- Anzeige - Klinik Nette-Gut verabschiedet Pflegedirektor Werner Stuckmann in den Ruhestand
„Nach 35 Jahren Therapie als geheilt entlassen“
Andernach. Viele Weggefährten waren zur Feier gekommen, um sich von Werner Stuckmann persönlich zu verabschieden. Der kaufmännische Direktor der Rhein-Mosel-Fachklinik (RMF), Werner Schmitt, würdigte Stuckmanns langjähriges Engagement. Auf seine Initiative seien immer wieder neue Konzepte entwickelt und umgesetzt worden. Bei all seinen Entscheidungen habe in erster Linie das Wohl der Patienten im Vordergrund gestanden. Seine besondere Fähigkeit, sich in die Lage der Patienten hineinzuversetzen, hoben auch seine Kollegen und Weggefährten der forensischen Klinik Nette-Gut bei der offiziellen Abschiedsfeier hervor.
So war es auch kein Wunder, dass der scheidende Pflegedienstleiter seine Zeit in der Forensischen Psychiatrie aus der Sicht eines Patienten Revue passieren ließ. „Als ich vor 35 Jahren in den Maßregelvollzug eingewiesen wurde, hatte ich nicht gedacht, dass ich so lange bleiben würde“, so Stuckmann, der seine Karriere in der Pflege im Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt begann. Zuvor hatte er eine Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten absolviert. Als Stuckmann sich vor 35 Jahren schließlich für einen Berufsweg in der forensischen Psychiatrie entschied, fand er schwierige Verhältnisse vor. „Die Pfleger fungierten mehr als Schließer, denn als Pflegekräfte. Die Patienten wurden vorwiegend verwahrt“, erzählt Stuckmann seine Eindrücke. „Meine Therapiefrequenz war hoch, so wurde ich irgendwann nach Andernach verlegt“, beschreibt Stuckmann seinen Wechsel an die Klinik Nette-Gut im Jahre 2001. Auch dort habe er noch andere Bedingungen vorgefunden. „Es gab Vierbettzimmer, in denen zeitweise wegen Überbelegung auch sechs Patienten untergebracht waren“, erinnert sich Stuckmann.
„Die Zeit war geprägt von Überbelegungen und Pflegeanstieg“, betonte Werner Schmitt. Für die Klinik Nette-Gut sei dies Anlass gewesen, die Stabsstelle eines eigenen Pflegedirektor in der forensischen psychiatrischen Klinik Nette-Gut einzurichten – die es bis dato nicht gegeben habe. „Unter diesen Umständen Strukturen zu schaffen, die eine Arbeit zum Wohle der Patienten ermöglichen, war Stuckmanns erste Bewährungsprobe“, zollte Schmitt dem scheidenden Pflegedirektor Respekt, dass dies unter seiner Leitung relativ unproblematisch und ohne besondere Vorkommnisse gelang.
Sozio-Milieu-Therapie
In den folgenden Jahren legte Stuckmann ein besonderes Augenmerk auf die Sozio-Milieu-Therapie. „Insbesondere im Maßregelvollzug hat das Milieu einer Station einen großen Einfluss auf Patienten“, ist Stuckmann überzeugt. Den Pflegekräften komme in Zusammenarbeit mit weiteren Berufsgruppen der Klinik eine bedeutende Rolle zu, den Alltag auf den Stationen zu gestalten. „Dabei geht es dir um eine räumliche Umgebung, die der Genesung förderlich ist“, so der Ärztliche Direktor der Klinik Nette-Gut, Frank Goldbeck, der seit 2009 mit Stuckmann zusammen gearbeitet und in dieser Zeit den Maßregelvollzug gemeinsam mit ihm modernisiert habe. „Dass, was sich in den letzten Jahren in der Klinik Nette-Gut entwickelt hat, ist dir zu verdanken“, betonte RMF-Pflegedirektorin Rita Lorse. Auch Stuckmann selbst schaut zufrieden auf die vergangenen Jahre zurück. „Die therapeutischen Aktivitäten konnten erheblich gesteigert werden.“
Neben seinen beruflichen Aktivitäten in der Klinik Nette-Gut, engagierte sich Stuckmann als Landesvorsitzender in der Bundesfachvereinigung leitender Krankenpflegepersonen der Psychiatrie (BFLK). Auch die Einrichtung einer Landespflegekammer in Rheinland-Pfalz ist nicht zuletzt seinem unermüdlichen Engagement zu verdanken. „Damit hat Stuckmann dafür gesorgt, dass die Pflege die Stellung und den Rank bekam, der ihr gebührt“, bescheinigte auch Dr. Julia Schwaben, Psychiatriereferentin beim rheinland-pfälzischen Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit, Stuckmann, 18 Jahre lang einen guten Job gemacht zu haben.
Der Patient und seine Mitarbeiter standen immer im Vordergrund
Im Vordergrund standen für den ehemaligen Pflegedienstleiter jedoch immer die Patienten und seine Mitarbeiter. So warb er auch in der Öffentlichkeit für Verständnis für die im Maßregelvollzug geleistete Arbeit. „Nach wie vor gibt es Probleme bei der Entlassung von Patienten in die Gemeindepsychiatrie“, betont Stuckmann, dass diese Vermittlung weiterhin notwendig sei. „Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Patienten in die Gesellschaft einzugliedern.“
Seine eigene Wiedereingliederung sieht er positiv. „Als Langzeitpatient konnte ich nach 35 Jahren endlich entlassen werden und werde nun in die therapeutische Wohngruppe meiner Frau Sabine ziehen“, verabschiedet er sich von seinen Weggefährten in seine neue Wahlheimat an der Nordseeküste. „Die Therapie hat mir gut getan und mich für das Leben außerhalb der Klinik gestärkt.“
Seinem Nachfolger Andreas Emmerich, der bereits seit 2008 als Pflegedienstleiter an der Klinik Nette-Gut tätig ist, sprach er Mut für die anstehenden Herausforderungen zu: „Ich weiß, dass deine Therapie sehr erfolgreich sein wird.“ Stuckmann überreichte Emmerich nicht nur die Kapitänmütze, sondern auch einen Werkzeugkoffer, damit er für alle Fälle gerüstet sei.
Die Rhein-Mosel Fachklinik verabschiedet ihren Pflegedirektor Werner Stuckmann (3.v.re.) in den Ruhestand und begrüßt seinen Nachfolger Andreas Emmerich (3.v.l.) (v.l.) Dagmar Weidmann, stellvertretende Pflegedirektorin, Peter Blum, Administrator und Werner Schmitt, Kaufmännischer Direktor. Foto: -UBU-
