Politik | 27.04.2013

Maikäfer und Dschungelcamp

Beim Stichwort Mai fallen mir eine Vielzahl von Begriffen ein: Der Maiausflug, das Maibock-Bier, die Maibowle und natürlich der Maikäfer. Mal ehrlich: Wann haben Sie zum letzten Mal einen solchen Käfer gesehen oder gar in der Hand gehalten? Kinder wissen schon gar nicht mehr, wie dieser aussieht und verwechseln ihn nicht selten mit dem Marienkäfer. Apropos Kindheit: Da gab es doch irgendeine Geschichte, bei welcher die Maikäfer eine wichtige Rolle spielten? Richtig: In Wilhelms Busch „Max und Moritz“. Im fünften Streich bekommt Onkel Fritz (mit Zipfelmütze) Nachts im Bett Besuch von den kleinen Tierchen. Nicht nur in der Literatur, sondern auch in der Musik findet man den Maikäfer: Der bekannte Liedermacher Reinhard Mey schrieb Anfang der 70´er Jahre das Lied „Es gibt keine Maikäfer mehr“. Hintergrund war seiner Zeit der Einsatz von Insektiziden gegen den Schädling. Doch auch in Gebieten, in denen der Maikäfer nicht aktiv bekämpft wurde, ist seine Population stark zurückgegangen. Nur ganz selten hört oder liest man etwas von Maikäfer-Plagen, wie man sie früher kannte. In der Zeit, als Peter Linden (genannt „Lindemann“) als Ausscheller unterwegs war (also bis zum Anfang der 60´er Jahre), gehörte der Maikäfer so zum Frühjahr, wie heute das Bier zum Vatertag. Ältere Mitbürger werden sich noch erinnern: Man nutzte die Maikäfer damals sogar als Hühnerfutter. Doch nicht nur das: Die kleinen Tierchen fanden früher, etwa bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts, auch in der Küche Verwendung. In einigen Teilen Deutschlands sowie in unserem Nachbarland Frankreich wurden sie geröstet und zu Maikäfersuppe verarbeitet. Der Geschmack soll mit Krebssuppe vergleichbar gewesen sein. Zur Zubereitung wurden die Käfer ohne Flügel und Beine in Butter angeröstet und in Kalbfleisch- oder Hühnerbrühe gegart. Je nach Rezept wurde die Suppe gesiebt und als Brühe genossen oder die Käfer wurden anfangs im Mörser zerstoßen, die Suppe wurde passiert und mit etwas Mehlschwitze und Eigelb gebunden. Pro Person rechnete man etwa 30 Maikäfer. In einem Aufsatz aus dem Jahr 1844 heißt es, dass die Maikäfer damals nicht nur als Suppe, sondern von Studenten auch ungekocht gegessen wurden: „On vielen Conditoreien sind sie überzuckert zu haben, und man isst sie candiert an Tafeln zum Nachtische.“

Okay, ich gebe zu: All das hört sich heute nicht mehr sehr appetitlich an. Doch denken Sie daran, was manchmal Abends zur besten Sendezeit im Fernsehen gezeigt wird: Da müssen (verarmte) C-Prominente Dschungelprüfungen mit allerlei Insekten bestehen. Das ist grausam. Mir tun die Insekten leid: Sie können sich nicht wehren und müssen ihre Zeit mit solchen Prominenten im Dschungel verbringen. Da zeigt sich wieder: Deutschland ist ein Land, in dem der Tierschutz eine größere Bedeutung hat, als in so manchem tropischen Land. Denn das schwere Schicksal der australischen Insekten bleibt dem heimischen Maikäfer glücklicherweise erspart.

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