Seniorenkreis der Kolpingsfamilie Andernach
Eine wertvolle Zeit
Pfarrer Dupont berichtete von Sabbatical im Heiligen Land
Andernach. Mit Pfarrer Stefan Dumont startete der Seniorenkreis der Kolpingsfamilie in das Programm des zweiten Halbjahrs. Er berichtete über seine insgesamt sechswöchige Pilgerreise ins Heilige Land. Dazu konnte Seniorenkreisleiter Josef Nonn nicht nur eine große Zahl von Mitgliedern, sondern auch Gäste willkommen heißen. Stefan Dumont flog Ende Oktober 2014 nach Tel Aviv, einer säkularen Stadt, in der Judentum in der orthodoxen Form keine Rolle spielt. Er wurde von Yussuf aus Nazareth mit dem Auto nach Tabgha gebracht, einen Ort am Nordufer des Sees Genezareth in Galiläa im Norden Israels mit dem deutschen Benediktinerkloster Dormitio und der Brotvermehrungskirche. Die Kirche selbst stammt nicht aus Jesu Zeiten, doch der Stein unter dem Altar hat eine historische Bedeutung: Darauf soll Jesus zwei Fische und fünf Brote gelegt haben, die nach seinem Dankgebet auf wunderbare Weise vermehrt wurden, sodass 5.000 Männer und dazu Frauen und Kinder satt wurden. Gäste wohnen im Pilgerhaus, einem ehemaligen Pumpenhaus.
Als Austrittspunkt sieben warmer Quellen, die am Nordufer in den See münden, ist Tabgha vielleicht der Ort für den wundersamen Fischreichtum, der im Neuen Testament beschrieben wird. Wasser ist auch die Ursache für die Konflikte zwischen Syrien und Israel, weil Syrien durch die Golanhöhen (von Israel besetzt) vom See abgeschnitten ist. Der See bewässert auch die Wüste mit der Andernacher Partnerstadt Dimona und die umliegenden Regionen. Unvergleichlich schön ist für Stefan Dumont der Gottesdienstplatz in der Nähe der Brotvermehrungskirche. Das konnten die Betrachter auch anhand der Bilder nur bestätigen. Die Benediktinerabtei Dormitio war dann für zwei Wochen sein Quartier. An dieser Stelle in der Nachbarschaft des Abendmahlssaals soll die Gottesmutter Maria entschlafen sein.
Das Jaffa-Tor im Mauerring von Jerusalem, eines der heutigen Haupttore, führt mitten ins Getümmel der Altstadt und ins christliche und armenische Viertel. An der Klagemauer sind donnerstags die Bar-Mitzwa-Feiern. Mit 13 Jahren ist der Junge für die Beachtung und Einhaltung der jüdischen Gebote verantwortlich; er darf von da an alle religiösen Aufgaben erfüllen, etwa in der Synagoge aus der Thora vorlesen. Die Klagemauer hat den Status einer Synagoge.
Ein Stück Wien in Jerusalem
Im Arabischen Viertel ist das österreichische Hospiz an der Via Dolorosa mit Gästehaus und einem Wiener Kaffeehaus Anziehungspunkt. Es gibt wohl nichts Schöneres, als vormittags zu Sachertorte eine Melange zu genießen. An diesem Tag war der Zugang zum Tempelberg für alle Araber wegen eines Mordanschlags auf einen Rabbiner komplett gesperrt. Polizei und Militär verhinderten, dass die Araber den Berg und damit den Felsendom zum Mittagsgebet betreten konnten. Die Lage war brisant, auch im christlichen Viertel waren alle Läden geschlossen.
Im „Schrein des Buches“ im Westteil der Stadt nahe der Knesset werden die antiken Schriftrollen von Qumran, die in Felsenhöhlen am Toten Meer entdeckt wurden, nach ihrer Restaurierung ausgestellt. Der Jerusalemer Markt in der Neustadt mit reichhaltigem Angebot frischer Waren ist ein Anziehungspunkt nicht nur für Touristen. Mit der Straßenbahn gelangt man auf den Herzl-Berg mit dem Nationalfriedhof. Dort ist Theodor Herzl, aber auch Itzchak Rabin und dessen Ehefrau begraben. Durch das eindrucksvolle Damaskus-Tor verlässt man das christliche Viertel und gelangt zum Arabischen Sektor.
Kein Ort der Stille
Die Grabeskirche in der Altstadt von Jerusalem ist kein Ort der Stille. Penibel genau geregelt sind die Gebetszeiten für die insgesamt sechs christlichen Konfessionen, die dort ihren Sitz haben. Meinungsverschiedenheit führen nicht selten zu Handgreiflichkeiten. Für alles gilt der Status quo: Es ist verboten, etwas zu verändern.
Zwei moslemische Familien sorgen als Schlüsselverwalter und Beschließer, aber auch als Streitschlichter zwischen den Konfessionen für Ordnung. Um 21 Uhr verlassen die letzten Besucher die Grabeskirche, worauf ein ungewöhnliches Schließungsritual folgt: Die Leiter wird durch eine Luke in die Kirche hinein geschoben. Da die Möglichkeit besteht, über Nacht in der Grabeskirche zu verweilen – aber ohne Schlafplatz –, hat Pastor Dumont diese Gelegenheit beim Schopf gepackt. Es herrscht jedoch keine Ruhe; sämtliche religiösen Rituale (Rauchfässer) werden auch des Nachts durchgeführt; stündlich findet ein Gottesdienst der verschiedenen Konfessionen statt. Um 6 Uhr öffnet die Pforte wieder. Dumonts Erkenntnis: Die Nacht war kein spirituelles Erlebnis für ihn, was nicht verwundert, da das Schriftwort „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?“ bereits die Antwort darauf gebe. Nach drei aufeinanderfolgenden Anschläge verkürzte Dumont seinen Jerusalemaufenthalt und ging wieder nach Tabgha. Das Brotvermehrungsfest der philippinischen Ordensschwestern konnte er mitfeiern mit einer Prozession zum See. Viele Orte aus dem Neuen Testament reihen sich um den See Genezareth. Vom Berg führt der Weg durch das Taubental nach Nazareth mit der Kirche der Verkündung. Dort verläuft auch der Jesusweg, der bis an den See führt. Über Nazareth erhebt sich der Berg Tabor mit einer Kirche aus dem vorletzten Jahrhundert. Die Stätten Tiberius und Kafarnaum wurden durch ihn zu Fuß besucht. Kafarnaum spielt eine besondere Rolle im Leben und Wirken Christi. Die Evangelien berichten, dass Jesus zu Beginn seines öffentlichen Auftretens Nazareth verließ, um sich in Kafarnaum niederzulassen. Sowohl durch seine Schönheit als auch wegen seiner besonderen spirituellen Bedeutung gehört es zu den wichtigsten Stätten des Christentums im Heiligen Land. In Magdala lebte Maria, auch Magdalena genannt. Das Magdala-Center enthält einen Altar in Bootsform. „Der Akku ist voll nach einem sochen Aufenthalt“, stellte Präses Stefan Dumont abschließend fest. Das erfordere auch die Arbeit an der neuen Pfarrstelle in Andernach: „Das ist dein Platz, den der Herr dir gegeben hat!“ Anhaltender, herzlicher Beifall zeigte ihm, dass er den Nerv der Zuhörer getroffen hat, wofür ihm durch die Veranstalter auch besonders gedankt wurde.
Pfarrer Stefan Dumont verbrachte ein Sabbatical in Israel.
