Realschule plus in Weißenthurm geschlossen
Schule am weißen Turm ist Geschichte
VG-Bürgermeister hält Schließung der Realschule plus für falsch - Lehrer und Mitarbeiter feierlich verabschiedet
Weißenthurm. „Die Schließung der Realschule plus am weißen Turm ist nach wie vor falsch“, sagte der Weißenthurmer Verbandsbürgermeister Georg Hollmann bei der feierlichen Verabschiedung der Lehrer und Mitarbeiter in der Mensa der Schule. Die Zwangsschließung wurde 2012 vom Mainzer Kultusministerium verfügt, da die Realschule plus drei Jahre hintereinander nicht die vorgeschriebenen Anmeldezahlen von 51 Schülern aufwies, dabei fehlten lediglich 5 oder 6. Die Schüler der letzten Klasse konnten aber noch ihren Abschluss machen und wurden kürzlich feierlich entlassen. Es war praktisch ein Tod auf Raten, denn immer mehr Lehrer und Mitarbeiter mussten die Realschule plus verlassen. Doch vor dem endgültigen Aus der Schule am 31. Juli kamen sie fast alle nochmals in der Mensa zusammen. Konrektorin Anne Sattler erklärte vor zahlreichen Gästen unter anderem vom Förderverein und der Kommunalpolitik: „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal die letzte Konrektorin dieser Realschule plus bin.“ Im Jahre 1969 wurde diese Einrichtung als erste Hauptschule im Landkreis Mayen-Koblenz dreizügig gegründet, um dann im Jahre 2009 Realschule plus zu werden. Anne Sattler erhielt für ihren Einsatz viele Geschenke unter anderem vom ehemaligen Personalrat und natürlich von ihren Kollegen. Neben Georg Hollmann dankte ebenso wie der Weißenthurmer Stadtbürgermeister Gerd Heim der Vizeschulleiterin für ihre Leistungen bei der Integration, schließlich besuchten Schüler aus fast 45 Nationen diese Schule. Eva Leimbach, Schulrätin bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) für Haupt- und Realschulen, erinnerte sich an 1987, „… als ich hier als Lehramtsanwärterin meine ersten Erfahrungen gemacht habe. Heute freue ich mich, hier noch einige bekannte Gesichter zu sehen.“ 1969 war das Geburtsjahr der Hauptschule Weißenthurm, die erste in Rheinland-Pfalz, symptomatisch für den Geist, der in dieser Schule geherrscht hat. „Es war eine Schule, wo Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen und aus aller Herren Länder unterrichtet wurden. Dass Kinder die deutsche Sprache nicht konnten, damit wurde hier selbstverständlich und konstruktiv umgegangen. Als ich hierhin kam, gab es ein freiwilliges 10. Schuljahr. Und da wurde sich immer um die Schüler gekümmert, die Probleme hatten, den Hauptschulabschluss zu erwerben.“ Der pädagogische Geist dieser Schule basiere auf drei Dingen meinte Eva Leimbach: „Positive Grundhaltung zum Kind, Teamgeist und ein darüber hinausgehendes Zusammengehörigkeitsgefühl und rheinisches Gemüt, wo eine 5 auch mal gerade sein durfte und immer alles mit Humor genommen wurde“, lobte die Schulrätin. Sie dankte den Lehrern für die Dinge, die sie neben dem Unterricht den Kindern mitgegeben haben: Vertrauen, Selbstvertrauen und prägende menschliche Erfahrungen. Die Schulstrukturreform 2009 sei laut Eva Leimbach durch den demografischen Wandel und das Verhalten der Eltern, ihren Kindern den höchstmöglichen Schulabschluss zu ermöglichen, notwendig geworden. „Was als Stärke gedacht war, ist hier zu Verhängnis geworden, die Mindestschülerzahl, die hier nicht erreicht wurde“, bedauerte die Referentin und weiter, „die Eltern haben mitgetragen, dass diese Schule nicht mehr existieren sollte und gemeinsam den Sterbeprozess gemeistert und begleitet.“ VG-Bürgermeister Georg Hollmann kritisierte die Schließung und meinte: „Man hätte hier auch mal eine Fünf gerade sein lassen sollen. Unser Engagement für eine Erhaltung war leider vergebens.“ Aber ein Ende bedeute auch ein neuer Anfang: „Als Schulträger mussten wir eine Nutzung der renovierten Gebäude finden und danken der ADD dafür, dass sie hier zugestimmt hat. In den Gebäuden werden die Klassen 5 und 6 der Realschule plus als Ganztagsschule und die dreizügige 8. Klasse des Gymnasiums des Schulzentrums Mülheim-Kärlich untergebracht. Damit sind hier in Weißenthurm alle 14 Klassenräume belegt“, erläuterte Georg Hollmann. Eltern und Schüler können aber nicht wählen, ob sie in Mülheim-Kärlich oder Weißenthurm zur Schule gehen, denn die Klassen 5 und 6 der Realschule plus und die 8. Klassen des Gymnasiums gibt es nicht in Mülheim-Kärlich, sondern ab dem neuen Schuljahr nur in Weißenthurm. Dass in Rheinland-Pfalz Städte und Verbandsgemeinden Träger der Realschule plus sind, ist normal, außergewöhnlich ist aber, dass die Verbandsgemeinde Weißenthurm als Träger eines Gymnasiums die Einzige im ganzen Land ist
