Allgemeine Berichte | 27.04.2020

Leben in der Corona – Krise im Seniorenheim Marienburg Kempenich

Abwechslung willkommen

In diesen Tagen ist es schwer, seine Lieben nur von weitem sehen zu dürfen. Foto: Rita Gasper

Kempenich. Die Zeiten sind schwer für die Bewohner und Bewohnerinnen der Seniorenheime, so auch in der Marienburg. Dabei haben die meisten von ihnen im Leben schon harte Zeiten erlebt, so die schrecklichen Kriegsjahre und die entbehrungsreiche Nachkriegszeit. Aber das totale abgeschottet Sein vom Leben draußen und das Besuchsverbot setzt allen im Hause arg zu. Der Kontakt zu den Lieben zuhause wird meist durch das Telefon aufrechterhalten. Seit einiger Zeit ist es auch möglich, die Telefonpartner nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen! Dafür wurde extra ein Tablet zum Skypen angeschafft.

Um der Tristesse und der Langeweile im Heimalltag entgegenzuwirken, kommen viele Zeichen der Solidarität von außen. Vor Ostern erfreuten viele kleine selbstgebastelte Geschenke einer Initiative aus Mendig alle im Haus. Eine Gruppe von Firmlingen sandte herzliche Grüße mit liebevoll gestalteten Osterkarten. Edeka Keller aus Kempenich stiftete drei große Kartons Narzissen, deren strahlendes Gelb überall im Haus leuchtete und die Gemüter aufleben ließ. Die Mitarbeiter tun alles, um den betagten Menschen die Langeweile zu vertreiben. Gottseidank hilft die Schönwetterperiode dieser Tage dabei. Bei Spaziergängen durch den Sinnesgarten und die Außenbereiche erfreut man sich am Frühlingserwachen mit bunten Blüten und frischem Grün. Einige Bewohner halfen mit Feuereifer und Sachverstand – natürlich mit großem Abstand voneinander - die Blumenbeete und die Hochbeete zu jäten. Das beliebte und vertraute Zusammenkommen in Gruppen zum Singen, Basteln, Bingospiel, Gedächtnistraining oder zur Gymnastik uvm. ist durch strenge Auflagen zum Schutz der Bewohner vor Ansteckung nicht möglich und wird schmerzlich vermisst. So wird anordnungsgemäß ausschließlich Einzelbetreuung angeboten. Ein technisches Hilfsmittel, das alle in ihren Zimmern erreicht, ist das Haus TV. Von der Hauskapelle aus können Gottesdienste und andere Angebote auf alle Fernseher im Haus übertragen werden.

So konnten alle auch die Hl. Messe am Fernseher mitfeiern, die Pater Elias aus Maria Laach am Palmsamstag und an Ostermontag zelebrierte. Er wünschte mit einfühlsamen Worten in seinen Ansprachen allen im Hause Mut und Zuversicht. Pater Elias kommt an jedem 1. Samstag im Monat in die Kapelle zur Feier der Hl. Messe, die in nächster Zeit wohl auch ohne Gläubige in der Kapelle stattfinden muss.

Die Auflagen zum Schutz der Bewohner und Bewohnerinnen sind hoch und werden vom Gesundheitsamt überprüft. Nach und nach werden bei alle Mitarbeitern Coronatests durchgeführt. Gottseidank wurden bisher alle negativ getestet. Mundschutz und Hygienematerial sind Pflicht, aber knapp und nur sehr schwer zu beschaffen. Ein großes Hilfsangebot, das von Frau Dr. Müller- Weigelt aus Kempenich vermittelt wurde, kam von der Fa. ZF aus Koblenz, die 60 FFP2 Spezialschutzmasken spendete, die sehr dankbar angenommen wurden. Hobbynäherinnen ließen dem Hause selbstgenähte Schutzmasken zukommen, die ebenfalls dankbar in Gebrauch genommen wurden. Für wunderbare Unterhaltung sorgte auch der bekannte Liedermacher Helmar Hoffmann, der mit einem bunten Reigen altbekannter Volksweisen und Evergreens ein Konzert gab. Ein paar Regenschauer machten seinem Auftritt draußen vor den Fenstern den Garaus, so dass er von der Kapelle aus über Haus TV die Menschen mit schönem Gesang und virtuosem Gitarrenspiel erfreute. Das Haus TV wird auch genutzt für die „Bunte Stunde“ mit Geschichten, Gebeten, Quizfragen und Liedern, sowie Wortgottesdiensten, die von Mitarbeitern des sozialen Dienstes gestaltet werden. Es wird vieles getan, um den betagten Menschen im Haus Unterhaltung zu bieten. Die Stimmung bei den Bewohnern ist unterschiedlich. Die einen sagen:“ Mir hänn at schlömmere Zeite erleeft…“, andere meinen niedergeschlagen: „De Welt jäht baal onne!“ Es ist schwierig, alle bei Laune zu halten, vor allem die Demenzkranken. Alle vermissen die menschliche Nähe ihrer Lieben und brauchen besonderen Zuspruch. Andere tun sich schwer mit dem Mundschutz der Mitarbeiter. Schwerhörige können das gesprochene Wort nicht vom Mund ablesen und verstehen schlecht. Der Mundschutz verdeckt auch die Mimik der Gesprächspartner, was viel e Bewohner irritiert. Lichtblicke im Alltag sind aber immer wieder die „echten“ Kontakte, wenn auch nur aus der Ferne - von Fenstern und Balkonen aus und über Zäune hinweg. Alle hoffen darauf, dass sie die Krise heil und gesund überstehen werden!

Pressemitteilung

Semiorenheim Marienburg

Kempenich

In diesen Tagen ist es schwer, seine Lieben nur von weitem sehen zu dürfen. Foto: Rita Gasper

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