In St. Sebastian wurde vier Tage lang die traditionelle Kirmes gefeiert
Krachige Kirmes auf Basjaneser Art
St. Sebastian. Es gibt gewisse Arten von meteorologischen Regeln, die müssen einfach eingehalten werden. Eine davon greift jedes Jahr zur Kirmeszeit zu und besagt: „Das Wetter zur St. Sebastianer Kirmes ist stets das genaue Gegenteil der Mülheimer.“ Und da bei Letzterer der Sonnenschein kaum eine Chance hatte, blieb Wettergott Petrus nichts Anderes übrig, als die Basjaneser für ihre Traditionskirmes mit (meist) allerschönstem Sommerwetter zu beschenken. Für den gegenteiligen Fall hatten die Veranstalter der Kirmesgesellschaft St. Sebastian aber auch ein Patentrezept gehabt. Denn zum ersten Mal nach 20 Jahren wurde wieder ein großes Festzelt aufgebaut, um möglichen Wetterkapriolen entgegenzuwirken. Nötig war dies eigentlich nicht, dennoch bot das wiedereingeführte Partyzelt einen tollen Kirmesmittelpunkt. Vier Tage lang wurde in dem beschaulichen Rheindorf kräftig gefeiert. Passend zum Sonnenschein von oben wurde auch der Ort richtig herausgeputzt und in allen Straßen bestimmten bunte Fahnen das Bild.
Richtig los ging es bereits am Freitagabend: Hier wurde zum Kölschabend in das Festzelt geladen. Die Kirmes-Macher rund um ihren ersten Vorsitzenden Reinhold Milde hatten sich dazu ein tolles musikalisches Programm einfallen lassen. Daniela Dilow, der sympathische Nachwuchs-Schlager-Star aus St. Johann, heizte dem Publikum bei der Kirmeseröffnung richtig ein. Anschließend ging die Fete so richtig los: DJ Volker Drose, auch bekannt als „Galactic Disco“, machte seinem Namen alle Ehre, feuerte einen Hit nach dem anderem vom Band und sorgte mit viel Interaktion mit dem Publikum für gute Laune. Bis früh in die Morgenstunden zeigten die Basjaneser, wie partyfest sie sind und dass sie ein gekühltes Pittermännchen durchaus zu würdigen wissen. „Das war ein richtig guter Start“, resümierte Reinhold Milde angesichts der Gästeschar im guten dreistelligen Bereich.
„Katzeköpp“sorgen für gewaltigen Kanonendonner
Für Katerstimmung war jedoch keine Zeit, denn am Samstag wurde es traditionellerweise richtig laut: Die „Katzeköpp“, 42 Kilogramm schwere Minikanonen mit langer Geschichte, wurden am Rheinufer positioniert und natürlich abgefeuert. Die Wächter der Kanonen sind seit jeher die Mitglieder des Pulverjahrgangs unter der Leitung von Katja Müller. Seit sieben Jahren bedient die Schießmeisterin die traditionsreichen Kanonen jedes Jahr zur Kirmeszeit - und das mehrfach am Tag. „Schießen können wir eigentlich von sechs bis 22 Uhr“, erklärt Britta Müller. Von diesem Recht wird aber nur bedingt Gebrauch gemacht; nicht zuletzt aus Rücksichtnahme auf die gegenüberliegenden Nachbarn aus Bendorf, denen angesichts des gewaltigen Kanonendonners die Teller im Schrank wackeln.
Der Pulverjahrgang gibt sich jedes Jahr besondere Mühe mit der Aufrechterhaltung der „Katzeköpp“-Tradition, die ihren Ursprung in der Rheinschifffahrt hat und sich bis in das Jahr 1904 zurückverfolgen lässt. Von der Liebe zu diesem Brauch zeugt auch die „Uniform“ der Beteiligten. Mit roten Halstüchern, seinerzeit signalfarbenträchtiges Erkennungsmerkmal der Kanoniere, wird die Tradition auch optisch gelebt. Neben den „Katzenköpp“ gibt es natürlich auch noch einen nicht minder traditionellen Hauptdarsteller.
Zur Mittagszeit wurde der festlich geschmückte Kirmesbaum in die Höhe gestemmt. Muskelkater brauchte hier aber niemand befürchten; die Basjaneser setzten auf die Technik und so stand der Kirmesbaum dank des Einsatzes eines Krans schnell und sicher unter der fachmännischen Aufsicht der Feuerwehr. Anschließend bot der Samstagnachmittag genug Gelegenheit, sich bei den Fahrgeschäften den Tag zu vertreiben. Hier warteten die Basjaneser mit Klassikern wie Autoscooter und Karussell auf, die vor allem bei Kids gut ankamen. Für Bratwurst und Co. war selbstverständlich auch gesorgt und an gleich zwei Imbissbuden konnten die Kirmesbesucher Nierengulasch und „Chicken-Burger“, der übrigens schon Kult-Charakter hat, probieren.
