Auch der Regen wollte mal zum Bauernmarkt des Kirchspiels Anhausen
Auch in diesem Jahr konnten wieder 80 Aussteller aus der Region begrüßt werden
Agenda-Frauen setzen den Gedanken der Nachhaltigkeit des Weltklimagipfels 1992 in Rio de Janeiro um
Rüscheid. Positiv gesehen könnte man sagen: Der Herbst hat es richtig gut gemeint mit dem Bauernmarkt in Rüscheid! Denn er zeigte sich von seiner stürmischsten Seite, mit Wind, Regen und ans Winterliche erinnernden Temperaturen. So etwas hatte es bei den Bauernmärkten im Kirchspiel Anhausen noch nie gegeben, erinnerten sich Besucher und Veranstalter. Immer schien die Sonne bei den vorangegangenen 17 Bauernmärkten in einem der Orte des Kirchspiels, Anhausen, Thalhausen, Meinborn und Rüscheid und verwöhnte die vielen hundert Besucher des beliebten Kunst- und Trödelmarktes mit sommerlichen Temperaturen. Diesmal nicht. Dennoch ließen es sich viele Freunde der Veranstaltung nicht nehmen, durch die vier Straßen in Rüscheid zu schlendern, in denen die Marktbeschicker ihre Stände aufgebaut hatten. Denn schließlich konnte man auch zum Schluss in das gut geheizte Dorfgemeinschaftshaus einkehren und sich dort bei Kaffee und Kuchen und netten Gesprächen aufwärmen.
Wie schon in den Jahren vorher ist es Ziel des Marktes, die heimische Landwirtschaft, die Geschäfte und die Gewerbetreibenden der Region zu unterstützen. Es soll gezeigt werden, dass es möglich ist, die Bevölkerung mit frischer und guter Qualität zu versorgen und dass viele selbst hergestellte Produkte angeboten werden können. Unter dieser Prämisse konnten auch in diesem Jahr wieder 80 Aussteller mit einem breit gefächerten Angebot gewonnen werden, die ihre Waren am Markttag zeigten.
Neben den Vorführungen an den Ständen haben die Besucher auf dem Markt die Möglichkeit Spinnen auf Spinnrädern, Klöppeln, Brandmalerei, Korbflechten, Schmiedearbeiten, Brot backen sowie Näh- und Stickarbeiten aus nächster Nähe anzuschauen. Eine kleine Tierschau mit Schafen und Alpakas, die Traktorenausstellung, musikalische Darbietungen der Musikschule Borm sowie die Vorführung von Drescharbeiten mit einer alten Lanz-Dreschmaschine bildeten weitere Attraktionen für die Marktbesucher. Auch fand eine Ausstellung „100 Jahre DRK“ statt, bei der ein historisches Fahrzeug zu sehen war.
Hartmut Döring eröffnete die Veranstaltung
Zum Rahmenprogramm gehörten in diesem Jahr nach der Eröffnung und Begrüßung durch Ortsbürgermeister Hartmut Döring um 11 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus ein Auftritt der Chorgemeinschaft Rüscheid und eine Vorführung des Karateclubs Dojo Anhausen, ein Vorspielen des Posaunenchors, ein Mittagskonzert des Akkordeonclubs Bonefeld und ein Auftritt der Bläsergruppe des Schleppjagdvereins Rheinland. Im Dorfgemeinschaftshaus konnte man auch die von heimischen Künstlern ausgestellten Gemälde anschauen.
Der Bauernmarkt im Kirchspiel Anhausen wird von der Agenda-Gruppe „Mehr Lebensqualität“ ausgerichtet und findet abwechselnd in einer der Kirchspielgemeinden statt, diesmal eben in Rüscheid. Mit dem Begriff „Agenda“ erinnern die Kirchspiel-Frauen an den Ursprung der Aktion, die Umweltkonferenz 1992 in Rio de Janeiro und deren Ziel einer nachhaltigen Entwicklung. Auf den Märkten der Agenda-Frauen sollen nur in der Region selbst erzeugte Produkte angeboten werden. Industriell hergestellte Artikel finden keine Berücksichtigung unter den strengen Kriterien des Martk-Organisationskomitees. 2013 wurden die Kirchspiel-Agendafrauen mit dem Ehrenamtspreis der Verbandsgemeinde Rengsdorf ausgezeichnet.
