- Anzeige - Medizinische Versorgung wird in Sinzig fortgeführt
Das Medicum ist wieder da
Kreis Ahrweiler. Dr. med. Losonc und sein Team mussten in den letzten zwei Jahren mit deutlichen Einschränkungen leben. Zunächst wütet seit nunmehr fast eineinhalb Jahren die Pandemie, die den Praxisalltag deutlich einschränkt. Zudem kam im September 2020 der Brand im Thermal-Badehaus hinzu. Und letztlich, so wie viele andere Menschen im Ahrtal, war Dr. Losonc von der Flutkatastrophe betroffen und die Praxen des MEDICUMS sind ebenfalls zerstört worden.
Wie geht es Ihnen mit dieser Situation?
Dr. Losonc: Ich bin erstmal froh, dass unser Team keine Opfer zu beklagen hat. Einige Mitarbeiter hatten nach der Flut deutliche Sachschäden, Menschenleben waren allerdings nicht betroffen. Bezüglich der Praxis ist momentan die Situation etwas schwieriger. Wir sind natürlich froh, dass wir Bad Breisig einen zweiten Standort hatten und dementsprechend relativ rasch dorthin ausweichen konnten. Allerdings ist die Praxis nicht für die Anzahl an Patienten und Personal ausgelegt. In der Kürze der Zeit war es allerdings nicht möglich einen geeigneten Ersatz in Bad Neuenahr zu finden. Auch konnte eine Container-Lösung nicht realisiert werden, die sicherlich interessant gewesen wäre. Insofern haben wir jetzt für eine Zwischenlösung in Sinzig entschieden.
Wir haben nun eine provisorische Praxis in Sinzig in der Barbarossastraße 36a, in dem ehemaligen Arbeitsamt, bezogen . Diese Räume werden wir voraussichtlich nur 12 bis 18 Monate behalten und in dieser Zeit suchen wir nach einer geeigneten Lösung in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Wie ist die Resonanz der Patienten und der ärztlichen Kollegen in dieser Situation?
Dr. Losonc: Die Resonanz ist durchweg positiv. Nahezu alle Patienten haben Verständnis für die Situation und nehmen längere Fahrzeiten und Wartezeiten in der Praxis in Kauf. Dennoch ist es so, dass nicht alle nach Bad Breisig oder Sinzig kommen können, da einigen das Auto weggeschwommen ist oder die Fahrzeit dementsprechend zu lang erscheint. Die Zusammenarbeit mit den betroffenen Ärzten war ebenfalls durchweg sehr gut. Bis auf wenige Ausnahmen haben alle sehr unterstützend geholfen. Wir hatten eine WhatsApp- Gruppe mit allen wichtigen Ärzten aus dem Ahrtal, bei der wir Neuigkeiten und Hilfsangebote ausgetauscht haben. Das war ein schönes Gefühl, dass in der Notsituation die Meisten zusammen halten.
Können Sie denn alle Leistungen anbieten, die sie früher auch angeboten haben?
Dr. Losonc: In Sinzig können wir nahezu alle Leistungen anbieten, die wir früher auch angeboten haben. Lediglich die Knochendichtemessung werden wir zunächst einmal nicht durchführen können. Insofern werden wir in Sinzig auf dem gleichen Niveau arbeiten können wie vorher im Thermal-Badehaus, nur sind die Räumlichkeiten dementsprechend nicht so exklusiv. Etwas positives hat das Ganze dennoch, wir konnten nun den Standort aus der Jesuitenstraße in das Provisorium verlegen. D.h. dass unsere orthopädisch-sportmedizinischen diagnostischen Verfahren, die wir zahlreich durchführen, nun direkt in der Praxis verfügbar sind. Das bedeutet, dass wir alle Messungen, die wir im orthopädischen/sportmedizinischen Bereich durchgeführt haben, in Sinzig verfügbar sind. Die Patienten haben nun deutlich kürzere Wege und die Versorgung kann somit zeitnaher und schneller erfolgen.
Behandeln Sie dann auch gesetzlich Versicherte in Sinzig?
