Erschütterungen im „Wohnpark Saffiger Straße“ in Plaidt belasten die Anwohner
An jedem Werktag bebt die Erde
Sanierungsarbeiten auf der L117 sind seit Jahren dringend erforderlich - „BLICK aktuell“ sprach mit Betroffenen
Plaidt. Nahezu gespenstisch geht es nachts in einigen Häusern des Plaidter Neubaugebiets „Wohnpark Saffiger Straße“ zu. „Unter der Beul“ wird ein gutes Dutzend Familien um den erholsamen Schlaf gebracht und es scheint, als würden die Betroffenen die zermürbende Situation noch viele Hundert Nächte ertragen müssen: Kinder, die verängstigt das Bett der Eltern aufsuchen, klirrende Gläser im Schrank, vibrierende Böden, Knarren im Dachstuhl, verdächtige Risse - zeigt sich hier etwa der Vulkanpark von seiner besten Erdbebenseite? Nein, schlichte Ursache für das belastende Phänomen sind erhebliche Schäden in der, durch einen Lärmschutzwall abgegrenzten, viel befahrenen Fahrbahndecke der Landesstraße 117, Ochtendunger Straße, unterhalb der Auffahrt zur A 61 an der Ortsgrenze von Plaidt. Als oberste Straßenbau- und Verkehrsbehörde ist der Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM), Dienststelle Cochem-Koblenz, in der Verantwortung. Die dem Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur zugeordnete Behörde hat unter anderem die Aufgabe, die Autobahnen, Bundesstraßen und Landesstraßen zu bauen und zu unterhalten. In der Straße „Unter der Beul“ trafen sich nun einige Anwohner mit Michael Krupp von „BLICK aktuell“. Stellvertretend auch für andere Betroffene hatten sie sich zuvor Hilfe suchend an die Redaktion gewandt, nachdem ihre Langzeit-Korrespondenz mit dem LBM bis zum heutigen Tag nicht zur Beseitigung ihres Dilemmas beitragen konnte. Die Familie Molas wohnt seit 2014 in ihrem neuen Haus. „Mit Lärmbelästigung haben wir trotz des Lärmschutzwalls gerechnet. Uns geht es vor allem um diese schlimmen Vibrationen“, klagt Bärbel Molas. Wie die Molas berichtet auch die Familie Rollmann, dass in der Woche, ab fünf Uhr morgens, mit Einsetzen des Lkw-Verkehrs, an Schlaf nicht mehr zu denken ist. Auch in der Nacht würden Schwertransporte Erschütterungen in ihren Häusern bewirken „Die ersten Nächte hier waren eine Katastrophe“, erinnert sich Manuela Milles, die ebenfalls mit ihrer Familie 2012 in das Wohngebiet gezogen ist. „Bei uns vibrieren die Gläser im Schrank“, erzählen die L117-Geschädigten im Gleichklang. Das tägliche Großaufgebot der, zum Teil schwer beladenen und oftmals mit überhöhter Geschwindigkeit durch die tiefen, breiten Spurrillen bzw. Furchen und Schlaglöcher der L 117 polternden, Lastkraftwagen verursacht im Umfeld der Straße deutlich spürbare Schläge und Vibrationen.
„Die Anhänger springen regelrecht durch und über die Schlaglöcher und so potenziert sich dies auch noch“, schilderte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Pellenz, Klaus Bell, dem Landesbetrieb die Lage. Auch Anwohner im Talbereich des Gottschalksmühlenwegs spüren die leichten „Beben“. Klaus Bell konnte die Vibrationen selbst, wie auch Reporter Michael Krupp, vor Ort erleben.
Wilhelm Anheier, Ortsbürgermeister von Plaidt, schilderte ebenfalls dem LBM die Situation und drängte auf rasche Abhilfe.
Was fordern die betroffenen Anwohner?
Pure Verzweiflung liest sich aus der seit Juni 2014 anhaltenden Korrespondenz von Jaroslaw Molas und Steffen Rollmann mit dem LBM sowie mit Bürgermeister Klaus Bell und Wilhelm Anheier, die die Familien in ihrem Anliegen unterstützen und wiederholt in Cochem intervenierten. Die Fülle der Mails und Briefe der Beteiligten ist mittlerweile kaum noch zu überschauen. Die Forderungen der betroffenen Familien erscheinen jedem nachvollziehbar.
