Bauarbeiten am Wohnprojekt „Rheindörfer Platz“ schreiten zügig voran
Kritiker gründen neuen Verein
Kaltenengerser Anwohner setzen sich für die Verbesserung der Wohnqualität im Wohngebiet ein
St. Sebastian. Das Wohnprojekt „Rheindörfer Platz“ am Ortsrand von St. Sebastian geht mit großen Schritten seiner Realisierung entgegen. Rund 5,8 Millionen Euro investiert die Förder- und Wohnstätten gGmbH in die Anlage. Die zukünftigen schwerst- und mehrfachbehinderten Bewohner sollen selbstbestimmt und inklusiv (also in das örtliche Leben eingebunden) in der Anlage wohnen. Insgesamt drei Häuser mit jeweils zwei Wohngemeinschaften zu acht Personen werden entstehen. Die Kritiker der Anlage, bei denen es sich im Wesentlichen um angrenzende Nachbarn aus Kaltenengers handelt, sind jedoch der Meinung, dass es sich angesichts der Größe um ein Behindertenheim und nicht um normale Wohneinheiten handelt. Dies sieht der Bauherr, die Förder- und Wohnstätten gGmbH, anders. Die Streitigkeiten führten dazu, dass die Anwohner mit juristischen Mitteln gegen das Projekt vorgingen - bisher jedoch erfolglos. Zuletzt hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) zugunsten des Investors entschieden. Der Einzug der ersten beiden Wohngemeinschaften, der nun am 1. November dieses Jahres erfolgen soll, verzögert sich nur aus witterungsbedingten Gründen. Die Kritiker des Projekts aus dem angrenzenden Kaltenengerser Neubaugebiet erhielten ihrerseits ebenfalls viel Kritik, was bereits durch einige Leserbriefe deutlich wurde. Vereinfacht dargestellt wird den benachbarten Anwohnern ein behindertenfeindliches Verhalten vorgeworfen. „Wir haben nichts gegen behinderte Menschen. Wir sind aber nach wie vor gegen das Bauvorhaben“, so Holger Bräuer. Gemeinsam mit einigen Kaltenengerser Mitbürgern hat er nun den Verein „Wohnen am Rheindörferplatz“ ins Leben gerufen. Der Verein versteht sich als „Initiative für den Erhalt und die Verbesserung der Lebens- und Wohnqualität im Wohngebiet“. Wie es in einer Pressemitteilung des Vereins heißt, sollen insbesondere Menschen aus dem Wohngebiet, die auf Hilfe angewiesen sind, sowie Personen, die Unterstützung bei Verrichtungen des täglichen Lebens benötigen, durch den Verein Hilfe finden. „Für ältere oder beeinträchtigte Menschen können selbst kleine Aufgaben zur großen Herausforderung werden. Wir möchten es ihnen ermöglichen, ihren Lebensalltag weitgehend selbstständig meistern zu können“, so Gründungsmitglied Matthias Müller, der im neuen Verein als stellvertretender Vorsitzender tätig ist. Der Verein möchte für alle Nachbarn gleichberechtigt da sein, die jetzigen und auch für alle die zuziehen, so Holger Bräuer, der zum Vereinsvorsitzenden gewählt wurde. Er betont, dass Nachbarschaftshilfe nicht am Gartenzaun aufhören solle. Der Verein ist nun bestrebt, möglichst viele neue Mitglieder zu gewinnen. Der Internetseite des Vereins ist auch zu entnehmen, dass man dem Wohnprojekt der Förder- und Wohnstätten gGmbH (FWS) kritisch entgegensteht.
Erstaunen bei den Wohnstätten
Erstaunt über die Vereinsgründung zeigt sich daher der Geschäftsführer der Förder- und Wohnstätten gGmbH, Dr. Alfred Marmann. Er verweist auf einen neu vorliegenden Verwaltungsrechtsstreit von einem der künftigen Nachbarn aus Kaltenengers gegen eine Baugenehmigung, die der Kreis Mayen-Koblenz für den „Rheindörfer Platz“ erteilt hat. Es dürfe daher gemutmaßt werden, dass der gegründete Verein in erster Linie zum Ziel hat, die Lebens- und Wohnqualität der Vereinsgründer dadurch zu erhalten und nachhaltig zu verbessern, indem das Wohnen behinderter Menschen am Rheindörfer Platz verhindert wird. „Da wir aber optimistisch denkende Menschen sind, werden wir keine Vorverurteilung vornehmen“, so Dr. Marmann, der eigenen Angaben zufolge hofft, dass die Absichten redlich sind: „Wir werden abzuwarten haben, wie seriös der Verein sich künftig erweist. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer werden den Menschen mit Behinderung, die in den Wohngemeinschaften am Rheindörfer Platz bald leben werden, sehr willkommen sein“, so Marmann. Bereits jetzt schon gebe es in Kaltenengers und St. Sebastian viele Menschen, die in aller Stille anderen Menschen ihre Zeit und Kraft widmen. „Gerne reichen wir die Hände über den Gartenzaun, um dann die kontroverse Vergangenheit zugunsten der Menschen mit Behinderung konstruktiv zu bewältigen und Lebensqualität für alle Anlieger zu fördern“, so Dr. Marmann. Der neue Verein „Wohnen am Rheindörferplatz“ hat indes seine Arbeit aufgenommen. So beabsichtigt der Vorstand eine erste Wohngebietsbegehung. Beim Gespräch mit den Bürgern sollen deren Probleme erörtert werden, außerdem auch Ideen und Vorschläge für die Arbeit des Vereins gesammelt werden. In Planung ist bereits ein Wohngebietsfest. Der Verein informiert im Internet über seine Ziele und Aktivitäten (www.wohnen-am-rheindörferplatz.de oder www.rheindörferplatz.de).
