Allgemeine Berichte | 29.09.2013

Dekanat Andernach-Bassenheim - Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt

Mit Besuchen Freude bereiten

Zwei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen des Besuchsdienstes berichten von ihren Erfahrungen

(v.l.) Gisela Schmitz und Gretel Buhr. privat

Region. Mit dem Wortspiel „Freude bereiten bereitet Freude“ umschreiben Gretel Buhr und Gisela Schmitz ihren ehrenamtlichen Dienst in der Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt. Seit vielen Jahren überbringen die beiden munteren Damen, zusammen mit einigen anderen Helferinnen, allen Gemeindemitgliedern ab dem 75. Lebensjahr Geburtstagsglückwünsche der Pfarrei.

Gisela Schmitz erklärt, dass sich dabei die ehrenamtlichen Mitarbeiter eine Straße oder einen Bezirk aussuchen, in welchem sie ihren Dienst tun wollen. Die Größe eines Bezirkes hängt dabei ganz von den Wünschen und zeitlichen Möglichkeiten des Ehrenamtlichen ab. Durch die Übernahme von festen Bezirken können mit der Zeit freundschaftliche Beziehungen zu den Menschen entstehen. Gretel Buhr lacht über das ganze Gesicht, als sie berichtet, dass ihr eigener Bezirk zugleich ihre Nachbarschaft einschließt und sie zusammen mit den Menschen alt geworden ist.

Beide Frauen erleben, dass die Menschen sich sehr über den Besuch anlässlich des Geburtstages freuen. Dabei gestaltet sich jeder Besuch immer wieder überraschend anders und neu. Gisela Schmitz erzählt, dass manch ein Jubilar seine Glückwünsche erfreut an der Haustüre entgegen nähme und sie sich nach einem kleinen Wortwechsel wieder verabschiedet. Sie erinnert sich, dass sie vor einiger Zeit eine Dame besucht habe, mit der sie fast eine halbe Stunde zwischen „Tür und Angel“ gestanden und gesprochen habe. „Auch wenn sie mich nicht hereingebeten hat, war der Dame das Gespräch offensichtlich sehr wichtig und wertvoll und darauf kommt es an. Nicht meine Wünsche sind ausschlaggebend, sondern die des Menschen, den ich besuche“, erläutert sie.

Gefragt nach einer Begebenheit, an die sie sich sehr gerne zurück erinnert sprudelt es geradezu aus Gisela Schmitz heraus. Vor wenigen Tagen sei sie bei einer fast erblindeten, 90-jährigen Frau gewesen. Zum Abschied sagte diese Dame: „Ach, Frau Schmitz, was war das schön! Sie haben mir eine große Freude gemacht. Jetzt habe ich mit ihnen so viel gesprochen, dass es für eine ganze Woche reicht!“ Voller Anteilnahme berichtet sie weiter, dass sie wahrgenommen hätte, wie sehr die alte Dame bei ihrem Besuch aufgeblüht wäre. Viele der Menschen, die sie besuchen, leiden unter Einsamkeit und mangelnder Ansprache. So sei die Freude groß, wenn sich jemand ein wenig Zeit für sie nimmt. Und die Freude kommt bestimmt zu einem zurück, strahlt Gisela Schmitz. Das habe sie immer wieder erfahren dürfen.

Auf die Frage, wann sie mit dem Ehrenamt begonnen habe, antwortet Gretel Buhr: „Als ich noch etwas Zeit übrig hatte zwischen Familie, Haushalt und meiner beruflichen Tätigkeit.“ Auch ihr Glaube sei ihr dabei Motivation gewesen, denn schließlich, so betont sie fest, heißt es doch in der Heiligen Schrift: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Gisela Schmitz berichtet, dass sie für das Ehrenamt erst Zeit gefunden habe, als sie und ihr Mann nach über 30 Jahren das gemeinsame Geschäft aufgegeben haben. Da sie schon immer Freude am Kontakt mit anderen Menschen hatte und auch nach dem Berufsleben etwas Sinnvolles tun wollte, hat sie sich über die Anfrage des Besuchsdienstes nach einer Mitarbeit sehr gefreut. Anderen etwas Gutes tun stand für sie dabei im Vordergrund.

„Der zeitliche Aufwand im Besuchsdienst kann sehr unterschiedlich sein“, erklärt Gretel Buhr. Manchmal geht sie zwei Mal in der Woche zu einem Gratulationsbesuch, manchmal 14 Tage gar nicht und dann kommt es vor, dass zwei Besuche an einem Tag anstehen. Gisela Schmitz lacht laut auf und erzählt, dass sie vor Kurzem drei Geburtstagsbesuche an einem Tag gemacht habe. Aber das sei eine absolute Seltenheit, sagt sie beruhigend. Im Moment gäbe es leider verwaiste Bezirke und sie würde solange die Besuche dort übernehmen, bis sich hoffentlich bald neue Leute für diesen Dienst finden. „Wenn jemand noch etwas Zeit übrig und grundsätzlich Freude an der Begegnung mit anderen Menschen hat, dann ist dieses Ehrenamt genau das richtige für ihn“, wirbt sie.

Auf die Fähigkeiten angesprochen, die man für diesen Dienst mitbringen sollte, antwortet Gisela Schmitz: „Man sollte vor allem gut Zuhören können, aber auch Lust am Gespräch haben.“ Dabei sei die Verschwiegenheit eine Grundvoraussetzung, sind sich beide Frauen einig. Sie verstehen sich auch als eine Art Bindeglied zwischen der Pfarrgemeinde und den alten Leuten. „Wir lassen die Menschen wissen, dass sie von der Gemeinde nicht vergessen sind“, sagt Gretel Buhr.

Gefragt, ob ihnen auch Schweres oder Trauriges begegnet, erzählt Gretel Buhr leise, dass es ihr sehr nahe geht, wenn Menschen aus ihrem Bezirk sterben. Beide Frauen erweisen den langjährig Besuchten eine letzte Ehre, in dem sie mit zur Beerdigung gehen. Das sei dann sozusagen der allerletzte Besuch, sagt Gretel Buhr liebevoll lächelnd. Es sei auch schon vorgekommen, dass sie den hinterbliebenen Ehepartner weiter besucht habe.

Gisela Schmitz und Gretel Buhr ist der ehrenamtliche Besuchsdienst eine echte Herzensangelegenheit. Beide Frauen machen sich Gedanken darüber, wie man neue Mitstreiter dafür gewinnen kann. So hoffen sie, dass das Projekt der Pfarreiengemeinschaft Andernach „Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge“ eine Perspektive für die Zukunft ist. Weitere Information zu diesem Projekt unter www. pfarreiengemeinschaft-andernach.de oder bei Pastor Lutz Schultz, Tel. (0 26 32) 4 76 99 und Katharina Weinzheimer, Tel. (0 26 32) 30 06 20.

(v.l.) Gisela Schmitz und Gretel Buhr. Foto: privat

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