Allgemeine Berichte | 03.11.2017, 11:09 Uhr

Förderverein Denkmalpflege und Heimatmuseum in Sinzig e.V. zu Besuch auf Schloss Arenfels

Außen neugotische Pracht, innen fast leer

Schlossherr Christian Runkel führte Gruppe des Sinziger Denkmalvereins durch Schloss Arenfels

In der Galerie, die zu den Salons führt, erklärt Schlossherr Christian Runkel die Stuckdecken. Foto: privat
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Bad Hönningen. Ein Schloss hat viele Geschichten – und wenn es an so prominenter Stelle thront wie Schloss Arenfels bei Bad Hönningen, interessieren diese wie auch die Geschichte selbst ganz besonders. Auch deshalb hatte sich eine große Gruppe des Fördervereins Denkmalpflege und Heimatmuseum in Sinzig auf die andere Rheinseite begeben. Dort erwartete sie Schlossherr Christian Runkel, um in einer mehr als zweistündigen Führung alles – sowohl Dichtung wie Wahrheit – rund um das Schloss zu präsentieren.

Er tat das engagiert, informativ und humorvoll, so dass weder der Weg über Terrassen, Treppen und Salons zu weit noch die Fülle der Informationen zu viel wurde. Zunächst räumte Runkel mit einer alten Mär auf: Schloss Arenfels ist nicht das „Jahresschloss“ mit zwölf Türmen, 52 Räumen und 365 Fenstern, wie es oft bezeichnet wird. Zwölf Türme hatte es nie, und bei den Fenstern kommt es auf die Zählweise an…

Der Name Arenfels kommt von Adlerfelsen und geht auf eine im 13. Jahrhundert erbaute Burg des Trierer Kurfürsten zurück. Aus dieser Zeit stammt neben Gewölben noch der untere Teil des Turms. 1640 wurde aus der Burg ein Barockschloss und im 19. Jahrhundert daraus die heutige neugotisch geprägte Anlage. Zu dieser Zeit gehörte das Schloss den Grafen Westerholt, die die Familie von der Leyen abgelöst hatte. Die Burg zuerst genutzt hatte die Familie von Isenburg, ihr waren die Metternicher gefolgt.

Graf Westerholt engagierte Mitte des 19. Jahrhunderts einen seinerzeit hochberühmten Architekten. Ernst Friedrich Zwirner, der Vollender des Kölner Doms, gestaltete das Barockschloss in seinem Stil, dem der Neugotik, komplett um. Aus den Akten wusste Runkel zu berichten, dass dies nicht immer im Sinne des Bauherrn war und Zwirner sich aber in jahrelangem, heftigem Streit regelmäßig durchsetzte. So mit einem – nachträglich auf 55 Meter erhöhten – Turmaufbau und der Gestaltung der Fassaden. Innen erinnern noch Stuckdecken an die Barockzeit. Aber auch hier dominiert die Neugotik, insbesondere bei den Fenstern und Erkern. Ein Prunkstück ist die transparente, gusseiserne Treppe, hergestellt in der Sayner Hütte. Um indiskrete Blicke von unten nach oben zu verhindern, wurde sie mit Eichenbohlen belegt.

Außer sehr schönen Türen – eine ist mit Intarsien belegt und zeigt das Metternicher Wappen –, einigen Gemälden sowie voll funktionsfähiger Öfen und Kaminen ist die originale Inneneinrichtung verschwunden.

Plünderungen durch amerikanische Soldaten 1945 und eine Versteigerung durch die Besitzer in den frühen 1950er Jahren zerstreuten den Bestand in alle Himmelsrichtungen. So gelangte die wertvolle Bibliothek nach Bottrop, wo sie heute noch in Form einer Stiftung existiert. Dennoch sind die Räume nicht leer, Schlossherr Christian Runkel hat sie mit eigenem Bestand bestückt, unter anderem mit aus der Burg Linz stammenden Mobiliar. Runkel agiert als Pächter für den Inhaber Baron von Geyr und Schweppenburg und bietet die Räume für Hochzeitsfeiern, Geburtstage und Eventgastronomie an.

Dass es ein schwieriges Unterfangen ist, ein Schloss dieser Art zu erhalten und auch mit Blick auf Vorgaben und Vorschriften der Denkmalpflege und anderer Genehmigungsbehörden zu nutzen, erfuhr die Gruppe aus Sinzig ebenfalls – unter anderem beim abschließenden Kaffeetrinken im Gartensaal. Vorsitzender Karl-Friedrich Amendt fasste den Beifall in Worte und dankte Runkel für die erlebnisreiche Führung durch ein hochinteressantes Objekt.

In der Galerie, die zu den Salons führt, erklärt Schlossherr Christian Runkel die Stuckdecken. Foto: privat

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