Beim Frühjahrsputz am Andernacher Deubach circa zwei Kubikmeter Müll gesammelt
Tatkräftige Bachpaten rücken Unrat und Gestrüpp zu Leibe
Andernach. So traurig es ist, die Rollen waren scheinbar schon immer klar verteilt: Auf der einen Seite gab und gibt es die rücksichtlosen Zeitgenossen, die ihren Müll in freier Natur entsorgen, auf der anderen Seite engagierte Mitmenschen die, ob dienstlich oder ehrenamtlich, die Umweltsünden beseitigen. Zu den Letztgenannten zählt auch das gute Dutzend Bürger, dass als „Bachpaten“ im Rahmen eines von 16 Projekten der in Andernach laufenden landesweiten Ehrenamtsinitiative Verantwortung für den Deubach übernahm. Eine tatkräftige Abordnung dieser Gruppe traf sich nun erstmals vor Ort zum „Aufräumen“. Der Deubach ist neben dem Antelbach und dem Kennelbach einer von drei Bachläufen, die die Kernstadt durchfließen, größtenteils unterirdisch bzw. kanalisiert. Ein Teich-Überlauf auf dem Marienstätter Hof, im oberen Bereich des Kirchbergs gelegen, ist der Wasserspender für den Deubach. Dieser „Geburtsort“ ist in einschlägigen Karten vermerkt. Zunächst bleibt das Bächlein allerdings nur etwa 200 Meter sichtbar, verschwindet dann ins Erdreich. Auf der Klingelswiese (Nähe Gewerbegebiet Rennweg) tritt das Gewässer im Bereich des ehemaligen Wasser-Hochbehälters der früheren Landesnervenklinik wieder quellartig zum Vorschein, um sich dann in einem etwa 800 Meter langen Bachlauf als kleines fließendes Kleinod zu präsentieren. Dieser untere Bachabschnitt ist als Wirkungsbereich des Patenschaft-Projekts ausgewiesen. In Höhe der Cranachstraße verabschiedet sich der frühere Weidenbach endgültig im Kanalrohr.
Ein Herz für den Bach
Die Motivation, sich für das Wohlergehen und das Erscheinungsbild eines kleinen unbedeutenden Wasserlaufes einzusetzen, ist bei den 13 arbeitswilligen Bachpaten ähnlich gelagert. Dieter Busch zum Beispiel kennt den Deubach, wie wohl kein anderer. Als Kind verbrachte er mit seinen Freunden viel Zeit an diesem Gewässer. Jahrzehnte sei hier nichts gemacht worden, sagt er, habe man sich nicht um das Erscheinungsbild und die Ökologie des Baches gekümmert. So kam ihm, der als erster Junge in der 1937 erbauten Deubach-Siedlung das Licht der Welt erblickte, die Idee, im Rahmen einer Projekt-Werkstatt der Ehrenamtsinitiative, eine Bachpatenschaft als Projekt zu initiieren. Jutta Schneider, die sich als „Kümmerer“ für den Schriftverkehr des Projekts zuständig sieht, ist ebenfalls in der Siedlung zu Hause: „Als ich von diesem Vorhaben hörte, lag es mir am Herzen da mitzumachen.“ Alfons Bernert joggt oft auf dem Weg nahe des Baches. Er störte sich an den Verunreinigungen des Bachlaufs und dessen Umfelds und gesellte sich spontan zu den Bachpaten hinzu.
Ein Team, das anpacken kann
Bei sonnigem Wetter traf sich jetzt zunächst, beruflich bedingt, nur eine fünfköpfige Gruppe. Ausgestattet mit Schubkarre und Arbeitsgeräten rückten die Bachpaten drei intensive Stunden Müll und Gestrüpp am und im Bachlauf zu Leibe. Die Bandbreite des Sammelergebnisses (circa zwei Kubikmeter) war groß: Verpackungen, Bauschutt, Restmüll, sogar eine Schaumstoff-Matratze und Teppichboden fanden sich im Areal. Da, wo der Lauf des Baches gehindert wurde, beseitigten die Deubach-Freunde das Hindernis. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung holte den Unrat unmittelbar danach zur endgültigen Entsorgung an der vereinbarten Sammelstelle ab. Für Dieter Busch war das jetzt erstmal eine grundlegende Säuberungsaktion. Aber es gibt noch viel zu tun. So wollen sich die Paten zum Beispiel um die zahlreichen Brombeer- und Herkulesstauden sowie den weiteren Bewuchs kümmern. „Auch die Fließgeschwindigkeit des Baches (50 Meter/Minute) möchten wir verringern, um auf einen Wasserstand zu kommen, der auch die Randstreifen erreicht. So verhindern wir bei Niedrigwasser die Austrocknung“, kündigt Dieter Busch an.
