- Anzeige - Landrat Hallerbach „Soziale Marktwirtschaft geht über die Wupper“
Sparkasse Neuwied feiert 175 Jahre mit Empfang der Wirtschaft
Neuwied. Anlässlich ihres 175-jährigen Bestehens richtete die Sparkasse Neuwied, als Veranstaltungspartner, den IHK-Empfang der Wirtschaft unter dem Motto „Wirtschaft und Finanzmärkte nach den Krisen“ aus. Pandemiebedingt fand die Traditionsveranstaltung in den letzten beiden Jahren nicht statt.
Im Gegensatz zum Jubiläum der Sparkasse, bietet das wirtschaftliche Umfeld wenig Anlass zum Feiern. Bei Landrat Achim Hallerbach schrillen die Alarmglocken: „Die soziale Marktwirtschaft geht über die Wupper“. Bei der Bestandsaufnahme war der Landrat noch guter Dinge. Dank eines ausgewogenen Branchenmix sei die heimische Wirtschaft gut durch die Krisen der letzten Jahre gekommen. Der Kreis Neuwied erwirtschaftet das viertgrößte Bruttoinlandsprodukt in Rheinland-Pfalz.
Der Blick nach vorn sei allerdings getrübt. Deutschland stürze wirtschaftlich ab und sei in der Rezession angekommen. Die einstige Konjunkturlokomotive sei zum Bummelzug geworden. Neben dem Fachkräftemangel hat der CDU-Landrat die regierenden Sozialdemokraten und Grünen als Schuldige ausgemacht. Das Festhalten an den CO2-Einsparungen sei selbstzerstörerisch und die Politik greife zu stark in die Wirtschaft ein. Die Folge: Firmen wandern aus Deutschland ab. Der Wirtschaftsminister mache Politik gegen und nicht für die Wirtschaft.
Achim Hallerbach fordert Bürokratieabbau, keine Gängelung durch die Politik, einen technologieoffenen Umbau, kurzum bessere Standortbedingungen. Leistung müsse sich wieder lohnen. Auch das Erstarken der Rechten schreibt der Landrat der Regierung zu. Mohrenstraße und Gendern, die Menschen hätten derzeit andere Sorgen.
In der anschließenden Talkrunde pflichtete Dr. Kai Rinklake dem Landrat bei. „Die Politik soll sich raushalten, die Wirtschaft schafft das schon“. Süffisant erinnerte er an die Merkel Ära. Da sei in den ersten hundert Tagen gar nichts passiert. Gemeinsam mit Achim Hallerbach und Dr. Kai Rinklake machte sich Dachdecker Innungsmeister Ralf Winn Gedanken um die Arbeitswelt von morgen und um die Frage, ob der wirtschaftliche Erfolg zur Sättigung geführt hat? „Wir haben so viel zu tun, da müssen wir eigentlich sechs bis sieben Tage arbeiten und nicht über vier nachdenken“, sagte Ralf Winn. Den Fachkräftemangel im Handwerk führt er zum Teil darauf zurück, dass immer mehr junge Leute studieren gehen. Dr. Kai Rinklake stellte den globalen Konsens her. Überall auf der Welt werde mehr gearbeitet. Vielfach sei die Leistungsbereitschaft höher und Deutschland müsse aufpassen, nicht abgehängt zu werden. Das Trio war sich einig: Die Deutschen müssen sich wieder mehr auf ihre Grundtugenden berufen.
„Noch mal gut gegangen“
Weniger politisch setzte sich Dr. Ulrich Kater, der Chefvolkswirt der DeKaBank, mit dem Zustand der Wirtschaft auseinander. „Noch mal gut gegangen“, lautet das Fazit des Ökonomen. Zwar befände sich Deutschland in der Rezession. Experten hätten aber wegen der Energiekrise, die die Finanzmärkte nunmehr abgehakt hätten und dem Zinsanstieg, stärkere Rückgänge erwartet. Die Kaufkraft sei überraschend hoch geblieben. Das habe sowohl in Deutschland als auch in den USA mit den Corona-Hilfen zu tun, die nun in die Märkte zurückfließen. Allerdings seien diese Milliarden Mitverursacher der Inflation. Eine Lohnpreisspirale sieht Dr. Ulrich Kater noch nicht. Bislang seien die hohen Abschlüsse eher Nachholeffekte und absolut verkraftbar.
Beim Blick in die Zukunft Deutschlands treibt den Volkswirt die Frage nach der Angebotsseite „gibt es zukünftig genug Konsumgüter“ um. Allerdings nicht von der Regierung, sondern langfristiger Politik verschuldet sei Deutschland überreguliert und es gebe zu viel Bürokratie, die dann auch noch unterbesetzt sei. Hinzu kommen die Demografie und die hohen Investitionen für die Energiewende. „Die Standortbedingungen müssen angepasst werden“, fordert Dr. Ulrich Kater. Der Volkswirt hatte auch eine gute Botschaft: „Deutschland ist an Freiheit und materiellen Werten eher die Ausnahme in der Welt“.
Abschied von Dr. Hermann-Josef Richard
Natürlich gab der Empfang der Wirtschaft auch reichlich Anlass, das 175-jährige Bestehen der Sparkasse Neuwied zu würdigen und Dr. Hermann-Josef Richard zu danken. 1848 gegründet und viel später mit der Sparkasse Linz und den Stadtspar- und der Kreissparkassen Neuwied fusioniert, beschäftigt die Bank heute 400 Mitarbeiter. Die Sparkassen, mit ihren Verbundpartnern der größte Finanzdienstleister Europas, so Dr. Ulrich Kater, seien in allen Krisen der stabilisierende Faktor der Wirtschaft.
Achim Hallerbach lobte, dass die Sparkasse Neuwied mit ihrer hohen Eigenkapitalquote mit an der Spitze des Landes stünde. Erheblichen Anteil daran hat Dr. Hermann-Josef Richard. 26 Jahre hat er die Geschicke der Sparkasse im Vorstand mitbestimmt. Beim Empfang der Wirtschaft verabschiedete sich der Vorstandsvorsitzende unter großem Applaus von langjährigen Geschäftspartnern, Kunden, Kollegen und Weggefährten. Der wirtschaftliche Erfolg der Sparkasse ist auch das Ergebnis kontinuierlicher Vorstandsarbeit.
Neuer Vorstandsvorsitzender ist Thomas Paffenholz, der seit 13 Jahren Vorstandsmitglied ist. Eins seiner Ziele formulierte er so: „Wir müssen stärker transportieren, dass wir nicht nur Omas Bank, sondern ebenso ein adäquater Partner für junge Leute sind“. Die Sparkassen App, den S-Broker und Vorreiter bei der Kooperation mit Apple Pay nannte der neue Vorstandsvorsitzender als Beispiele für die Innovationsfreude der Sparkassen.
FF
Die Abtei Rommersdorf bot dem traditionellen Empfang der Wirtschaft eine tolle Kulisse.
Thomas Paffenholz ist der neue Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Neuwied und Nachfolger von Dr. Hermann-Josef Richard.
