Politiker und Künstler wünschen der neuen Einrichtung von Karin Meiner Beachtung und Wertschätzung
Der Kunstpavillon ist eröffnet
Burgbrohl-Lützingen. Ein weißer Kubus auf 110 Quadratmetern mit großen Glasflächen, die in Richtung Rieden und Weibern zeigen, so präsentiert sich der „Kunstpavillon“. Karin Meiner, Malerin, Performancekünstlerin und engagierte Befürworterin für die Kunst auf dem Land, hat ihn bei ihrem Wohnhaus in Lützingen errichten lassen und am Sonntag mit vielen Gästen inmitten einer Malerei-Ausstellung von Manfred Hammes Eröffnung gefeiert. Künftig sollen im Kunstpavillon etwa zehn bis 20 Ausstellungen und Aufführungen im Jahr stattfinden. Er soll Raum geben für Malerei, Skulpturen, Konzerte, Sound- und PerformanceArt, Lesungen, Symposien und Vorträge mit Fachleuten zu interdisziplinären Themen aus Kunst, Kulturwissenschaft und Ökonomie. Im Mittelpunkt stehen kreative Angebote zur Vermittlung zeitgenössischer Kunstformen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. „Ein lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung“, sagte Meiner bewegt. Schon 2005 hatte sie den Pavillon als Werkstatt für Kreativkurse und Begegnungsraum mit ihrem Mann Manfred Hammes geplant. Doch sein Tod verzögerte das Projekt. Nun dankte die Künstlerin Baubetreuer Peter Schnieders, speziell aber ihren Eltern und der Schwiegermutter für stetige Unterstützung: „Sie sind die eigentlichen Mäzene der Kunst.“ Unter den Eröffnungsbesuchern begrüßte sie Wirtschaftsministerin Eveline Lemke, Landrat Jürgen Pföhler, VG-Bürgermeister Johannes Bell, Vertreter der Orts-, Gemeinde- und Kreisverwaltung. Willkommen hieß sie ebenso Wegbegleiter, Künstler und alle, die zum Eröffnungsprogramm beitrugen. Das waren Marcia Pyka mit der Harfe, Thommy Geller am Klavier, Stephan Maria Glöckner als Sänger und Gitarrist, Andrea Neideck mit Gesang, Musikinstrumentalist Georg Holtbernd als Animateur und Dorothée Gelderblom, die ebenso kenntnisreich wie einfühlsam Hammes Bilder beleuchtete.
Die Strahlkraft des Projektes
Ministerin Lemke freute sich, „dass ich vermitteln darf, welche Strahlkraft dieses kleine Projekt hat, vorausgesetzt, es wird beachtet und wertgeschätzt. Es klappt ja nur, wenn alle mitmachen“. Der künstlerische Ausdruck bringe viele Bereiche voran, sei auch beteiligt am „Herausarbeiten einer regionalen Identität“. Karin Meiner habe immer wieder Fördermittel des Landes eingeworben, neuerdings für ein deutsch-chinesisches Austauschprojekt. Wirtschaftlich entfalte der Austausch beider Länder eine „Riesendynamik“, aber es gebe wenig „hochnotwendigen“ Kultur- und Bildungsaustausch. „Wer sagt, ich will nicht mitgestalten, gibt die Zukunft aus der Hand. Sie tun das nicht, deswegen werden wir Sie auch zukünftig weiter unterstützen“, so Lemke, die hinzufügte: „Wir wissen, dass unser Land deshalb so schön und vielfältig ist, weil es Leute wie Sie gibt. Landrat Pföhler, der Meiner als „Künstlerin, Galeristin, ein Stück weit Museumsleiterin“ ansprach, nannte sie „eine außergewöhnliche, hochrenommierte Künstlerin“.
