Allgemeine Berichte | 26.03.2014

Die „Liedertafel“ feiert 130sten Geburtstag - Großes Festkonzert am Sonntag, 17 Uhr, im Rheinhotel Vier Jahreszeiten

Ein Blick in die Geschichte

von Walter Fabritius

Der Chor der „Liedertafel“ wird auch immer wieder in Aufgaben des Tourismus der Quellenstadt eingebunden. Hier beim Matinee- Konzert im Restaurant „Zum weißen Ross“.

Bad Breisig. Mit dem Männergesangverein „Liedertafel“ kann einer der wichtigsten Kulturträger unserer Stadt in diesen Tagen auf sein 130 - jähriges Bestehen zurückblicken. Das friedliche „Goldene Zeitalter“ des vom „allergnädigsten Kaiser“ regierten Deutschen Reiches schürte um 1884 auch in Niederbreisig die Lust, der damals überall zu beobachtenden Hinwendung zum gemeinsamen Singen ein Forum zu geben. Das Zeitalter des Biedermeier hatte seine musikalischen Spuren hinterlassen, die nicht weniger kreative Romantik war gefolgt - geselliges Leben, verbunden mit volkstümlicher Musik war „in“. Nicht nur der Tübinger Universitätsmusikdirektor Friedrich Silcher hatte unvergängliche Chorlieder gesammelt und neue hinzu geschaffen - auch die „großen“ Lieder-Komponisten vergangener Tage (die der Klassik und Romantik) verlangten nach Pflege ihrer musikalischen Hinterlassenschaft. In Niederbreisig war es der musisch begabte Hauptlehrer Carl Breitbach, der die Initiative entwickelte und Bürger, die am gemeinsamen Singen interessiert waren, zur Gründung eines Chors zusammenrief. Natürlich kam nur ein Männerchor in Frage - in jenen Zeiten dominierten die Herren allein das gesellige Leben. Der im Restaurant „Zum weißen Ross“ von 21 sangesfreudigen und geselligen Bürgern gegründete Chor bekam den Namen „Liedertafel“ - eine Hommage an den Berliner Carl Friedrich Zelter, den Urvater aller deutschen Männergesangvereine, der 1809 seine Singgemeinschaft so genannt hatte. Carl Breitbach erwies sich bald als ein begabter musikalischer Lehrer und Dirigent der Breisiger „Liedertafel“. Erste Erfolge in Wettstreiten, wie sie damals gang und gäbe waren, führten zum kontinuierlichen Anwachsen der Zahl aktiver Sänger. Eine für den hohen Preis von 600 Mark angeschaffte Fahne galt - wie es in einer Chronik heißt „als die schönste Fahne aller Chöre im Kreis Ahrweiler“. Es war ein seidenes Tuch in den Farben Weiß und Bordeaux mit Goldstickereien und dem eingestickten Wahlspruch: „Im Frieden und im Streit, ein Lied ist gut Geleit.“ Nun: Auch „im Streit“ zu singen, war wohl nur eine heute nicht mehr vertretbare Idee der damaligen Vorkriegs-Generation. Der erste Weltkrieg war noch in einiger Entfernung. Die Kostbarkeit der Fahne war zugleich ihr Fluch: Sie verschwand irgendwann im Tross der amerikanischen Besatzer nach 1945 und dürfte heute eine Trophäenschau in den USA schmücken. Noch sind wir in der Frühzeit der „Liedertafel“. Vor dem Krieg und auch später hielten ihre Chronisten viele bemerkenswerte Erfolge bei Wettstreiten fest. Vordere Plätze und Ehrenpreise reihen sich aneinander. Nach der Zwangspause durch den Weltenbrand dauerte es einige Zeit, bis der Chor wieder in Erscheinung trat. Ab 1927 belebte er das Geschehen in Niederbreisig zudem mit einer über mehrere Jahre erfolgreichen Theatergruppe. Im Jahr 1934 wurde der 50. Geburtstag der „Liedertafel“ mit großem Festzug, Festbällen und Freundschaftssingen gebührend gefeiert. Viel zu schnell lähmte dann der folgende 2. Weltkrieg das bis dahin rührige Chor- und Vereinsleben. Während des Krieges spendeten die noch verfügbaren Sänger in den Lazaretten der Region Verwundeten und Kranken Mut und Trost. Erst 1948 wurde eine Neugründung des Gesangvereins durch die Besatzungsmacht zugelassen. 