Kriminalstatistik 2012 im Bereich der Polizeiinspektion Andernach
Weniger Straftaten, aber auch geringere Aufklärungsquote
Andernach. In der Gesamtbetrachtung handelt es sich beim Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Andernach (Stadt Andernach, Verbandsgemeinden Weißenthurm und Pellenz) um eine sichere Region, fassten Kriminaloberrat Raimund Barz, Leiter der Andernacher Polizeiinspektion, sein Stellvertreter Ralf Schomisch und Polizeioberkommissar Daniel Gerner zusammen. Die Anzahl der 2012 registrierten Fälle liegt mit 4.501 auf einem niedrigen Stand wie seit Jahren nicht und die Häufigkeitszahl (Anzahl der Straftaten auf 100.000 Einwohner) liegt mit 5.553 unter dem Wert von Rheinland-Pfalz und auch unter dem Wert des gesamten Polizeipräsidiums Koblenz. Eine weniger positive Zahl gibt es dennoch: Die Aufklärungsquote ist mit 54,9 Prozent (2011: 57,2) die niedrigste der letzten Jahre.
Im Zuständigkeitsbereich der Polizei Andernach mit rund 81.000 Einwohnern konnten 2012 2.144 Tatverdächtige ermittelt werden (77,8 Prozent männlich). Der Anteil ausländischer Tatverdächtiger stieg auf 17,2 Prozent. Hier muss allerdings deutlich differenziert werden: Diese Zahl speist sich nicht aus der ausländischen Wohnbevölkerung, unterstreicht Ralf Schomisch. Die Quote der Mehrfachtäter hingegen verringerte sich auf 825 (38,5 Prozent). Unwesentlich änderte sich die Zahl der geklärten Straftaten unter Alkoholeinfluss auf 11,9 Prozent (2011: 13,5). Unter Drogeneinfluss wurden 6,2 Prozent der Straftaten verübt. Dass diese Zahl um 48,3 Prozent zurückging, liegt an geänderten Erfassungsmodalitäten, informiert die Polizei.
Verteilung der Deliktgruppen 2012
Straftaten gegen das Leben: 0,1 Prozent, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung: 0,7 Prozent, Rohheitsdelikte: 16,2 Prozent, Diebstahl ohne erschwerende Umstände: 21 Prozent, Diebstahl unter erschwerenden Umständen: 14,3 Prozent, Vermögens- und Fälschungsdelikte: 18 Prozent, sonstige Straftatbestände: 23,3 Prozent, strafrechtliche Nebengesetze: 6,3 Prozent
Junge Straftäter
Beim Thema Kinder, Jugendliche und Heranwachsende machen die Polizisten auf ein Problem aufmerksam, dass sich durch den Personalabbau bei der Polizei herauskristallisieren könnte: Prävention. Fast jede vierte Straftat wurde von Tätern unter 21 Jahren begangen. Die Gründe dafür sind vielschichtig, weiß Raimund Barz. Insbesondere die Eltern sind hier natürlich gefordert. Aber die Polizei ist nicht nur bei der Strafverfolgung einbezogen. So müssen Maßnahmen ergriffen werden, um einer weiteren Straffälligkeit entgegenzuwirken. Hierfür gibt es ein „Sachgebiet Jugend“, das ausschließlich für die Bearbeitung der Straftaten der unter 21-Jährigen zuständig ist und eng mit der Jugendarbeit und der Staatsanwaltschaft zusammenarbeitet. Darüber hinaus arbeiten die Polizisten präventiv auch auf anderen Feldern, etwa um junge Autofahrer auf die Gefahren zu schnellen Fahrens hinzuweisen und gehen bei Bedarf auch in Schulen.
„Straftaten gegen das Leben“
Bedauerlicherweise mussten 2012 im Bereich der Polizeiinspektion Andernach auch so genannte „Straftaten gegen das Leben“ registriert werden. Ende November brachte ein 47-Jähriger in Kruft seine Ehefrau und seine beiden Kinder im Alter von sieben und neun Jahren um. Der geständige Täter wurde zwischenzeitlich zu lebenslanger Haft verurteilt. Weiterhin gab es im März 2012 einen Mordversuch eines Vaters an seinem Sohn. Im September stach ein Bewohner eines psychiatrischen Wohnzentrums auf einen Mitbewohner ein.
Im Bereich der Rohheits- und Gewaltdelikte (730 Fälle) machen die Körperverletzungsdelikte etwa drei Viertel der Fälle aus. Die Aufklärungsquote ist mit 90,8 Prozent auch deswegen so hoch, erklärt Kriminaloberrat Barz, weil sich Täter und Opfer oft kennen. Die Geschlechterverteilung bei diesen Delikten ist eindeutig: 528 der 634 ermittelten Tatverdächtigen sind männlich.