Spannende Reise durch 30 Jahre Musikgeschichte
Nach dem urigen Nachmittag wurde am Abend ein besonderer musikalischer Gast und gleichzeitiger Party-Höhepunkt erwartet. Die Cover-Band „7AMP“ enterte das Festzelt und sorgte mit Hits aus den letzten 30 Jahren Musikgeschichte für eine geniale Atmosphäre mit Mitsing-Garantie und Gäsenhautfaktor. Unterbrochen wurde die Fete auf dem Dorfplatz durch das große Feuerwerk. Glücklicherweise können die Basjaneser mit Gerd Kerberger auf einen Pyrotechniker aus den eigenen Reihen bauen, der jedes Jahr ein ganz besonderes pyrotechnisches Highlight bietet. Kenner sprechen gar davon, dass das Kirmesfeuerwerk ein weitaus brillianteres Spektakel als das Feuerwerk zu „Rhein in Flammen“ sein soll.
Ein weiterer Höhepunkt war natürlich der festliche Zug durch St. Sebastian am Sonntag nach der Heiligen Messe in der katholischen Pfarrkirche. Durch die großzügig gesperrten Hauptstraßen des Ortes zogen Kirmesgesellschaft und zahlreiche Gäste mit viel Musik durch St. Sebastian. Nicht nur der ortseigene Musikvereins sorgte für tolle Unterhaltung- auch die Musikanten des Kaltenengerser Spielmannszug folgten der Einladung und spielten für die Gäste am Straßenrand auf. Jedes Jahr bietet die sogenannte Baumrede den Abschluss des Festzuges. Wie der Name schon sagt, wird zu Füßen des Kirmesbaumes eine unterhaltsame Ansprache durch ein Mitglied der Kirmesgesellschaft gehalten. Auch dieses Jahr wurde diese Aufgabe Marvin Thiel zuteil, der in seiner Rede das Ortsgeschehen auf humorige Art und Weise auf’s Korn nahm. Gemütlich fand der Sonntag bei Kaffee und Kuchen statt. Hier konnten sich die Basjaneser an der reich gedeckten Gebäcktafel bedienen und den Tag gemeinsam ausklingen lassen.
Kirmesbaum darf wieder kreativ verwendet werden
So wie der Kirmessonntag startete auch der Montag mit einer heiligen Messe, die musikalisch durch den Männergesangsverein mitgestaltet wurde, sowie der Gefallenenehrung. Anschließend standen die Kids im Mittelpunkt: Kinderclown Olli aus Köln brachte viele Tricks mit und sorgte für Begeisterung und gute Stimmung. Mit Spannung wurde dann der Nachmittag erwartet. Hier konnten die Gäste nicht nur beim Dämmerschoppen einige Kaltgetränke genießen, sondern auch bei der anschließenden Tombola tolle Preise abräumen. Was es dort wie in jedem Jahr zu gewinnen gab, erklärte der Kirmesgesellschaft-Chef Reinhold Milde: „Alles, was man zum Leben braucht - und den kompletten Kirmesbaum.“ Tatsächlich fand zum Ende der Kirmes der Kirmesbaum einen neuen Besitzer. Ob das jetzt ein Grund zur Freude ist, muss der Gewinner für sich selbst entscheiden. Aber da die Basjaneser ein kreatives Völkchen sind, hat sich für das Gehölz bisher immer ein tieferer Verwendungszweck gefunden. So fand der Kirmesbaum mal ein Ende als Brennholz, mal wurde das Holz zu Bastelzwecken dem St. Sebastianer Kindergärten übergeben. Sicher wird man sich auch dieses Jahr etwas Besonderes einfallen lassen.
Zum Abschluss der Kirmes wurde noch ein ganz Gast mit Spaßfaktor erwartet. Der „unglaubliche Heinz“ verwandelte das Kirmeszelt in einen Comedy-Club und sorgte für gute Stimmung. Und das nicht zum ersten Mal. Bei diesem tollen und abwechslungsreichen Kirmesprogramm fiel in auch diesem Jahr das Fazit richtig positiv aus: Ob bei Live-Musik, dem Feuerwerk oder beim Böllern mit den „Katzeköpp“- für alle Besucher waren in St. Sebastian die richtigen Kracher dabei. ROB
Mit dem Kölschabend im Festzelt wurde die Kirmes bei tollen Musikacts eröffnet. privat
Die „Katzköpp“ gehören zur Kirmes einfach dazu und werden vom Pulverdampf sorgfältig geladen und abgefeuert.ROB Auch 2015 begeisterte eine briillantes Höhenfeuerwerk, „Made in Basjanes“, die Besucher. privat

„Daumen hoch“ für die Kirmes. ROB

