Gleiches Geld für gleiche Arbeit
Frauen erhalten immer noch weniger Lohn - Equal Pay Day 2013 auch im Landkreis Mayen-Koblenz.
KREIS MYK. Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer in vergleichbaren Berufen. Mit einer Gemeinschaftsaktion der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Mayen-Koblenz, der Stadt Koblenz sowie Vertretern des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Klinikum Kemperhof, wurde am 21. März auf die niedrigen Löhne im Pflegebereich aufmerksam gemacht.
Frauen müssen durchschnittlich fünfzehn Monate arbeiten, um das Einkommen zu erhalten, welches ihre Kollegen in vergleichbaren Berufen in einem Jahr verdient haben. „Dabei geht es nicht nur um die unterschiedliche Entlohnung von Frauen im selben Beruf, sondern auch um die Ungleichheit am Arbeitsmarkt durch schlechte Bezahlung in frauendominierten Bereichen wie in Gesundheitsberufen“, sagt Lea Bales, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Mayen-Koblenz.
Die Aktion am Klinikum Kemperhof in Koblenz machte auf die niedrigen Löhne in den Pflegeberufen aufmerksam. Dort arbeiten, mit einem Anteil von 80 Prozent, hauptsächlich Frauen. Nach aktuellen Zahlen der Hans Böckler Stiftung erhielt eine gelernte Altenpflegerin in Westdeutschland 2011 nur 14,13 Euro brutto pro Stunde. „Gerade diese anspruchsvolle und verantwortungsvolle Arbeit bekommt leider nicht die nötige Anerkennung und eine angemessene Entlohnung, die sie verdient“, so Bales.
Mit kurzen Statements von Persönlichkeiten aus Politik, Medizin und Pflege in Mayen-Koblenz hatten die Gleichstellungsbeauftragten von der Stadt Koblenz und dem Landkreis eine Kartonwand gebaut.
Anschaulich wurde so auf die Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt hingewiesen. „Viel Dienst- wenig Verdienst“, das ist leider immer noch das Resümee der Lohnentwicklung in den Gesundheitsberufen. Warum arbeiten so viele Frauen in Niedriglohnberufen? Die Benachteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt liegt zum einen in der Unterbrechung der Ausbildung oder der Karriere durch familiäre Gründe. Frauenberufe werden aber in der Gesellschaft leider auch traditionell schlechter angesehen. Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass Pflegeberufe sowie Reinigungs- und Haushaltsdienste bis ins 19. Jahrhundert meist unentgeltlich abgeleistet wurden oder keine existenzsichernde Entlohnung boten. Seit 64 Jahren ist die Gleichstellung der Frau in Deutschland im Artikel drei des Grundgesetzes formal verankert.
Der Equal Pay Day hat seine Wurzeln in den USA. Dort fanden schon in den sechziger Jahren, angeführt von der Emanzipationsbewegung, Proteste für Lohngleichheit statt. Der leidenschaftliche Einsatz der Frauen konnte die Politik zum Umdenken bringen: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist seither in Amerika gesetzlich verankert.
Seit 1966 macht der Equal Pay Day auf die bestehende Ungleichheit bei der Entlohnung in Frauen- und Männerberufen aufmerksam. In Deutschland sensibilisiert der Verein Business und Professional Women mit bundesweiten Aktionen für die Problematik. Gemein-sam mit dem Gesetzgeber, Vertretern der Medien und Gewerkschaften wird für mehr Anerkennung und leistungsgerechte Bezahlung in traditionellen Frauenberufen geworben. Das Konzept des Equal Pay Days hat inzwischen in zwölf europäischen Ländern Nachahmer gefunden.
Trotz aller Emanzipationsbestrebungen bleibt die mangelnde Anerkennung dessen, was Frauen leisten, ein weltweites Problem.
Zahlreiche Persönlichkeiten aus der Region gaben ihr persönliches Statement zum Equal Pay Day 2013 ab.
