Wirtschaft | 10.12.2019

-Anzeige- Kleiner Laden in Brohl - Lützing kämpft ums Überleben - ein Nachfolger wird gesucht

Gehen in Annemies Lädchen die Lichter aus?

Wer das Lädchen von Annemie Durben betritt, der darf mit einer individuellen Bedienung rechnen und auch auf ein ganz persönliches Schwätzchen hoffen. Fotos: Hans-Josef Schneider

Brohl-Lützing. Der Letzte macht die Lichter aus. Im vorliegenden Fall ist es eine Sie. Wenn sich nämlich in nächster Zeit kein Nachfolger oder keine Nachfolgerin findet, dann wird Annemie Durben die Pforten ihres Geschäftes im Eckhaus in der Josef-Leusch-Straße 2 schließen und den Lichtschalter auf Aus stellen. Dann gibt es auch im Ortsteil Brohl keinen Tante-Emma-Laden mehr. Und damit auch keine Möglichkeit mehr, sich mit anderen zu treffen und ein Schwätzchen zu halten, sich mit Brot oder Brötchen zu versorgen, die Zeitung zu lesen oder zu kaufen oder in Ruhe einen Kaffee oder Cappuccino zu trinken. Annemie fährt jeden Tag die Strecke von ihrem Wohnort Spessart durchs Brohltal zu ihrem Lädchen, öffnet schon um 4.30 Uhr, um Schichtarbeitern die Chance zum Frühstücken zu geben, und schließt gegen 14 Uhr, um wieder zurück zur Familie zu fahren. Auch sonntags hat Annemies Lädchen geöffnet, und zwar von 7 bis 11 Uhr. So strapaziös es auch ist - die zweifache Mutter und vierfache Oma hat nach wie vor viel Spaß an ihrer Beschäftigung. „Mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke, dass der Laden geschlossen werden müsste. Da hängt so viel Herzblut dran, das darf doch nicht einfach so zu Ende gehen“, gesteht die inzwischen 61-Jährige, die so lange mit dem Ort am Rhein verbunden ist, nahezu jeden kennt, dort 1972 ihre Lehre als Bäckereiverkäuferin absolviert hat und seit nunmehr 15 Jahren den Laden führt und damit die Nahversorgung in dem über tausend Einwohner zählenden Dorf aufrecht erhält.

In der jüngsten Vergangenheit hat sie noch einmal groß investiert, unter anderem hat sie eine moderne Kaffeemaschine angeschafft. Für ein kleines Einzelhandelsgeschäft, das Lebensmittel und weitere Artikel des täglichen Bedarfs anbietet, ist es angesichts der Discounter und Supermärkte äußerst schwer, auf Dauer zu bestehen. Das gelingt nur deshalb, weil dieses kleine Geschäft deutlich mehr bietet als die große Konkurrenz. Wer hier eintritt, der erlebt Entschleunigung pur. Keine Scannerkassen, aber ein sorgsam auf die Bedürfnisse der Kundschaft abgestimmtes Sortiment. Waren für solche Menschen, die kein Auto haben, keine Kinder, die ihnen die nötigen Sachen besorgen, die mal was vergessen haben und sich schnell und sozusagen nebenan damit eindecken können.

„Es sind vor allem ältere Leute, die sicherlich dankbar sein werden, wenn es mit dem Lädchen auch ohne mich weitergeht“, sagt die Noch-Ladenchefin, die bei Bedarf zeitweise von zwei Hilfskräften unterstützt wird. „In Oberdürenbach wünscht man sich einen Dorfladen zurück und will dafür die Weichen stellen. In Wassenach gibt es einen solchen. Noch ist der in Brohl vorhanden und warum soll sich nicht jemand finden, der dafür sorgt, dass er weiter geöffnet bleiben kann“, fragt sich Annelie Durben. „Ich erkläre mich bereit, nach einer Übernahme anfangs behilflich zu sein. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich zwei oder drei Frauen den Job aufteilen. Jedenfalls bin ich gespannt, ob und wer sich bei mir meldet. Man kann dies gerne während der Öffnungszeiten tun, aber auch telefonisch unter 02633-2251 oder per E-Mail: annemies-laedchen@web.de.

(hjs)

In diesem Eckhaus in der Josef-Leusch-Straße 2 befindet sich Annemies Lädchen.

In diesem Eckhaus in der Josef-Leusch-Straße 2 befindet sich Annemies Lädchen.

Wer das Lädchen von Annemie Durben betritt, der darf mit einer individuellen Bedienung rechnen und auch auf ein ganz persönliches Schwätzchen hoffen. Fotos: Hans-Josef Schneider

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