Eine Wortwolke für die Credogemeinde
Andrea Lawrenz malte das einladende Kunstwerk ohne Vorzeichnung
Kripp. Geht die Tür auf zum Gottes- und Gemeindehaus der Credogemeinde in Kripp, Baumschulenweg 15, erblickt man neuerdings eine 7,50 Meter breite Wortwolke und darin auf ein „Willkommen“, umgeben von Begriffen des Wohlwollens und der Spiritualität, wie Güte, Frieden und Heiliger Geist.
„Das Willkommen ist ganz wesentlich, deshalb steht es auf Augenhöhe in großer Schrift“, erläutert Andrea Lawrenz ihr Werk.
Weil aber „jeder wirklich ankommen soll“, liegt ein kleines „ankommen“ auf dem „Willkommen“.
Das passe zur „Credogemeinde - Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Rhein-Ahr“, wie sie offiziell heißt, „eine schon immer ganz offene Gemeinde, wo gerade das Miteinander aus unterschiedlichsten Herkünften - Bildung, Herkommen, Begabungen - sehr gepflegt wird“. Es sei, so die Künstlerin und Kunsterzieherin am Sinziger Rhein-Gymnasium, ein internationales Miteinander „vom Kinderarzt-Ehepaar bis zum Mitarbeiter bei Apollinaris“.
Einige der 65 Gemeindemitglieder kommen aus Afrika, Südamerika, den USA, aus Aserbaidschan, Vietnam, aus dem Iran, der Ukraine, Schweiz und natürlich aus Deutschland. Deshalb „wohnen“ verschiedenen Sprachen in der Wolke: „Ruhe“, Freundlichkeit“ und „sicheres Zuhause“ auf Farsi, der persischen Amtssprache im Iran auch englisch „hope“, „gratefulness“, „commitment“ (Hoffnung, Dankbarkeit, Verpflichtung) sowie ukrainisch „Friede“ und „Einheit“ in Kyrillisch.
Lawrenz schlug ein modernes kalligrafisches Wandbild vor, als sich die Gemeinde den Eingangsbereich einladender wünschte. In den Mainzer Studientagen war Schriftgestaltung eines ihrer Hauptfächer. Seither begeistert sie sich für Kalligrafie, die „Kunst des schönen Schreibens“. Ihre Wolken-Idee, an deren Wortwahl die Gemeinde aktiv beteiligt werden sollte, überzeugte sofort Leitung und Gestaltungsausschuss. So lud die Künstlerin Anfang Februar die Besucher im Gottesdienst dazu ein, festzuhalten, was sie mit der Credogemeinde verbinden und was sie anziehend macht.
Die Ausbeute: zwei DIN A4–Blätter voller Begriffe. Darauf schaute Lawrenz immer wieder, während sie über Karneval an der Wand spontan, ohne jede Vorzeichnung, zu Werke ging. Zuhause hatte sie ausprobiert, wie stark sie Dispersions- und Acrylfarben verdünnen muss, um auf der Raufaser im Gemeindehaus flüssig malen zu können.
Zunächst strich sie die Wand komplett weiß. In die feuchte Farbe drückte sie mit dem Schwamm hellgrüne kleine Wolken, damit die Worte später nicht „nackt“ auf dem Untergrund stünden. Darauf verteilte sie sukzessive die nach Farben geordneten Begriffe. Von Hell nach Dunkel positionierte sie zuunterst Schrift in Silbergrau, darauf in Hellgrün, gefolgt von warm-sandfarbenen Worten, dann solche in Blaugrün, Weiß und zuletzt die ästhetisch wichtigen Goldlack-Akzente des Farsi.
Unzählige Male trat Lawrenz zurück von der Wand oder stieg von der Leiter, um mit Abstand zu erkennen, wo jeder einzelne Begriff sitzen sollte. Sie variierte die Größe, Schriftart und Dynamik der Schrift, was bei „Musik“ und „singen“ die Pinselführung beschwingte. So verkörpert das Bild nicht nur den Geist der ausgeprägten Willkommenskultur der evangelisch-freikirchliche Gemeinde, sondern tut dies überdies in einer inspirierten gelungenen Gestaltung, in der sich Gewicht und Leichtigkeit die Waage halten. HG
