Allgemeine Berichte | 05.10.2020

Gemeinsam AKTIV im Gespräch: Zwei syrische Frauen sehen die Zukunft optimistisch

„Freiheit ist, was wir mit Deutschland verbinden“

Irmgard Hillesheim (li.) überreicht Joud Damlakhi und Hoda Zidan das Grundgesetz. Foto: E.T. Müller

Nickenich. Zum Sauerbrunnen mitten in Nickenich kommen zwei strahlende, selbstbewusste, syrische Frauen: Hoda Zidan und ihre Tochter Joud Damlakhi treffen sich mit Caritas-Mitarbeiterin Irmgard Hillesheim vom Projekt Gemeinsam AKTIV in Andernach, ein Projekt, das Zugewanderte und Einheimische aus Andernach und Mayen gemeinsam in der Flüchtlingsarbeit aktiv werden lässt. Und die beiden Frauen erzählen offen, weshalb sie aus Syrien fliehen mussten. Für sich und ihre drei Töchter sah die 53-jährige Mutter keine Zukunft in Aleppo ganz im Norden von Syrien. Ihren Beruf konnte die Lehrerin, wie sie erzählt, schon seit 2013 nicht mehr ausüben: „Zuhause ist alles zerstört.“ In einem Klima vielfältiger Bedrohungen wurde das Leben immer enger und unerträglicher. Und sie beschreibt ein Land „ohne jede Sicherheit“, wo man sich nachmittags ab 16 Uhr nicht mehr aus dem Haus traut. Vor fünf Jahren ist die Mutter mit ihren Töchtern über die Türkei nach Deutschland geflohen. „Wir wussten, dass wir nach Deutschland wollen, weil es hier die Freiheit gibt. Wir hatten keine andere Möglichkeit“, so die 23-jähirgen Tochter, die heute im Saarland Medizin studiert, um später auch als Ärztin den Menschen, die sie so freundlich aufgenommen haben, etwas zurückgeben zu können. Auch Jouds Schwestern gehen in Deutschland ihre Wege: Die Jüngste wird demnächst ihr Abitur ablegen, während die mittlere Schwester eine Mechatroniker-Ausbildung absolviert. Auch wenn die ersten Monate ganz ohne Deutschkenntnisse schwer waren, fühlte sich Joud von Anfang an erleichtert: „In Syrien herrscht Gewalt. Was wir dort erlebt haben, können wir nicht vergessen. Für ein neues Leben ohne Angst brauchen wir diese Freiheit. Freiheit ist, was wir mit Deutschland und Europa verbinden.“ Ehrenamtliche vom Verein „Fremde werden Freunde“ halfen den syrischen Frauen weiter. Joud, die bereits in der Heimat ihr Abitur gemacht hatte, lernte bei ihrer Tätigkeit in einer Rechtsanwaltspraxis bestes Deutsch und machte den Führerschein. Ihre Mutter, Hoda Zidan, die nach einem Integrationskurs in Plaidt vor dem Deutsch-C 1-Kurs steht, würde gern wieder als Lehrerin arbeiten. „Es ist toll, dass man in Deutschland seine Meinung sagen darf. Wenn man ein Ziel hat, kann man dieses auch erreichen“, lobt die Lehrerin das demokratisch freiheitliche System, wo Frauen sich nach ihren Fähigkeiten und Interessen entfalten und arbeiten können. Auch wenn die beiden liberalen Frauen aus ihrer Heimat geflohen sind, ist ihnen ihre kulturelle Identität weiterhin wichtig. In Deutschland hat Hoda Zidan eine neue Heimat gefunden: „In Nickenich ist es sehr gut. Hier gibt es viele nette Menschen, die helfen. Ich bedanke mich sehr bei Euch.“ Joud Damlakhi ist es prinzipiell egal, „welcher Religion ein Mensch angehört“ und begegnet „jedem mit Respekt.“ Die Würde des Menschen ist eben unantastbar, heißt es schon im Artikel 1 des Grundgesetzes und „die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich“ – Artikel 4.

Als Irmgard Hillesheim den beiden Frauen dieses Grundgesetz in Deutsch und Arabisch überreicht, betonen Hoda Zidan und Joud Damlakhi, wie sehr ihnen diese Verfassung Frieden und das Gefühl von Sicherheit gibt, ein Grundgesetz, das sich Joud Damlakhi auch für ihre Heimat wünscht: „Syrien soll ein Land in Freiheit ohne Diktatur werden. Wir sind Deutschland so dankbar, dass es so vielen Menschen geholfen und eine Chance gegeben hat, ohne Krieg in Freiheit zu leben.“

Irmgard Hillesheim (li.) überreicht Joud Damlakhi und Hoda Zidan das Grundgesetz. Foto: E.T. Müller

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