Dr. Losonc: Natürlich. Uns ist wichtig, dass wir allen Menschen das gleiche medizinische Angebot anbieten. Deshalb haben wir bei der KV die Verlagerung unserer Kassensitze ebenfalls nach Sinzig beantragt. Somit können wir in Sinzig orthopädisch, chirurgisch, unfallchirurgisch, rehamedizinisch und allgemeinmedizinisch behandeln. Unsere Philosophie ist, den Menschen als Ganzes zu sehen und ihn aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Dazu gehört, dass wir Fachärzte untereinander bestimmte Fälle diskutieren und die optimale Lösung für jemanden finden. Dadurch, dass wir so nah beieinander sind, können sich schnell Internist und Orthopäde einmal austauschen und die erforderlichen Untersuchung einleiten. Das MEDICUM ist wie ein kleines Krankenhaus, nur ohne Betten. Wir haben durch unser Netzwerk außerdem noch zahlreiche andere Fachärzte, die wir innerhalb von kurzer Zeit konsultieren können. Dabei ist uns die Zusammenarbeit mit den beiden Krankenhäusern im Kreis extrem wichtig. Auch hier besteht ein regelmäßiger Austausch.
D.h. ich kann mich als Patient sowohl mit Hämorrhoiden als auch mit Rückenschmerzen bei Ihnen vorstellen?
Dr. Losonc: Ja, das ist genau unser Konzept. Wir wollen die Menschen als Ganzes sehen und manchmal haben bestimmte unspezifische Symptome einfach einen Zusammenhang. Sie müssen in diesem Fall nur damit rechnen, dass sie von zwei verschiedenen Fachärzten behandelt werden. Jeder ist auf seinem Gebiet ein Experte und die beiden Ärzte setzen sich dann im Anschluss zusammen und besprechen die bestmögliche Therapie auf dem jeweiligen Gebiet. Dr. Losonc ist Spezialist für Arthrose, Herr Green für Hände und Füße, Herr Thissen für Enddarmerkrankung und Weichteilbrüche, Herr Florescu für Wirbelsäulenbeschwerden. Unser Hausarzt Dr. Pataki komplettiert dann mit seinem internistischen Wissen. Herr Emmanoulidis, der bereits jetzt schon einmal wöchentlich bei uns praktiziert, wird gegen Ende des Jahres die Tätigkeit bei uns ausweiten und im neuen Jahr komplett in das MVZ einsteigen. Seine Schwerpunkte sind die Stammzelltherapie bei Arthrose und Injektionsverfahren am Rücken.
Stammzelltherapie, wofür wird sie verwendet?
Dr. Losonc: Die Stammzelltherapie ist die neueste Methode um Arthrose zu bekämpfen. Bei dieser Methode werden aus Fettzellen Stammzellen gewonnen. Das geschieht in einer kleinen Operation, bei der aus dem Bauchfett eine geringe Menge Stammzellen isoliert werden. Die Studien, die bisher durchgeführt wurden sind sehr vielversprechend und zeigen sehr gute Ergebnisse. Wir führen diese kleine Operation als einer der wenigen Kliniken in Deutschland durch. Die bisherigen Patienten haben eine sehr gute Rückmeldung gegeben. Somit haben wir eine weitere Waffe gegen Arthrose, neben der Hyaluronsäure und der Plasmatherapie. Die Stammzelltherapie ist in Deutschland für Sprunggelenk, Knie, Hüftgelenk und Schultergelenk zugelassen. Der kleine Eingriff wird in unserem OP in Bad Breisig durchgeführt und dauert circa zwei Stunden.
Wie sind Ihre weiteren Pläne für die Zukunft?
Dr. Losonc: Aktuell sind wir erst mal froh, dass wir in Sinzig angekommen sind. Anschließend werden wir die Situation neu bewerten und entsprechende Wege einschlagen. Wir hatten bereits jetzt verschiedene Szenarien, die wir gedanklich schon durchgespielt haben. Wir müssen natürlich schauen, wie sich die Stadt entwickelt und welche Einschränkungen wir noch haben. Unser Ziel ist es so schnell wie Möglich nach Bad Neuenahr-Ahrweiler zurückzukehren, um dort weiter zu praktizieren.
