Allgemeine Berichte | 27.08.2015, 11:05 Uhr

Bilderbuch ohne Bilder - Teil 2

Was der Mond erzählt

Musiker Christian A. Lemmer (links) und Rezitator Peter Thomas. Gemeinde Wachtberg
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Wachtberg-Ließem. Was in den Kulturwochen 2014 begonnen hatte, wurde in den diesjährigen Wachtberger Kulturwochen fortgesetzt. Hans Christian Andersens „Bilderbuch ohne Bilder“, Teil 2 - gelesen von Peter Thomas, vertont und musikalisch dargeboten von Christian Albert Lemmer auf dem Klavier.

Der Mond erzählt

Die insgesamt 33 kurzen Geschichten aus Andersens „Bilderbuch ohne Bilder“ werden jeweils vom Mond erzählt. Der schildert seine Beobachtungen, die er während der nächtlichen Reisen rund um die Welt macht, einem jungen Künstler. Und gibt diesem damit, verbunden mit dem Rat, „Male du nur, was ich dir erzähle, und du wirst ein recht hübsches Bilderbuch erhalten!“ allabendlich neue kreative Aufgaben. Christian Albert Lemmer hat Andersens Werk als Klavierzyklus programmatisch vertont. Entstanden sind 33 Miniaturen, die den gedanklichen Inhalt widerspiegeln, ihn aufgreifen, zuweilen auch fortführen. Der Wechsel von gesprochenem Wort und den ein- bis knapp zweiminütigen Klavierstücken gibt dem Zuhörer Raum, die gehörten Geschichten während der Musik gedanklich zu verarbeiten und zu vertiefen.

Gelesenes Wort

Aufgeteilt in drei Mal jeweils elf Geschichten hatten Lemmer und Thomas die Episoden 1 bis 11 im letzten Jahr vorgetragen. Jetzt, am zweiten Samstag der diesjährigen Kulturtage, standen im Ließemer Köllenhof die Beobachtungen 12 bis 22 auf dem Programm. Mit ruhiger und klarer Stimme gestaltete Peter Thomas auch diesen mittleren Teil des Andersen’schen „Bilderbuches ohne Bilder“ bravourös. Und schnell bauten sich bei seiner Lesung die einzelnen, vom Mond beschriebenen Bilder auf, entführten den Zuhörer in fremde Welten und ließen ihn teilnehmen an den großen und kleinen menschlichen Schicksalen. Wie schon im Vorjahr verstärkten die nach jeder Geschichte von Lemmer gespielten kurzen Kompositionen das eben Gehörte - musikalisch perfekt intoniert und emotional das Erzählte vertiefend. Da ist die mit „Die Redakteure“ betitelte Szene, in der sich drei Redakteure kontrovers mit der Frage beschäftigen, ob die Arbeit eines jungen Schreibers gut oder schlecht ist. Er sei ein unglückliches Talent, so das Fazit, wird später der Nachwuchsliterat dem Antwortschreiben entnehmen.

Gespielte Musik

Lemmer verstand es, das Hin und Her der Diskussion der drei Prüfer auch musikalisch umzusetzen, ja, stellenweise klang sie ebenso schwankend wie die drei vermeintlich Gelehrten mit ihren Meinungen. Niedlich war auch die Episode vom Bruder und seiner Schwester, die beide vor dem Haus auf die Geburt ihres Geschwisterchens warten und dabei einen Storch nicht aus den Augen lassen, soll er doch derjenige sein, der den erwarteten Familienzuwachs bringt - ein Brüderchen. Mit seiner ruhigen und klaren Komposition brachte Lemmer die kindliche Naivität, aber auch die feste Überzeugung der Geschwister von der Richtigkeit ihrer Beobachtung zum Ausdruck. Tragisch war die Geschichte „Des Schauspielers letzter Abgang“, die von einem Schauspieler handelt, der bei seinem Auftritt im Theater vom Publikum ausgepfiffen wird. Seine Enttäuschung kann er jedoch überwinden, und so sieht ihn der Mond ein Jahr später als Mitglied einer Wanderbühne erneut auf der Bühne stehen. Auch dieses Mal erntet der Künstler nur Ablehnung von den Zuschauern. Gebrochen nimmt er sich daraufhin das Leben. Lemmer setzte die Tragik und Dramatik dieser Szene musikalisch sehr bewegt um. Und so reihten sich verschiedene Lebenseinblicke aneinander, kleine und große Freuden, leichte und schwere Dramen, und schlossen den Reigen des 12. bis 22. Abends aus dem „Bilderbuch ohne Bilder“ von Hans Christian Andersen, gelesen von Peter Thomas und vertont von Christian Albert Lemmer. Pressemitteilung der

Gemeinde Wachtberg

Musiker Christian A. Lemmer (links) und Rezitator Peter Thomas. Foto: Gemeinde Wachtberg

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