„Bringen Sie die Lebensqualität wieder zurück, die sich viele Menschen wünschen!“, lautete Molas verzweifelter Appell an kommunalpolitische Vertreter. „Man kann diese Erschütterungen, welche sich inzwischen auf das gesamte Gebäude ausweiten, nicht von einem natürlichen Erdbeben unterscheiden“, schrieb Rollmann im Oktober 2014 an den LBM. „Die Straße muss jetzt durch relativ geringen Aufwand wieder instand gesetzt werden, bevor in 2018 eine Vollsanierung durchgeführt wird. Es ist unzumutbar noch weitere vier Jahre mit diesem Zustand zu leben.“ Zudem wurde die allgemeine Verkehrssicherheit der Fahrbahn wegen der Furchen und anderen Beschädigungen in Frage gestellt. Übergangsweise, so schlugen Steffen Rollmann und Jaroslaw Molas vor, könne eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h und/oder fest installierte Radarkontrollen zu einer temporären Verbesserung der Situation führen. Die Polizeiinspektion Andernach versicherte zwischenzeitlich den Anwohnern, dass Geschwindigkeitskontrollen regelmäßig durchgeführt würden. Die maximale Höchstgeschwindigkeit habe bei den Messungen bei 80 km/h gelegen. Erlaubt sind im betroffenen Streckenabschnitt 50 Km/h.
Wie reagierte der LBM bisher auf die Forderungen der Plaidter?
Die Antworten des Landesbetriebs Mobilität mögen sachlich begründet sein, lassen aber zur Verärgerung und Enttäuschung der „Vibrationsopfer“ keine wirklich greifbare, kurzfristige und unbürokratische Hilfsbereitschaft erkennen. Das Motto „Es gibt für alles eine Lösung“ scheint im Verwaltungsapparat eher nicht zu greifen. Ob sich LBM-Mitarbeiter aus Cochem selbst mal einen Eindruck von der Situation vor Ort verschafft haben, zweifeln die Beschwerdeführer an. Die Verantwortlichen in Cochem warben um Verständnis, dass Sanierungs- und Ausbaunahmen bei Landstraßen nur im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel durchgeführt werden können. Außerdem verwiesen sie im Oktober auf ein laufendes, mittlerweile ruhendes Verfahren beim OVG: „Wir sind gehalten, an der derzeitigen Situation nichts zu verändern.“ Ein anderer Plaidter hatte bereits 2013 wegen Lärmbelästigung auf Grund des Straßenzustands geklagt. Die Verkehrssicherheit, so der LBM, würde regelmäßig durch die Straßenmeisterei Kruft geprüft. Im späteren Verlauf der umfangreichen Kommunikation gab es seitens des LBM dann die Zusage, den Straßenabschnitt im Frühjahr 2015 zu reparieren. Dieser Zeitpunkt ist mittlerweile verstrichen.
Eine Übergangslösung muss gefunden werden
Vor Wochen dann die Nachricht, dass sie sich der LBM dafür einsetze, eine Baumaßnahme aus Landesmitteln finanzieren zu können. Der Zeitbedarf für die Planung und Umsetzung sei jedoch immer individuell und daher schwer einschätzbar. „Vorbehaltlich unter anderem der endgültigen Mittelbereitstellung im Landeshaushalt für 2016, gehen wir, nach derzeitigem Kenntnisstand, davon aus, dass eine Umsetzung im Jahr 2016 erfolgen kann. Wir arbeiten mit Nachdruck daran.“ - soll für die Anwohner „Unter der Beul“ wohl heißen: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Den Verkehrs-Geplagten platzt langsam der Kragen: „Es ist scheinbar versäumt worden, den Zustand der Straße in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren. Es hätte niemals zu dem Status Quo kommen dürfen“, schrieb Steffen Rollmann in seiner Antwort vom 18. Juni an die zuständigen Ansprechpartner beim LBM und appellierte nochmals eindringlich an die Verantwortlichen: „Auch wenn die umfassenden Baumaßnahmen erst in 2016 durchgeführt werden, müssen zumindest jetzt die Schlaglöcher und Risse behelfsmäßig gefräst und neu geteert werden, damit somit eine temporäre Lösung bis 2016 gefunden wird“.
Wie lange bleibt den Betroffenen noch der gesunde Schlaf und ein Wohlfühlen in ihrem Eigenheim versagt? Bedauerlich, wenn auch in diesem Falle, wieder einmal ein langwieriger und kostspieliger Gang über den Rechtsweg erfolgen müsste. Die Anlieger schließen dies mittlerweile nicht mehr aus.
Die Lage an der L117 - Aktuelle Stellungnahmen der Bürgervertreter und der LBM
„BLICK aktuell“ fragte nach: Wie bewerten Bürgermeister Klaus Bell, Ortsbürgermeister Wilhelm Anheier und der Landesbetrieb Mobilität die derzeitige Situation an der L117, Ochtendunger Straße?
