Peter und Biggi am Ziel ihrer Träume
Die festliche Prinzenproklamation krönte eine tolle Sitzung
Bad Breisig. Ein völlig ausverkaufter Narrentempel „Jahnhalle“, ein närrisches Programm von ausgesuchter Qualität - der „Breisiger Fastelovend“ boomt, während in vielen Orten des Rheinlands der Sitzungskarneval um Besucher ringt. Es mag eine Rolle spielen, dass die Bad Breisiger Karnevalsgesellschaft von 1892 in diesem Jahr das Jubiläumsfest „11 x 11 Jahre Breisiger Karneval“ feiert, das Publikumsinteresse ist jedenfalls wieder auf die Höchstmarke geklettert, die bereits Anfang der achtziger Jahre Gang und Gäbe war. Die Beliebtheit des Prinzenpaares Peter II. (Busch)I und der Karnevalistin Biggi I. (Birgit Geef), umgeben von ihrem höchst ansehnlichen Hofstaat, spielen aktuell eine wichtige Rolle hinsichtlich des Ansehens der KG in der Öffentlichkeit. Jedenfalls wurde die Proklamationssitzung in der Jahnhalle wieder einmal ein toller Höhepunkt in der Geschichte der Breisiger KG. Sitzungspräsident Wolfgang Gerlitz ist seit dem vergangenen Jahr in seinem Amt gewachsen und zeigte sich in guter Form. Die routinierte Band der Rhein-Ahr-Spatzen unter Frank Weiss fand immer passend und schlagfertig die richtige Musik zum Geschehen auf der Bühne. Imposant bereits der Einmarsch der gesamten Korporationen der Gesellschaft mit Spielmannszug, Kadetten, Möhnengruppe, Skylight-Majorettes, Dragonerkorps, Funkenkorps, Damen- und Herrenkomitees. Der von Andrea Herter betreute Nachwuchs der KG, die Kadetten, tanzte zum Auftakt ihren hübschen Gardetanz. Ausgeliehen aus dem Eifelort Wehr boten die „Breiköpp“ alias Papa Kurt Gerhartz mit seinen Töchtern Vera (15 Jahre) und Pia (10 Jahre) eine höchst witzige und gut choreografierte Bühnenschau. Eine hübsch einstudierte Darbietung, zunächst mit flatternden Gymnastikbändern, dann mit flottem Tanz, trug die Gruppe „Attention“ zum Programm bei. Wolle Jaeckert zeigte wieder einmal sein ebenso musikalisches wie satirisches Können und sang lustig getextete Verse zu bekannten Melodien. In der Zugabe erinnerte er mit seiner Gitarre gesanglich an einstige Ikonen des Bad Breisiger Karnevals. Das Tanzcorps Dragoner zeigte seinen gewohnt schmissigen Gardetanz. Diese Bühnenshow schlug die Brücke zu dem wieder kabarettreifen Vortrag der „Ähn aus Jönneschdorf“, alias KG-Präsidenten Irmgard Köhler-Regnery. Was sie satirisch an politischen Fehltritten, aber auch an Alltagsthemen und lokaler Politik unter die Lupe nahm, war wieder ein Highlight karnevalistischer Vortragskunst. Nichts bleibt ihrem kritischen Auge verborgen, und wie sie beispielsweise die Affäre der Buchschreiberin Bettina Wulff satirisch auf naheliegende Bereiche projiziert, das ist echtes politisches Kabarett; das Publikum amüsiert sich, dass sich die Balken der alt-ehrwürdigen Jahnhalle biegen. Diesmal nahm sie sogar ein Flipchart zu Hilfe, um Bürgermeister Bernd Weidenbach Rezepte zur Sanierung der Stadtkasse vorzuführen. Dem gelungenen verbalen Angriff auf die Lachmuskeln folgte die optische Erholung: Das Korps der Slylight-Majorettes ließ „die Puppen tanzen“ - und das mit einer Schwarzlicht-Show, wie man sie nicht alle Tage sieht. Prima einstudiert von Marion Feix und Alexandra Hoss. Der „närrische Pastor“ Alexander Kurp brachte noch einmal mit seinen Witzen die Halle zum Lachen, ehe das Duo „Jeckeditz“ mit seinem Kölschen Liedgut das Publikum zum Mitsingen animierte und die Stimmung noch vor der Pause auf einen Höhepunkt trieb. Nach der kurzen Pause zog der Herrenelferrat wieder ein und eröffnete den zweiten Teil der Sitzung als Chorgruppe mit einer Reminiszenz an Lieder des Breisiger Karnevals. Dr. Dirk Pollerberg begleitete seine diversen Kompositionen am Klavier und „Hüttenwirt“ Werner Schäfer dirigierte die lustige Sängerschar.
Abschied vom Prinzenpaar Markus I. und Marion II.