Er würdigte, dass sie Künstlerin „geworden und geblieben“ sei, ein „harter Weg“, verbunden mit finanziellem Risiko. „Wir im Kreis können dankbar sein, es gibt wenig Künstler, die so avantgardistische Dinge wie Performance aufs Land bringen“. Ebenso brachte Bürgermeister Bell seine Anerkennung zum Ausdruck. Er hob hervor, dass Meiner sich für Kreativität, aber auch für Gastfreundschaft einsetze, so geschehen bei ihrem Projekt „Tischtransaktion“, das auch zu Gast im Rathaus der Verbandsgemeinde war. In einer Zeit, in der Integration wichtig sei, komme gerade Kunst, Sport und Musik ein hoher Stellenwert zu. Bell machte keinen Hehl aus seiner Begeisterung. Er ist sich sicher: „Der Pavillon wird eine große Strahlkraft haben, dafür ist Karin meiner bekannt.“ Von allen Seiten erfuhr die Künstlerin für ihr Wagnis, der Kunst einen Pavillon auf dem Land zu errichten, Rückhalt und Bewunderung. Die Eröffnung war auch ein großes Künstlertreffen, das Freunden und Kollegen die Möglichkeit zu vielfältiger Begegnung bot. Manch einer der Anwesenden hat sich bereits fürs Kursprogramm im Pavillon verpflichtet, und gewiss sind es nach dem Tag etliche Künstlerpersönlichkeiten mehr, die zum Gelingen des Kunstvermittlungsprojektes im Pavillon beitragen wollen. Das Interesse ist jedenfalls mächtig angekurbelt. Doch bevor die Gäste den Musikern lauschten, sich am Buffet stärkten und in Gespräche vertieften, beschloss Georg Holtbernd das offizielle Eröffnungsprogramm. Der Sänger und Instrumentalist wusste all die positiven Energien in musikalische Schwingung umzusetzen. Er animierte das Publikum zum heiteren Mitmach-Rap, zu einem Sprechgesang im Kanon, bei dem unter anderem immer wieder lustvoll rhythmisch „Kunst, Ku, Kunst“ intoniert wurde.
Das Programm im Pavillon
Das Kreativprogramm startet nach den Osterferien. Ab 14. April gibt Karin Meiner im Kunstpavillon, Herchenbergweg 6a, Tel. (02636) 26 40, jeden Dienstag KreativWerkstatt-Kurse: von 15 bis 16.30 Uhr für 3- bis 6-Jährige, von 17 bis 18.30 Uhr für 7- bis 12-Jährige und von 19.30 bis 21 Uhr für Erwachsene. Am 18. April und 10. Juni unternimmt Heike Gaudenti eine Kräuterwanderung mit Imbiss. Eine „FantasieWerkstatt für Jung und Alt“ inklusive Mittagessen steht am 25. April und am 2. Mai auf dem Programm. „Kitchen Groove“ heißt es am 9. Mai, wenn Multiinstrumentalist Georg Holtbernd mit Kindern und Jugendlichen musikalische Improvisation mit Küchengeräten einübt. Vom 23. bis 25. Mai gibt es einen Zeichen-Workshop und experimentelle Erkundungen und am 30. Mai, 13. und 20. Juni lockt im Rahmen der Jugendkulturtage Kreis Ahrweiler das Jugendprojekt Bushaltestelle. Zweitägige Kurse für Bildhauerei bietet für den 4./5. und 6./7. Juni Ulrich Görtz aus Köln an. In Kooperation mit der Ortsgemeinde Burgbrohl und der Verbandsgemeinde Brohltal sind Ferien-Camps für Kinder und Jugendliche in den Sommerferien ab 27. Juli bis 5. September vorgesehen. Weitere Infos sind im Internet unter www.kunstpavillonburgbrohl.de zu finden.
Blumen für die Künstlerin überreichte Landrat Jürgen Pföhler. Ihre Anerkennung drückten auch Ministerin Eveline Lemke und VG-Bürgermeister Johannes Bell aus.
Fotos: HG
