„Unternehmerforum“ in der Stadthalle Weißenthurm
Grupp geißelte „Gier und Größenwahn“
Auf Einladung der Verbandsgemeinde und der GWG referierte Trigema-Chef Wolfgang Grupp
Weißenthurm. Nein, dieses Mal reiste er nicht mit dem Helikopter an: Wie Trigema-Chef Wolfgang Grupp bei seiner Ankunft mit Chauffeur und Mercedes berichtete, hatte er noch einen vorhergehenden Termin in Frankfurt, sodass das Fluggerät in seiner gläsernen Garage in Burladingen (Baden Württemberg) blieb. Gemeinsam mit den Vertretern der Verbandsgemeinde Weißenthurm, der Gemeinschaft Weißenthurmer Gewerbetreibender (GWG), der Raiffeisenbank Mittelrhein, der Sparkasse Koblenz, der Volksbank Mülheim-Kärlich und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft am Mittelrhein traf sich der bekannte Unternehmer zunächst zu einem Vorgespräch. Hierbei gewährte er seinen Zuhörern interessante Einblicke in seine Unternehmer-Philosophie, die er anschließend auch in der Stadthalle beim vierten Unternehmerforum zum Besten gab. VG-Bürgermeister Georg Hollmann konnte rund 200 Gäste begrüßen, zu denen auch Landrat Dr. Alexander Saftig und Stadtbürgermeister Gerd Heim gehörten. Sehr zahlreich vertreten waren der Vorstand und die Mitglieder der GWG. Der Weißenthurmer Unternehmenszusammenschluss hatte gemeinsam mit der Verbandsgemeinde die Veranstaltung organisiert.
Gastredner Wolfgang Grupp erfüllte die Erwartungen seiner Zuhörer voll und ganz: Mal informativ, mal heiter, dann wieder äußerst „bissig“ und provokant bestätigte der Unternehmer, weshalb er für seine rhetorischen Fähigkeiten bereits ausgezeichnet wurde. Der „König von Burladingen“ ist der Letzte von einstmals 26 Textilherstellern in seiner Heimatstadt. „Ich habe nie das gemacht, was man normalerweise in meiner Branche macht“, so Grupp zu Beginn seiner rund einstündigen Rede. Der Erfolg gibt dem 71-jährigen Recht: Während nahezu alle Mitbewerber des Textilunternehmers zwischenzeitlich insolvent sind oder ausschließlich im Ausland produzieren, beschäftigt er rund 1.200 Mitarbeiter. Im Verwaltungsbereich sind lediglich 32 Mitarbeiter tätig. Wie er mitteilte, sitzt er mit diesen in einem Büro, hat also kein Chefzimmer. „Die Mitarbeiter bei mir haben ein Wertigkeitsgefühl. Das ist mir ganz wichtig“, so Grupp. Hierbei setzt er auch auf langjährige Kräfte. „Mein Fahrer ist zwischenzeitlich schon 50 Jahre bei mir, seine Tochter arbeitet im Sekretariat“. Alle leitenden Positionen seien von ehemaligen Auszubildenden besetzt. „Wenn sich bei mir ein Mensch aus Hamburg bewirbt, dann kann das nur eine Superflasche sein. Denn wenn der gut wäre, dann würde er auch in Hamburg einen Job bekommen“. Die Tatsache, dass man in der Politik über einen Mindestlohn diskutiert, bezeichnete er als „Blamage für alle Unternehmer“: „Wenn jemand bei mir 8 Stunden am Tag arbeitet, muss er auch davon leben können. Wenn er das nicht kann, dann muss ich mich schämen“, so Grupp. Der Einstiegslohn in seinem Unternehmen beträgt 9,50 Euro. „Die Gewerkschaften sind so stark, wie schwach die Unternehmen sind“, so Grupp. Die asiatischen Textilproduzenten bezeichnete er nicht als Konkurrenten, sondern als Kollegen: „Die produzieren Massenwaren. Wir produzieren Qualität und stehen für Schnelligkeit: Ich bin jedem ausländischen Unternehmer voraus: Ich kann jedem Kunden innerhalb von 48 Stunden liefern, was er will“. Harsche Kritik äußerte der Trigema-Chef an der Verantwortungslosigkeit mancher Manager, denen er „Gier und Größenwahn“ vorwirft. Mit deutlichen Worten forderte der Verfechter mittelständischer Strukturen die persönliche Haftung von Unternehmern und Managern.
Auch zum Thema Unternehmensnachfolge hat der exzentrische Firmen-Chef seine eigene Philosophie. „Wenn meine Kinder nicht in meine Fußstapfen treten möchten, dann habe ich etwas falsch gemacht: Entweder ist meine Erziehung falsch oder die Tätigkeit, die ich ausübe“, so der zweifache Familienvater, dessen Sohn und dessen Tochter derzeit in London studieren. „Manchmal werde ich gefragt: Was machen Sie, wenn ihr Sohn einmal sagt, er möchte Musiker werden? Dann entgegnete ich, dass ich mir große Sorgen machen muss. Denn dann muss ich mir die Frage stellen, ob er meine Gene hat und ich überhaupt der Vater bin“, so Grupp, der im Rahmen seiner unterhaltsamen Rede nicht nur an den heiteren Stellen spontanen Zwischenapplaus erhielt. Wolfgang Grupp, der als Exzentriker unter den Deutschen Unternehmern gilt, begeisterte seine Zuhörer in der Stadthalle. Auch nach seinem Vortrag, für welchem ihm VG-Bürgermeister Georg Hollmann mit herzlichen Worten dankte, stand er beim anschließenden Empfang den Anwesenden Rede und Antwort.
Auch aufgrund zahlreicher Fernsehauftritte gilt Wolfgang Grupp als bekanntester Unternehmer Deutschlands. Der 71-jährige erläuterte im Rahmen der jüngsten Auflage des Unternehmerforums seine bemerkenswerte wie ungewöhnliche Unternehmensphilosophie.
