Politik | 10.12.2012, 09:19 Uhr

Kreistag Ahrweiler beschließt Einführung der Blauen Tonne ab 2013

Wer viel Altpapier sammelt, bekommt künftig Geld vom Kreis zurück

Ab 2016 soll jeder Gebührenzahler entsprechend der gesammelten Papiermenge eine Gutschrift erhalten

Kreis Ahrweiler. Eine Wertstofftonne mehr steht ab dem kommenden Jahr vor den Häusern im Kreis Ahrweiler. Der Kreistag beschloss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig die Einführung der blauen Altpapiertonne ab 2013. In einem ersten Schritt erhalten die Bürger ab dem kommenden Jahr eine 240 Liter große Blaue Tonne für Altpapier und Kartonagen, sie hat die gleiche Größe wie die jetzige Gelbe Tonne. Größere Wohnobjekte können auch ein fahrbares Gefäß mit einem Volumen von 1100 Litern ordern.

In einem zweiten Schritt ist geplant, ab 2014 Zug um Zug die Erlöse aus der Papiervermarktung an die Bürger zurückzugeben, damit die im eigenen Geldbeutel feststellen können, warum sich eine Papiertonne auch für sie lohne. Im letzten Schritt plant der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) das Vergütungssystem ab 2016 so zu verändern, dass jeder Gebührenzahler entsprechend der individuell gesammelten Papiermenge dann eine individuelle Gutschrift erhalten soll, die sich am Marktpreis für Altpapier orientiert. Jedes Kilo gesammeltes Altpapier bringt somit bares Geld in die Haushaltskasse.

Altpapier ist ein wertvoller Rohstoff

„Altpapier ist mehr als Abfall - Altpapier ist ein wertvoller Rohstoff“, stellte denn auch Landrat Dr. Jürgen Pföhler dazu fest. Daher sei es nur konsequent, die bisherige „Loseblatt-Sammlung“ weiterzuentwickeln zu einem zeitgemäßen Sammelsystem, das allen Seiten viele Vorteile biete. So habe der Kreis die Chance, durch ein effizientes Sammelsystem einen noch größeren Anteil am Altpapier zu verwerten. „Die Bürger können nun Körbe und Kisten einmotten, die im Keller oder der Garage Platz weggenommen haben. Stattdessen kann das Altpapier sicher in der Blauen Tonne im Hof oder im Außenbereich gesammelt werden“, frohlockte der Landrat. Wo es allerdings absolut keinen Platz für eine zusätzliche Tonne gebe, könne man auf Antrag auch beim bisherigen System bleiben. Und falls einmal besonders viel Papier zu entsorgen sei, könne man das auch weiterhin als Bündel mit herausstellen. Nicht zuletzt werde auch die Arbeit der Müllwerker leichter, die müssten nämlich bislang jedes einzelne Kilo Altpapier per Hand in das Sammelfahrzeug werfen. Das werde künftig weitgehend automatisch geschehen, wie bislang schon bei den anderen Tonnen. Zum Jahreswechsel wolle man alle Grundstückseigentümer anschreiben und über die geplante Änderung informieren.

Möglichst viel wieder verwerten

Bislang schon sammelten die Bürger im Kreis Ahrweiler jährlich rund 78 Kilo Altpapier pro Person, warfen dabei aber 23 Kilo in den falschen Behälter. Damit wurden rund 2700 Tonnen Altpapier einer Wiederverwertung entzogen, das Geld fehle in der Kasse. Stattdessen zahlten die Bürger für das Entsorgen dieses Wertstoffs rund 380.000 Euro pro Jahr, obwohl das gar nicht nötig wäre. Papier sei auf dem weltweiten Rohstoffmarkt seit langem ein gehandeltes Produkt, das allerdings auch gewissen Marktschwankungen unterliege. Bisher werde der Verwertungserlös für das Papier im gesamten Abfallgebührenansatz verrechnet, ohne dass Anreize für den einzelnen bestünden, die Papiersammlung zu intensivieren. Doch das soll sich künftig ändern, denn wer mehr Papier in der Tonne sammele, soll auch mehr Geld erhalten. Daher sei die Papiertonne auch eine Neuerung, bei der erstmals für Abfall individuell etwas gezahlt werden könne. Selbst bei schlechtem Wetter mache eine Blaue Tonne eine gute Figur, da das Papier darin nicht mehr wie bisher nass werden könne und auch nicht mehr bei starkem Wind fortgeweht werde.

Der Kreis wird bunter

„Der Kreis wird bunter“, sagte CDU-Sprecher Richard Keuler und fand, die Blautonne sei eine gute Lösung für alle Beteiligten. Altpapier sammeln werde sich künftig lohnen, vielleicht erreiche man dadurch sogar eine hundertprozentige Wiederverwertung dieses gesuchten Wertstoffes. Ulrich van Bebber (FDP) sah die Entscheidung auch als „Schritt in die richtige Richtung“, zumal die Bürger einen wesentlichen Anteil am Gewinn zurückerhalten sollen. Besonders für die Kreistags-Mitglieder sei dies ein willkommenes Zubrot wegen der immer umfangreicher werdenden Sitzungsunterlagen, die man anschließend entsorgen müsse, scherzte er. Für die SPD freute sich Christoph Schmidt besonders darüber, dass die Beteiligung und Information der Bürger einen großen Stellenwert einnehmen, wie es die SPD beantragt habe. Das soll künftig auch in anderen Bereichen stärker genutzt werden, wünschte er sich. FWG-Sprecher Johannes Bell wies allerdings darauf hin, dass die Einführung der Tonne zunächst Kosten verursache, die der AWB erst einmal wieder hereinholen müsse. Doch in ein, zwei Jahren habe sich das amortisiert und beginne, Gewinn abzuwerfen. VJ

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