Allgemeine Berichte | 06.04.2023, 12:56 Uhr

Naturschutzgemeinschaft weist auf Gefahren für die Tiere hin

Alle Jahre wieder: Krötenwanderung im Vinxtbachtal

Die Tiere werden durch rücksichtslose Raser bedroht.  Foto: privat
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Brohltal. Wer in den letzten Tagen und Wochen auf der L87 zwischen Gönnersdorf und Rheineck unterwegs war, konnte wieder Zeuge eines jährlich wiederkehrenden Naturereignisses werden: Wenn im Frühjahr die Temperaturen steigen, machen sich hunderte Erdkröten gleichzeitig auf den Weg zu ihren Geburtsgewässern. Dort finden sich männliche und weibliche Tiere einmal im Jahr ein, um sich fortzupflanzen und somit den Fortbestand der Art zu sichern. Die Reise zu den Laichgewässern birgt jedoch enorme Gefahren für die kleinen braunen Lurche. Weil die Wanderrouten in den Gehirnen der Tiere fest angelegt sind, stoßen sie immer wieder auf vom Menschen angelegte Straßen, die ihren Lebensraum zerschneiden und so für viele zur Todesfalle werden. Da die Kröten am liebsten in der Dunkelheit von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang unterwegs sind und zudem auch noch regnerische Nächte bevorzugen, werden sie von Autofahrern leicht übersehen und von deren Fahrzeugen erfasst.

Da es sich bei allen Amphibien um wechselwarme Tiere handelt, bewegen sie sich in den noch kühlen Frühjahrsnächten häufig recht langsam. Wechselwarme Tiere sind Lebewesen, die ihre Körpertemperatur nicht, wie z.B. wir Menschen, konstant bei 37 °C halten können, sondern deren Temperatur von der Umgebungstemperatur beeinflusst wird. Häufig erstarren die Tiere aber auch vor Angst im grellen Scheinwerferlicht und ducken sich, anstatt weg zu hüpfen. Ebenso können hohe Geschwindigkeiten der vorbeifahrenden Autos für die Erdkröten zum Verhängnis werden, da hierdurch ein Strömungsdruck entsteht, der die inneren Organe der Tiere verletzen kann. Der Versuch, die Tiere zwischen die Reifen zu bekommen oder zu umfahren reicht nicht, wenn nicht gleichzeitig die Geschwindigkeit reduziert wird. Daher stand in den letzten Tagen auch ein Warnschild an der Strecke, das Autofahrer darauf hinwies, maximal 30 km/h zu fahren – mit dem Zusatz: „Sammler unterwegs“.

Wie auch die Kröten machen sich nämlich ebenfalls seit Jahren ehrenamtliche Sammler der Naturschutzgemeinschaft Vixtbachtal e.V. im Frühjahr auf den Weg, um in den Abendstunden zahlreichen Lurchen über die Straße zu helfen. Die Erdkröte gehört nämlich, wie alle Amphibien in Deutschland, laut Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Arten. Dennoch gehen die Bestände der Erdkröte, wie bei allen Amphibien, von Jahr zu Jahr zurück, was nicht nur auf die oben geschilderte Gefahr der Straßenüberquerung zurückzuführen ist, sondern leider auch auf die Zerstörung oder Verschmutzung von Laichgewässern durch Müll oder Pestizide. Der Rückgang der Insekten, die eine wichtige Nahrungsquelle darstellen, verschlechtert die Situation zusätzlich. Auch im Vinxtbachtal zeigen die Beobachtungen der Naturschutzgemeinschaft Vinxtbachtal e.V. einen besorgniserregenden Rückgang der Erdkröten. So kommt dem Schutz der Amphibien und ihrer Laichgewässer in Zukunft immer größere Bedeutung zu.

Insgesamt konnten in diesem Jahr 342 Kröten erfasst werden. Leider kam für 72 der Tiere jede Hilfe zu spät. Dies lag wohl auch an einigen rücksichtslosen Rasern, die sich weder von Kröten, Straßenschildern oder Menschen in Warnwesten bremsen ließen. Ein Großteil (270 Kröten) der Tiere konnte aber dennoch erfreulicherweise von den Sammlern lebend auf der anderen Straßenseite abgesetzt werden.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Helfer, aber auch an alle Autofahrer, die Rücksicht auf Mensch und Tier genommen haben und in den letzten Tagen vorsichtig und langsam auf der L87 gefahren sind. Weitere Informationen unter www.nsg-vinxtbachtal.de.

Die Tiere werden durch rücksichtslose Raser bedroht. Foto: privat

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