Hitzeschutz im Rhein-Sieg-Kreis
Klimabündnis fordert wirksamen Hitzeschutz in Wachtberg und linksrheinischen Kommunen
Wachtberg. Klimabündnis fordert konkreten Hitzeschutz in Wachtberg und den anderen linksrheinischen Kommunen
Nach der Hitzewelle im Juni, Juli und August mit mehr als 12.500 zusätzlichen Todesfällen in Deutschland fordert das Klimabündnis Rhein-Voreifel die sechs linksrheinischen Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises auf, die Bevölkerung wirksam vor den nächsten Hitzewellen zu schützen. Das Bündnis legt dafür einen Katalog kurz- und mittelfristiger Maßnahmen vor – von klimatisierten Schutzräumen und Trinkbrunnen bis zu verbindlichen Hitzeaktionsplänen.
Der Juni 2026 war beispielsweise der heißeste jemals in Westeuropa gemessene Juni. Der Deutsche Wetterdienst registrierte für die Region sieben Tage mit extremer Hitzebelastung (gefühlte Temperatur von 38 °C oder mehr) sowie mehrere Tage mit starker Hitzebelastung; an vielen dieser Tage waren zudem die Kriterien einer extremen Wärmebelastung für ältere Menschen erfüllt. Auch im Rhein-Sieg-Kreis geriet das Gesundheitswesen an seine Kapazitätsgrenzen: Der Katastrophenschutz wurde aktiviert, Notaufnahmen und Pflegepersonal waren massiv überlastet.
Die Klimaforschung zeigt eindeutig, dass Hitzewellen dieser Art an Intensität und Häufigkeit zunehmen werden. Die sechs linksrheinischen Kommunen des Kreises haben bereits 2022 gemeinsame Konzepte erarbeitet. Dennoch fehlen nach Einschätzung des Bündnisses in vielen Gemeinden selbst elementare Vorbereitungen; teils wird auch die Dringlichkeit der Lage von den politisch Verantwortlichen nicht erkannt. Einzelne Kommunen, z.B. Bornheim, haben dagegen bereits Grundlagen geschaffen. Für Wachtberg bleibt noch viel zu tun.
Kurzfristige Maßnahmen zur Umsetzung in den Gemeinden
• Klimatisierte Räume, z.B. in Gemeindegebäuden, während Hitzewellen öffnen – einschließlich der Kirchen –, damit Menschen tagsüber Zuflucht finden, wenn ihre Wohnungen zu heiß sind. Die Online-Karten kühler Orte in den Gemeinden ausbauen und bekannter machen. Prädestiniert wären öffentliche Gebäude in den einzelnen Ortsteilen.
• Trinkbrunnen priorisiert in den Gemeinden bereitstellen und Stellen aktivieren, die kostenfrei Leitungswasser für mitgebrachte Trinkgefäße anbieten („Refill-Stationen“). Ein entsprechender Bürgerantrag aus dem Jahr 2023 befindet sich derzeit noch in der politischen Abstimmung. Kurzfristig wären sowohl Hydrantenlösungen denkbar als auch die Reihenzapfstellen des Trinkwassernotversorgung des Bundes (soweit in den Gemeinden Trinkwassernotbrunnen vorhanden sind)
• Die Bevölkerung umfassend warnen und über Schutzmaßnahmen informieren, etwa mit den Materialien des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (https://www.klima-mensch-gesundheit.de/), der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V. (https://www.klimawandel-gesundheit.de/handlungsfelder-und-projekte/hitze/) und des Alfterer Vereins Dialog-Gesundheit-Klima e. V. (https://dialog-gesundheit-klima.de/hitzeschutz).
Mittelfristige Maßnahmen zur Umsetzung in den Gemeinden
• Hitzeaktionspläne in allen Gemeinden verabschieden und umsetzen.
• Gesundheitseinrichtungen, Pflegeheime und -dienste, Schulen, Kindergärten und Notfalldienste umfassend auf Hitzewellen vorbereiten.
• Dicht besiedelte Quartiere kühlen: schattenspendende Bäume pflanzen, Flächen entsiegeln, Fassaden begrünen.
• Hitzeschutz in allen Bebauungsplänen verbindlich berücksichtigen.
Klimaschutz bleibt die wirksamste Vorsorge
„Da wir mit einem weiteren Anstieg der Temperaturen und der Hitzebelastung rechnen müssen, ist es für den Schutz der Bevölkerung entscheidend, dass wir diesen Anstieg durch wirksame Maßnahmen zur Minderung der Treibhausgasemissionen abschwächen“, sagt Angela Austermann, Koordinatorin des Klimabündnisses Rhein-Voreifel. Das Bündnis fordert deshalb ein deutlich größeres Engagement der Gemeinden auf dem Weg zur Klimaneutralität.
„Was das Bündnis fordert, kostet wenig und kann rasch umgesetzt werden.“, sagt Austermann weiter: „Bereits klimatisierte Räume und Kirchen bei Hitze öffnen, Trinkbrunnen aufstellen (notfalls in einer akuten Lage auf das Equipment der Trinkwassernotversorgung des Bundes zurückgreifen), Stellen einrichten, an denen man kostenlos die Wasserflasche auffüllen kann, und die Menschen rechtzeitig warnen - besonders die, die es am nötigsten haben. Später soll dann in jeder Gemeinde ein richtiger Hitzeaktionsplan folgen. „
„Bei hohem Fieber senken wir das Fieber - aber geheilt ist der Patient erst, wenn wir die Infektion behandeln“, sagt der Internist Prof. Axel Glasmacher, aktives Mitglied des Klimabündnisses, „Hitzeschutz senkt das Fieber. Klimaschutz beugt vor und behandelt die Krankheit.“
Informationen und Tipps zum Hitzeschutz: www.klima-mensch-gesundheit.de , www.dialog-gesundheit-klima.de/hitzeschutz . Kontakt zum Klimabündnis: https://klimabuendnis-rhein-voreifel.de
Über das Klimabündnis Rhein-Voreifel
Das Klimabündnis Rhein-Voreifel ist ein offener Zusammenschluss von Klima- und Umweltinitiativen aus den sechs linksrheinischen Kommunen (Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal, Wachtberg) sowie weiteren Organisationen des Rhein-Sieg-Kreises.
Die folgenden 13 Initiativen unterstützen dieses Statement:
• ADFC Bonn/Rhein-Sieg
• BürgerEnergie Rhein-Sieg e.G.
• BürgerEnergie Rhein-Voreifel e.G.
• BUND Rhein-Sieg
• Dialog-Gesundheit-Klima e.V. (Alfter)
• Initiative Klima- und Umweltschutz, Wachtberg
• Initiative Meckenheim „Lebendige Natur versus Stein- und Plastikwüsten“
• Kidical Mass Bornheim
• Klimapatennetzwerk Rhein-Voreifel
• Landschaftsschutzverein Vorgebirge
• Parents for Future Bornheim/Swisttal/Weilerswist
• Parents for Future Wachtberg
• VCD Bonn Rhein-Sieg/Ahr
Ohne aufwendige Installation sofort an jedem Hydranten anschließbar: Die Reihenzapfstellen der Trinkwassernotversorgung des Bundes (Näheres über bbk.bund.de ), die in der Regel jedem Notbrunnen zugeordnet sind und dort vorgehalten werden. Foto: FOTO: © Bundesstadt Bonn
Eigene Darstellung mit Daten: RKI, Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität KW 28/2026 (23.07.2026); Epid. Bulletin. Aktuelle Daten unter: https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html Foto: (c) RKI/eigene ergänzende Daten
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