1949 gab es ein erstes großes Konzert auf der Kurhausterrasse - die „Liedertafel“ war wieder da. Es begann die große Zeit des auf 60 Sänger angewachsenen Chors. Konzerte und Wettstreit - Erfolge ohne Zahl wurden gefeiert. Erfolgsgarant war ab 1952 der unvergessene musikalische Chef des Chors: Carl Weismandel. Dem charismatischen Kammermusiker des Bonner Beethoven - Orchesters flogen alle Sympathien entgegen. Sein Unfalltod im November 1964 war ein großer Schock. Der nächste bedeutende Dirigent war Siegfried Prang, Zweiter Kapellmeister am Stadtheater Koblenz, übernahm Weismandels musikalisches Erbe und baute es mit bedeutenden Konzerten der „Liedertafel“ aus. Siggi Prang waren 15 tolle Jahre am Dirigentenpult des Chors beschieden. Der Chor der „Liedertafel“ war auf dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit, als Prangs plötzlicher Tod im Januar 1981eine große Lücke in alle Planungen riss. Aber wieder gelang dem Vorstand ein Coup: Die Verpflichtung von Klaus Weber, einem namhaften Chordirektor und musikalischen Ausnahmekönner aus Koblenz. Der Chor war auf dem absoluten Höhepunkt, wirkte bei allen wichtigen Festen und sonstigen Anlässen in der inzwischen zum „Bad“ erhobenen Stadt mit. Freundschaften mit bedeutenden Chören im In- und Ausland, tolle Reisen, prächtige Konzerte - das Programm des Chors zeugte von lebendigem Vereinsleben. Stolz beging man 1984 das 100-jährige Bestehen der „Liedertafel“ mit einem Festabend, einer Ausstellung historischer Fotos, einem großen „Freundschaftssingen“ mit 27 Gastchören und einer Reihe begleitender Veranstaltungen. Auch in den folgenden Jahren war der Terminkalender der „Liedertafel“ prall gefüllt: Konzerte, Mitwirkung bei Gottesdiensten, Reisen, Wettbewerbe, Besuche bei befreundeten Chören, musikalische Ausgestaltung von Ereignissen der Ortsvereine usw. Ein bisschen weniger aufwändig wurde das Chorleben in der „Liedertafel“, nachdem Dirigent Klaus Weber nach 22 Jahren aus Altersgründen sein Amt zum Ende 2003 aufgab. Sein großes Format, seine weitreichenden Verbindungen, seine Ideen - Klaus Weber hielt den Chor stets „auf Trab“. Ihm folgte der Vollblut- Kirchenmusiker Bardo Becker am Dirigentenpult. Er führte die „Liedertafel“ in das Fest ihres 125 - jährigen Gründungsfestes. Es wurde ein würdiges Ereignis mit einigen bedeutenden Konzerten und viel beachteten Treffen mit befreundeten Chören. Aber auch die stolze „Liedertafel“ litt - wie alle Männerchöre - inzwischen unter Nachwuchsmangel, unter dem demografischen Wandel. Die Zahl der aktiven Sänger schrumpfte kontinuierlich, und die verbliebenen sind im Durchschnitt über 75. Die „Liedertafel“ wirbt nachdrücklich um neue, möglichst jüngere Sänger. Unter dem seit dre Jahren am Dirigentenpult stehenden tüchtigen Chorleiter Eberhard Hohn hat der Chor dennoch sein musikalisches Potential auf hohem Niveau erhalten. Die Bedeutung der „Liedertafel“ im Leben der Stadt wäre nicht denkbar ohne die Leistung bedeutender und langjähriger Präsidenten, unter ihnen Josef Kindler, Alois Lessenich und Erich Fabritius. Sie wurden jeweils nach ihrer Zeit durch die Wahl zu „Ehrenvorsitzenden“ gewürdigt. Bis heute sind die Sangesfreude und die organisatorische Aktivitäten der „Liedertafel“ ungebrochen. Gute Voraussetzungen, um das Fest des 130sten Vereins-Geburtstags anzugehen. Das Jubiläum wird begangen mit einem großen Festkonzert unter Eberhard Hohn am Sonntag, dem 30. März, 17 Uhr im Saal des Rheinhotels „Vier Jahreszeiten“. Mit dabei sind Anette Soulier-Loch am Klavier, sowie der MGV und der Frauenchor aus Wollendorf und das Mandolinenorchester 1932 aus Untershausen. Also: Ein erlebenswertes musikalisches Angebot, das durch guten Publikumszuspruch unterstützt werden sollte.

Der Chor der „Liedertafel“ wird auch immer wieder in Aufgaben des Tourismus der Quellenstadt eingebunden. Hier beim Matinee- Konzert im Restaurant „Zum weißen Ross“.
Ein Blick in die Geschichte

Carl Weismandel, der charismatische musikalische Chef aus den 50ger/60ger Jahren begründete die erfolgreichen Jahre des Chors.

Der Chor der „Liedertafel“ wird auch immer wieder in Aufgaben des Tourismus der Quellenstadt eingebunden. Hier beim Matinee- Konzert im Restaurant „Zum weißen Ross“.

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