Klaus Bell Bürgermeister der Verbandsgemeinde Pellenz: „Für das Anliegen der Anwohner im Bereich des Lärmschutzwalles im Baugebiet „Unter der Beul“ habe ich volles Verständnis. Ich bedauere sehr, dass keine kurzfristige Lösung bis Dato erreicht werden konnte. Das LBM sieht für 2016 die Möglichkeit einer nachhaltigen Lösung nach Mittelbereitstellung im Landeshalt. Dies ist eine gute Nachricht. Denn nicht nur die Anwohnerinnen und Anwohner im Bereich des Lärmschutzwalls „Unter der Beul“, sondern auch die Nachbarn, zum Beispiel im Gottschalksmühlenweg und teilweise auch im Gaulsweg sind von dem schlechten Straßenzustand und der daraus resultierenden enormen Lärmbelästigung betroffen und für die Zwischenzeit sollte man zumindest Ausbesserungen vornehmen.“
Wilhelm Anheier, Ortsbürgermeister Plaidt: „Die L 117 wurde inzwischen an zwei Stellen aufwändiger saniert: Vor einigen Monaten entlang des Edeka-Marktes und vor einigen Wochen entlang des Rewe-Marktes in Plaidt. Die Sanierung der L117, von der Einmündung der L 123 Richtung Saffig, bis unter die Autobahnbrücke der A 61, ist für mich wesentlich dringender und dafür fehlt in 2015 dann das Geld, paradox, oder?! Verständnislos könnte man nachfragen, warum sich Juristen des LBM in Rechtsstreitigkeiten flüchten und der LBM hier viele, viele Euro für Rechtsanwälte und Gutachten ausgibt. Mit Sarkasmus merke ich an, dass eigentlich nur die Straße ’im Eimer ist‘ und auch hier, im Bereich der Ochtendunger Straße, unnötig Lärm bzw. Erschütterung verursacht! Diese Euro in die Sanierung gesteckt - ich glaube schon, dass man damit einige Meter Straße saniert hätte. Ich muss jetzt das Positive sehen, der LBM will hier was tun. Jetzt gilt es das umzumünzen in: Es sollte „schneller“ getan werden!“
Bernd Cornely, Leitender Baudirektor LBM Cochem-Koblenz: „Für die Forderung vor Ort nach einer Verbesserung des sicherlich insgesamt unbefriedigenden Zustands der Fahrbahn der Landesstraße 117 (Ochtendunger Straße) in Plaidt haben wir Verständnis. Der Landesbetrieb Mobilität Cochem-Koblenz setzt sich aktuell dafür ein, dass eine Baumaßnahme aus Landesmitteln finanziert werden kann. Um eine dauerhafte Schadensbehebung zu erzielen, sind Bauarbeiten größeren Umfangs erforderlich. Hierzu bedarf es vorbereitender Tätigkeiten, wie zum Beispiel einer Vermessung, Baugrunduntersuchungen, Aufstellung von Planunterlagen etc., bis die öffentliche Ausschreibung erfolgen kann. Neben der technischen Ausarbeitung beinhaltet dies auch die Untersuchung der Auswirkungen auf die Belange Dritter. Der sich hieraus ergebende Abstimmungsbedarf führt zu einem schrittweisen Prozess, dessen Zeitbedarf bei jedem Projekt individuell und schwer einzuschätzen ist. Im vorliegenden Fall ist darüber hinaus zu beachten, dass die Ortsgemeinde Plaidt zwischenzeitlich den Bebauungsplan „Auf Scharbel“ erlassen hat. Hierin wird ein Mischgebiet ausgewiesen, welches über den in die Ochtendunger Straße einmündenden Gottschalksmühlenweg erschlossen werden soll. Zur verkehrssicheren Anbindung ist diese Einmündung umzugestalten sowie auf der L 117 eine Linksabbiegespur anzulegen. Die beiden vorstehend aufgeführten Maßnahmen sollen sinnvollerweise zusammen umgesetzt werden. Derzeit sind wir mit den Planungstätigkeiten befasst. Vorbehaltlich der Entwicklung der oben erläuterten Abstimmungen sowie der endgültigen Mittelbereitstellung im Landeshaushalt streben wir eine baldige Umsetzung an. Der LBM Cochem-Koblenz bittet um Verständnis, dass vor dem Hintergrund der geschilderten erforderlichen Arbeitsschritte eine schnellere Realisierung leider nicht möglich ist. Die einzelnen Schritte werden mit Nachdruck bearbeitet, um vor Ort eine nachhaltige Verbesserung zu erzielen. Wir danken den betroffenen Anliegern sowie Herrn Verbandsbürgermeister Klaus Bell für ihr Engagement. Im Einsatz für eine Optimierung der Situation ziehen wir am gleichen Strang. Grundsätzlich wird der Fahrbahnzustand sämtlicher Bundes-, Landes- und Kreisstraßen turnusmäßig überwacht. Im Zuge der Kontrollfahrten werden Mängel geringen Umfangs unverzüglich beseitigt, so auch an der Ochtendunger Straße in Plaidt.“ MKA