Die Agenda-Frauen selbst luden auch diesmal wieder zu Kaffee und Kuchen ins Dorfgemeinschaftshaus ein. Logisch, dass auch der Kuchen „regional“ hergestellt war. Wie in den Jahren zuvor, werden die Einnahmen des Marktes - im Wesentlichen die Einnahmen aus dem Kuchenverkauf - an gemeinnützige und soziale Einrichtungen im Kirchspiel Anhausen gespendet. Das sind in jedem Jahr die Gemeindekindergärten, der Kindergarten-Förderverein, die evangelische und katholische Kirchengemeinde, die Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz. Von den bei den ersten Märkten 30 gespendeten Kuchen konnte die Zahl auf aktuell 150 gesteigert werden.
Der Markt verteilte sich in Rüscheid auf die Straßen Auf der Trift, Mittelstraße, Luisenstraße und Schulstraße.
Reichhaltiges Angebot
Hier traf man zum Beispiel auf den Metallhandwerker Klaus Hummerich aus Anhausen, der eine Stahlbaufirma in Neuwied-Gladbach betreibt. Das Schmieden, wie er es auf dem Bauernmarkt zeigt, betreibt er nur als Hobby. Nebenbei baut der Handwerker auch noch Kartoffeln an. Die biologisch gehaltenen und mit der Hand geernteten Knollen bietet er auf dem Markt zum Verkauf an. Die Einnahmen spenden die Hummerichs dem Kinderheim HPW in Dierdorf. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist die Familie bisher bei jedem Bauernmarkt dabei gewesen. Sich selbst betrachten können die Marktbesucher am Stand von Andrea Linn-Seifert. Die Frau aus Anhausen stellt wieder ihre auf Hochglanz polierten restaurierten Spiegel in wunderschönen Holzumrahmungen vor. „Wenn wir alte Fenster von alten Dachböden oder nicht mehr bewohnten Häusern bekommen, arbeiten wir die auf.“ Seit zehn Jahren arbeitet Andrea Linn-Seifert in diesem Metier. Außer im Kirchspiel stellt sie nur noch in Puderbach auf dem Weihnachtsmarkt aus.
Den hatten auch die Landfrauen aus dem Kreis Neuwied, die ihre selbst gemachten Marmeladen verkauften, insgesamt fast 30 verschiedene Sorten. Darunter auch so exotische Mischungen wie Apfel-Calvados, Weiße Schokolade, Rosenblüten, Apfel-Minze, Aprikose-Johannisbeere mit Likör, Weintraube mit Amaretto, Birne-Johannisbeere, Himbeere-Sekt - spätestens hier fällt auf, dass die Landfrauen Fruchtaufstriche gerne mit alkoholischen Zutaten verfeinern. Für die zur Zeit des Marktes herrschende kühle Witterung zum Aufwärmen sicher genau das Richtige. Die Landfrauen kochen die Marmeladen bei sich zu Hause ein oder bei gemeinschaftlichen Treffen. In diesem Jahr ergab die Produktion eine Menge von 650 Gläsern. Nach dem Rüscheider Bauernmarkt besuchen die Landfrauen mit ihren Marmeladen noch die Neuwieder Markttage.
Auf Männerart unterstützte die Feuerwehr des Kirchspiels Anhausen den Markt und den guten Zweck. Die Kameraden hielten den Bierbrunnen am Laufen und den Zapfhahn offen. Volker Lemgen aus Thalhausen sagt: „Die Feuerwehr ist eingebunden in die Vereinsgemeinschaft Rüscheid, die hier zwei Bierbrunnen betreibt und auch frischen Federweißen anbietet. Wir von der Feuerwehr waren zusätzlich eingebunden in die Parkplatzeinweisung der Besucher. Aufgrund der Wetterlage und des anhaltenden Regens mussten wir aber von dem angedachten Parkplatz auf einer Wiese ausweichen auf die befestigten Straßen in Rüscheid.“ Mit insgesamt 21 Feuerwehrkameraden unterstützte die Einheit des Kirchspiels den Bauernmarkt. Mit den Einnahmen finanziert der Löschzug die Aus- und Weiterbildung der Wehrleute. Bei so viel lokalem Engagement und gleichzeitig lokaler Wertschöpfung ist es kein Wunder, dass der Bauernmarkt im Kirchspiel Anhausen in jedem Jahr - sogar bei erstmals schlechtem Wetter im Jahr 2017 - immer ein großer Erfolg ist.
Die Agenda-Frauen setzen mit ihrem regionalen Bauernmarkt die Nachhaltigkeits-Idee der Weltklimakonferenz 1992 in Rio praktisch in die Tat um.
Das Schmieden, wie er es auf dem Bauernmarkt zeigt, betreibt Klaus Hummerich nur als Hobby. Nebenbei baut der Metallbau-Handwerker auch noch Kartoffeln an.
