25 Jahre Städtepartnerschaft Bassenheim - Pasym
Freundschaft über 1325 Kilometer
Bassenheimer Bürger zu Besuch in Ollen
Bassenheim.Es war im Juni 1988, als sich vor dem Rathaus im Masuren-Städtchen Pasym, dem ehemaligen Passenheim, ein polnischer und ein deutscher Bürgermeister mit kräftigem Händeschütteln begrüßten. 25 Jahre später weilte Altbürgermeister Theobald Groß mit einer Gruppe
Bassenheimer wieder in dem Städtchen zwischen zwei großen masurischen Seen, um das „silberne Jubiläum“ einer gelungenen Partnerschaft gebührend zu feiern. Im 1884 in der deutschen Zeit errichteten schlossähnlichen Rathaus wurden die Gäste aus dem Rheinland vom heutigen Bürgermeister Bernhard Mius in deutscher Sprache herzlich begrüßt.
Mutiger Bürgermeister
Kaum war der dampfende Kaffee aufgetragen, kam zur freudigen Überraschung der Bassenheimer Altbürgermeister Andrzej Gralczyk dazu, der 1988 vom Regierungspräsidenten in Allenstein zum Rapport zitiert worden war: „Wie kommen Sie dazu, einen deutschen Bürgermeister zu empfangen? Sie wissen doch, dass die Regierung in Warschau das verboten hat.“ Der gerügte Bürgermeister argumentierte mutig: „Freundschaft ist eine gute Sache“. Dem Regierungspräsidenten genügte die pflichtgemäße Missbilligung, denn in Warschau zeichnete sich bereits die Ablösung der kommunistischen Regierung ab. Die Partnerschaft Bassenheim-Pasym konnte sich sehr bald trotz der 1325 Straßenkilometer zwischen beiden Orten entwickeln. In die freundschaftlichen Verhältnisse zwischen, Bassenheim und Pasym, das 1386 aus der Hand des Obersten Spittlers im Ordensstaat, Siegfried Walpot von Bassenheim, als erster Ort Masurens Stadtrechte erhalten hatte, sind außer der heutigen polnischen Stadtverwaltung auch die beiden Kirchengemeinden mit ungewöhnlichem Engagement eingebunden. So wurden die mit ihrem Altbürgermeister gekommenen Bassenheimer im katholischen Pfarrhaus Herz-Jesu von Pfarrer Josef Grazul zu einer großen Kaffeetafel eingeladen. Altbürgermeister Groß verteilte Geschenke: Wein von der Mosel und ein Foto, das Pastor Grazul während eines Urlaubs vor dem Pfarrhaus St. Martin in Bassenheim zeigt. Bei der anschließenden Besichtigung der Pfarrkirche zeigte der Pastor stolz die Inschrift am Altartisch: „Passenheim 1876“. Es ist die Jahreszahl der Einweihung der Kirche durch den Bischof aus Frauenburg, Philipp Krementz, der zuvor Pfarrer von St. Kastor in Koblenz gewesen war und später in Köln Erzbischof und Kardinal wurde. In Koblenz trägt nicht nur eine Straße seinen Namen, er ist auch Ehrenbürger seiner Geburtsstadt geworden.
Ein weiterer Höhepunkt in Pasym war die Besichtigung der 1391 von Siegfried Walpot von Bassenheim erbauten Ordenskirche, die heute der kleinen evangelischen Gemeinde als Gotteshaus dient. Pfarrer Witold Twardzik, ein geborener Schlesier, dessen Eltern in Kruft wohnen, berichtete über die wechselhafte Geschichte der Kirche. 1525 hatte die Reformation Einzug gehalten. Im 17. Jahrhundert von Tataren schwer beschädigt, hatte Napoleon 1807 seine Pferde in der Ordenskirche unterstellen lassen. Es wurde lobend erwähnt, dass das historische Gotteshaus ein neues Läutewerk erhalten hat, gestiftet von der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim-Kärlich. Das Besuchsprogramm in Pasym wurde mit einem Orgelkonzert, dargeboten von der Tochter des Pfarrers Twardzik, eindrucksvoll beendet.
Die Tage in Masuren wurden auch genutzt, die berühmte Wallfahrtskirche Heilige Linde und die gewaltigen Bunkerreste des Führerhauptquartiers Wolfsschanze zu besichtigen. Krönender Abschluss der Reise war eine Fahrt mit einem Schiff der Weißen Flotte auf dem riesigen Spirdingsee in einer großartigen Landschaft.
