nach den umfassenden Arbeiten nach der Flut lädt die Stadt zu einem großen Fest ein

03.09.: Ahrweiler: Niederhutstraße wird feierlich wiedereröffnet

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Anlässlich des vorläufigen Abschlusses der Wiederaufbauarbeiten und der Wiedereröffnung der Niederhutstraße im Zentrum von Ahrweiler laden die Stadtverwaltung sowie die Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft am Donnerstag, 3. September, von 17 bis 21 Uhr zu einem Eröffnungsfest ein. Die Veranstaltung findet zeitgleich mit dem Shopping-Genuss-Abend statt.

Weiterlesen