„Massendelikt“ Körperverletzung
Auch die Untergruppen dieser Delikte sind interessant. So wurden 13 Raubdelikte in 2012 gezählt (11 aufgeklärt) - darunter fallen Handtaschenraub, Überfälle und die erzwungene Herausgabe von Wertgegenständen. Körperverletzung hingegen ist ein „Massendelikt“: 546 Fälle wurden 2012 zur Anzeige gebracht (Vorjahr: 580). Allerdings wird auch festgestellt, dass heute schneller angezeigt wird. Die Aufklärungsquote in dem Bereich liegt stetig über 90 Prozent.
Die gefährliche und schwere Körperverletzung reduzierte sich bei den registrierten Fällen von 146 in 2011 auf zuletzt 133 - aufgeklärt wurden davon 82,7 Prozent. Einen Schwerpunkt dieser Deliktgruppe bildet aber die gefährliche und schwere Körperverletzung auf Straßen, Wegen und Plätzen. Wie im Grunde erwartet, spielt hierbei der übermäßige Alkoholkonsum eine große Rolle, aber auch Drogen. Als besonderes Beispiel wird der Schwerdonnerstag in Mülheim-Kärlich genannt. Der Umzug selbst sei nicht das Problem, so Ralf Schomisch. Vielmehr verabredeten sich viele junge Menschen an diesem Tag von außerhalb dort. Entsprechend wichtig nehmen die Polizeibeamten an solchen Tagen wieder die Präventionsarbeit. Durch offene Präsenz von Ordnungsamt und Polizei an bekannten Orten und mit restriktiven Kontrollen zu Alters- und Alkoholbeschränkungen will man die Zahl der Delikte minimieren.
Eine andere Untergruppe bilden Nötigung (71 Fälle), Bedrohung (69 Fälle) und Nachstellung („Stalking“) mit 16 Fällen. Aufgeklärt wurden 92,9 Prozent dieser Delikte. Wie in jedem Jahr muss auch über häusliche Gewalt und Gewalt in engen sozialen Beziehungen berichtet werden. Hier gab es 177 Fälle (Vorjahr: 202). Da in der Regel Täter und Opfer in sehr enger sozialer Beziehung zueinander stehen (Ehepartner oder Lebensgefährten), ist die Aufklärungsquote mit 99,4 Prozent sehr hoch. Seit etwa zehn Jahren können Opfer repressiv, also mit einer Strafanzeige, aber auch präventiv gegen die Täter vorgehen. So wurden 2012 21 Wegweisungen aus der eigenen Wohnung verfügt. 18 Mal wurden Opferdaten an die Interventionsstelle weitergegeben (freiwillige Maßnahme der Opfer).
Weniger Eigentumsdelikte - geringe Aufklärungsquote
Die Eigentumsdelikte gingen 2012 um 13,5 Prozent auf 948 Fälle zurück. Allerdings erreichte die Aufklärungsquote mit 28,1 Prozent einen Tiefststand. Das liegt oft daran, dass die Geschädigten zu spät zur Polizei kommen, oft auch nur, um eine Versicherungsleistung zu erhalten. Ermittlungsansätze liegen dann in der Regel nicht mehr vor. Beim Ladendiebstahl (165 Fälle) wird allgemein von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Diebstahl unter erschwerenden Umständen (zuvor besonders geschütztes Diebesgut) wurde 644 Mal registriert (Aufklärungsquote: 16,3 Prozent). 78 Wohnungseinbrüche stehen für 2012 in der Statistik, davon geschahen 33 tagsüber. Hier steigt die Zahl immer wieder zur kalten Jahreszeit an, wenn es früher dunkel wird. Die Aufklärungsquote stieg von zuletzt 5,6 auf 20 Prozent an. Neben dem wirtschaftlichen Schaden leiden die Opfer oft noch stärker psychisch.
Grundsätzlich kann jeder etwas tun: So informiert die Polizei über Möglichkeiten, Türen und Fenster besser zu schützen. Einige Opfer gaben zudem zuvor in sozialen Netzwerken einen anstehenden Urlaub bekannt - das ist natürlich fast schon eine Einladung zum Einbruch.
Betrug wurde in 602 Fällen zur Anzeige gebracht (81,9 Prozent aufgeklärt), Warenkreditbetrug in 172 Fällen (aufgeklärt 75,6 Prozent). In 101 Fällen wurde ein Tankbetrug angezeigt.
Sachbeschädigungen gab es 551 Mal (Vorjahr: 583), wovon 16,3 Prozent aufgeklärt wurden (Vorjahr: 22,3). Von diesen 551 Fällen entfallen 281 auf Sachbeschädigungen an Kfz (aufgeklärt werden konnten hier nur 8,2 Prozent).
Drogendelikte reduziert - großes Dunkelfeld
Die Polizei ist sich darüber im Klaren, dass sie bei Rauschgiftdelikten nur ein Dunkelfeld aufhellen kann. 2012 wurden 167 Fälle registriert (Vorjahr: 242). Stetig hoch ist die Aufklärungsquote (2012: 94,6 Prozent). Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass die Kriminalität in diesem Feld auch bei geringerer Fallzahl nicht auf dem Rückzug ist.
