Allgemeine Berichte | 17.02.2015, 12:10 Uhr

Heimatverein Pech

Landrat a.D. Kühn in der Pecher Winterakademie

Landrat a.D. Kühn in der Pecher Winterakademie. privat
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Wachtberg-Pech. Es war eine besonders glückliche Idee des Heimatvereins Pech, den langjährigen Landrat Fritjof Kühn zu einem Vortrag über den Rhein-Sieg-Kreis in die Gnadenkirche einzuladen. Denn wie kein zweiter habe dieser, wie Günter Wagner als Vorsitzender zur Begrüßung ausführte, die Entwicklung des Landkreises geprägt und ihn zukunftsfest gemacht.

Seit 1981 im Dienste des Kreises, davon die letzten 15 Jahre als Landrat, war Kühn für eine ganze Generation „das Gesicht des Landkreises“, und für viele auch die Vaterfigur des Kreises: Als er 2014 zurücktrat, war er 71 Jahre.

Entsprechend kenntnisreich und farbig war sein Blick zurück und Blick voraus, dem das gut gefüllte Haus konzentriert zuhörte. Natürlich sei ein solcher „Kragenkreis“ nicht organisch gewachsen, sondern ein Kind der Kreisreform von 1969 und der Hauptstadt-Funktion:

Der alte Siegkreis und die ländlichen Teile des Kreises Bonn. Zusammen ergab das den zweitgrößten Landkreis Deutschlands. Entsprechend hat er an vier Landschaften Anteil: Dem Bergischen Land, dem Siebengebirge, dem Vorgebirge und der Voreifel. Da die größten Städte Troisdorf und St. Augustin linksrheinisch liegen, ist dort auch der gewerbliche Schwerpunkt. „Wir Wachtberger sind,“ so der Landrat, „zwar die Gemeinde mit der höchsten Kaufkraft, aber sonst eben mehr hochwertige Landbau- und Erholungslandschaft.“

Sehr aufschlussreich waren seine Ausführungen über die Kreisverwaltung in Siegburg, in die die Wachtberger, wegen der Außenstelle Meckenheim, selten kommen: Eine gut geölte Großbehörde mit 1.200 Bediensteten, die Kreisgesellschaften für Verkehr und Abfall nicht mitgerechnet. Darin spiegelt sich eine breite, aber wenig bekannte Palette von Zuständigkeiten: Jugendamt und Schulaufsicht, Natur-, Umwelt-, und Denkmalschutz, Raumplanung und Bauaufsicht, Gesundheit und Veterinäramt, Gemeindeaufsicht und natürlich die staatlich fixierten Sozialleistungen. Nach dem Bonn-Berlin-Gesetz hinzugekommen und großenteils (aber das sagte er nicht) Lebenswerk des Landrates ist der Rhein-Sieg-Kreis als Hochschul- und Innovationsstandort: Die florierenden Hochschulen in Alfter, St. Augustin – Rheinbach und die Fachhochschule Bad Honnef: Auch dadurch für junge Familien attraktiv, ist der Kreis eine Zuzugsregion geworden, seit 1987 um 22 Prozent, vor allem im Dienstleistungsbereich.

Ein hohes Lied folgte auf die kommunale Selbstverwaltung, die im nächsten Jahr im Rheinland 200 Jahre alt wird: Sie stimuliere Initiative, Kreativität und Leistung. Voraussetzung sei aber ein konstruktives Zusammenwirken von Landrat und Kreistag (dessen Vorsitzender er ist), das in vielen Städten und Kreisen von NRW wegen unterschiedlicher Wählermehrheiten nicht mehr selbstverständlich sei. Daher die sehr berechtigte Frage: War die Kreisreform von 1996 wirklich in allen Teilen eine gute Idee?

Auch sonst kam im Frage-Antwort-Teil noch viel Interessantes zur Sprache: Die Aushöhlung des Bonn-Berlin-Gesetzes wäre auch für den Kreis gefährlich, Festspielhaus und Ennertaufstieg sind auch für den Kreis zu bejahen, der Asylantenzuzug ist zu bewältigen, aber die Rückführung bei derart langen Verfahren nicht mehr realistisch. Die Zuhörer bedankten sich lebhaft für den gehaltvollen Abend und der Vorsitzende mit dem traditionellen Nobel-Wein.

Landrat a.D. Kühn in der Pecher Winterakademie. Foto: privat

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