Lokalsport | 04.11.2013, 16:08 Uhr

Lieber Fußballerin als Weinkönigin

Jana Sebastian ist ein bodenständiges Eigengewächs von der Ahr

Jana Sebastian gehört zu den erfahrenen Spielerinnen der Zweitligisten. Schürer
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Bad Neuenahr. Sie sitzt schon im Foyer des SETA-Hotels, als ich dort eintreffe. Das liegt aber nicht daran, dass ich unpünktlich bin. Vielmehr ist Jana Sebastian etwas vor der ausgemachten Zeit da gewesen, sie will eben immer perfekt sein. Perfekt aussehen tut sie jedenfalls, die langen braunen Haare links gescheitelt, leicht geschminkt, sportlich-chic gekleidet, passende Kette um den Hals. Als sie mich dann noch anlächelt, verkneife ich mir die erste Frage, die ich mir eigentlich zurechtgelegt hatte: Wie denn die Stimmung nach vier Spielen sei, in denen man keinen Punkt und 0:10 Tore eingefahren habe. Stattdessen ordere ich die Getränke, einen Kakao für sie, einen Milchkaffee für mich und wir plaudern zunächst über die Familie.

Eigengewächs von der Ahr

Jana Sebastian ist am 29. Juni 1990 in Bad Neuenahr geboren. Sie wohnt bis heute in Dernau, hat einen älteren Bruder. Der Vater ist Dozent an der AKNZ, die Mutter Hausfrau. Nebenbei arbeitet sie und auch der Rest der Familie im Weinberg, die Sebastians sind Winzer im Nebenerwerb. Die kleine Jana hat den Kindergarten und die Grundschule in Dernau besucht, danach die Realschule in Altenburg.

Später hat sie an der BBS ihr Fachabitur gemacht und sich an der Fachhochschule in Remagen für Sportmanagement eingeschrieben. Momentan schreibt sie an ihrer Bachelorarbeit, die sich mit dem Thema des demografischen Wandels und seinem Einfluss auf die Sportvereine beschäftigt. Wenn das Studium erfolgreich beendet ist, strebt sie eine Stelle in der Sportbranche an, aber auch Marketing oder Sponsoring kann sie sich vorstellen, schließlich sind BWL-Kenntnisse vorhanden.

Lieber Bundesliga-Fußballerin als Weinkönigin

Wenn man aus Dernau und aus einer Familie mit Weinbau kommt, liegt die Frage nahe: Warum ist sie nicht Weinkönigin geworden? Jana Sebastian lacht und erklärt, dass sie immer viel lieber Fußball spielt - und das nun schon seit über 20 Jahren.

Der Vater, selbst auch Fußballer, hat sie mitgenommen, als der Bruder bei den Bambini kickte, mit drei Jahren hat sie angefangen. Und seitdem rennt sie dem runden Leder hinterher. Anfangs war sie das erste und einzige Mädchen im Team. Seit 2002 ist sie beim SC 07, anfangs noch parallel zum Dernauer Heimatverein, seit 2004 ganz. Lange spielte sie in der Zweiten Mannschaft des Bundesligisten, bis sie im Alter von 16 Jahren ihr erstes Erstligaspiel machte. Im Spiel gegen den VfL Wolfsburg wurde sie eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt, und sie weiß noch genau, wie sich das anfühlte. Zumal mit Martina Müller eines ihrer großen Vorbilder und Idole ebenfalls auf dem Platz stand. Von 2007 bis 2009 stand sie dann zwei volle Jahre im Kader des Bundesligisten, erlebte wechselvolle Zeiten und wechselnde Trainer. Als Schule und Ausbildung ihren Tribut forderten und wichtiger wurden, ging sie in die zweite Mannschaft zurück, um Zeit genug dafür zu haben, einen perfekten Abschluss zu machen.

Neuanfang mit dem jungen Team

Gehörte sie bei ihrem Debüt zu den Küken des Teams, zählt sie nun mit ihren 23 Jahren zu den älteren Spielerinnen des Zweitligisten. Wie fühlt sich das an? „Ein bisschen komisch schon, aber auch gut. Wir Älteren müssen nun Verantwortung für das junge Team übernehmen, schließlich haben wir schon Erfahrungen sammeln können.“ Wo sieht die Stürmerin mit den sanften braunen Augen ihre Stärken?

In der Schnelligkeit, außerdem ist sie beidfüßig, wenn auch der rechte deutlich stärker ist als der linke. Dazu kommt eine gute Portion Ehrgeiz. Und wo gibt es Schwächen? Diese Antwort fällt der nur 1,69 Meter großen Angreiferin leicht: im Kopfballspiel. Und wo sieht sie die Mannschaft? In dieser Saison geht es nur um den Klassenerhalt, und sie ist überzeugt, dass der zu schaffen ist. Irgendwann werden die ersten Punkte eingefahren.

Dazu will sie möglichst mit Toren beisteuern. Dass sie das drauf hat, hat sie nicht zuletzt mit ihren beiden Treffern beim 23. Gewinn des Rheinlandpokals bewiesen.

Geerdet und vernünftig

Ihre Freizeit verbringt Jana Sebastian am liebsten mit der Familie und ihrem Freund. Da muss nichts Besonderes unternommen werden, gemütlich auf der Couch sitzen reicht. Oder einmal ein wenig Shoppen gehen. Jana kocht gerne (Spaghetti Bolognese) und lässt sich gern bekochen (Sauerkrautpfanne). Sie hört gerne Radio (die Charts rauf und runter) und liest gern ein gutes Buch. Alles ganz normal und vernünftig, geerdet im besten Sinne eben. Selbst die Traumreise wird sich machen lassen: Sie möchte einmal nach Kanada und in die USA. Aber das ist noch weit weg. Näher und wichtiger ist jetzt das Training, das nach unserem Gespräch ansteht. Also winkt sie mir noch einmal zu, setzt sich in ihren Opel Corsa und fährt zum Stadion, Fußball spielen.

Seit November 2004 präsentiert Ihnen unser Mitarbeiter Gregor Schürer in regelmäßigen Abständen unter dem Titel „Anpfiff im Café“ die Bundesliga-Fußballerinnen des SC 07 Bad Neuenahr. Nun ist der traditionsreiche Club aus finanziellen Gründen freiwillig in die Zweite Liga abgestiegen. Nach dem Motto „Alles auf Anfang“ gibt es ein neues Präsidium, eine neue sportliche Leitung und eine neue Mannschaft. Ab der Winterpause soll der neu gegründete Sportclub 2013 den kompletten Sportbetrieb des insolventen SC 07 übernehmen. Wir wollen den Neuaufbau begleiten und unseren Lesern das junge Team vorstellen und näher bringen. Der „Anpfiff“ wird also fortgesetzt. Den Anfang machte der neue Trainer Carsten Beschorner. Nun stellte sich mit Jana Sebastian, im Juni 23 Jahre alt geworden, eine der „älteren“ Spielerinnen den Fragen unseres Reporters.

Jana Sebastian gehört zu den erfahrenen Spielerinnen der Zweitligisten. Foto: Schürer

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