Schnell schlüpfte das Herrenkomitee danach wieder in seine „Dienstkleidung“, denn es galt „tränenreich“ Abschied zu nehmen von dem bisherigen Prinzenpaar Markus I. und Marion II. (Ehepaar Feix), das zwei Jahre lang vom närrischen Thron aus die Bad Breisiger Karnevalisten regiert hatte. Den wohlgesetzten Dankesworten der Präsidentin an die scheidenden Tollitäten folgten die Abschiedsreden des Prinzenpaars, aus denen auch ein bisschen Wehmut klang, aber auch die kleinen Tränen der Erinnerung an den so plötzlich gestorbenen Freund Dirk Schmidt. Nach Breisiger Tradition kappte der „Henker“ die Federn des Prinzen, Fanfarenstöße kündigten es an: Die neuen Narrenherrscher und ihr großes Gefolge zogen mit „Zimderassa“, ein. Der Einmarsch wurde ein grandioser Triumphzug mit vielen unvermeidbaren Stopps bei den vor Begeisterung überschäumenden Narren.
Proklamation des Prinzenpaars Peter II. und Biggi I.
Präsidentin Irmgard Köhler-Regnery und Sitzungsleiter Wolfgang Gerlitz nahmen nach inzwischen fest verankerten Bad Breisiger Ritus die Proklamation des Prinzenpaars Peter II. (Busch) und Biggi I. (Geef) und seiner Begleitung vor. Diese besteht aus den Hofdamen Bettina (Weber), Kerstin (Wallenfang) und Nina (Regnery), den Adjutanten Bernhard (Jäger), Michael (Schmidgen als „Schmiddi“) und Christopher alias „Hiob“ (Lövenich), sowie der kleinen Hofnärrin Eileen (Zulak).
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Klassische Fanfarenstöße der Rhein-Ahr-Spatzen unterstrichen jede der feierlichen Handlungen. Zepter und Blumen wurden durch den „süßen Fratz“, den kleinen Hofnarr Eileen, an das Tollitätenpaar übermittelt. Jetzt war es unvermeidlich: Bürgermeister Bernd Weidenbach musste kapitulieren und sich von Stadtschlüssel, der Macht und der Stadtkasse bis nach Aschermittwoch trennen. Prinz Peter und Prinzessin Birgit hielten jeweils feurige Thronreden und riefen die Breisiger Bürgerschaft und die befreundeten Brohler zum aktiven Mittun auf. Stadtkommandant Philipp Klee unterstellte die uniformierten närrischen Korps dem Prinzenpaar und ließ die Funken zu Ehren der Narrenherrscher eine prächtige Tanzshow auf die Bühne bringen. Ein traumhaft schöner Abend der Breisiger Narretei klang aus mit einer schier unendlichen Gratulationscour am Thron der beliebten neuen Narrenherrscher Peter II und Biggi I.
Ein voller Terminkalender
Auf das Prinzenpaar samt Gefolge kommen jetzt viele Verpflichtungen zu. Schon am kommenden Samstag geben sie dem Herrenelferrat die Ehre, der mit einem eigenen Empfang an die Vereinsgründung vor 121 Jahren erinnert. Abends steht dann die Teilnahme bei der Sitzung der befreundeten Brohler Narren an. Sonntags geht es zum Prinzen-Treffen in das Bistro „Flohmarkt“. Am Feitag, 18. Januar sind die Tollitäten bei der Feuerwehr. Am Samstag, 19. Januar fahren sie zunächst zum Landsratsempfang nach Kempenich, am Nachmittag kommen sie zur Sitzung der Möhnen. Am Sonntag, 20. Januar sind die Tollitäten Gastgeber beim großen Jubiläumsempfang der KG. Später machen sie dem Treffen der Kreis-CDU ihre Aufwartung. Am Freitag, 25. Januar ist der Karnevalsempfang der Volksbank, am Sonntag, 27. Januar das traditionelle Funkenfrühstück, nachmittags ist der Besuch bei der katholischen Frauengemeinschaft Oberbreisig angesagt. In den folgenden Wochen geht es „rund“: Besuche in Westum, Brohl („Wibbelmänner“), bei der Kinderparty der KG, bei der KFD St. Marien beim Kirchenchor-Karneval, im Altenheim, bei der Sinziger Sitzung und vielen weiteren Terminen.
Weiberfastnacht
Einsatz in den Kindergärten, der Grundschule, Altenheim Schröder, der KSK usw. Das Wichtigste, die Teilnahme an der großen Sitzung von „Biggis“ Damenkomitee in der Jahnhalle. Samstags noch der große Manöverball der närrischen Korps - und schließlich der das absolute Highlight, der Prinzen-Umzug durch die Straßen „ihres“ Bad Breisig. Das Programm des Prinzenpaars ist prall gefüllt. So begeisternd die vielen - hier nicht alle aufzuzählenden - Termine sind, wenn schließlich Aschermittwoch wieder der Alltag und damit Ruhe einkehrt, ist auch ganz schön - selbst für jecke, närrische Tollitäten. FA
Irmgard Köhler-Regnery deckt Probleme auf. Foto: FA
Der singende Elferrat. Foto: RÜ
Der scheidende Prinz Markus wartet auf den Henker, der ihm die Federn abtrennt. Foto: Rü
