Allgemeine Berichte | 25.12.2025

Der Krippenbauer oder die ungewöhnliche Karriere des Messdieners Peter Bell

Brohltal: Vom Himmel hoch da kam der Blitz

Kunstwerk mit viel Lokalkolorit: die Krippe in der Kempenicher Kirche. Foto: GS

Kempenich. 1963 war ein Jahr der großen Ereignisse: US-Präsident John F. Kennedy besuchte die junge Bundesrepublik, Ludwig Erhard folgte auf Konrad Adenauer als Bundeskanzler und in Lengede konnten nach einem schweren Grubenunglück elf Bergleute nach tagelanger Rettungsaktion lebend aus der Tiefe geborgen werden.

Es gab aber auch ein kleines Ereignis in der Eifel, dessen Nachwirkungen heute noch zu Weihnachten die Menschen erfreuen. In Kempenich hatte der Küster der Pfarrkirche von heute auf morgen den Dienst quittiert und ein junger Obermessdiener Messdiener wurde gefragt: „Kannst du einspringen, bis wir einen Nachfolger gefunden haben?“

Zeitsprung: „Den suchen die heute noch“, frotzelt Peter Bell. Der 75-jährige ist immer noch Küster von Sankt Philippus und Jakobus und denkt nicht ans Aufhören. Warum auch, „Küster Peter“, wie den gelernten Schmied und Schlosser ihn alle nennen, klettert zwar keine zehn Meter hohe Leiter zum Schmücken der Weihnachtsbäume am Altar hoch, ist aber sonst in der Kirche omnipräsent. Das Klettern überlässt er seit fünf Jahren Sohn Martin.

Überhaupt ist die Vorbereitung auf Weihnachten in der Kempenicher Kirche schon fast Familiensache. „Küster Peter“ kann auf Ehefrau Jutta, Tochter Kathrin, Sohn Martin und auf seinen alten Freund Ferdi Neiß bauen. Auch der ist handwerklich ein Allrounder und bringt sich in der Krippenbau ein. Und das ist eine eigene Geschichte.

Bei Peters Amtsantritt war die einst von Kinder bestaunte große Krippe vor dem Marienaltar einem Radikalreformer im Priesterrock zum Opfer gefallen und auf dem Schuttplatz gelandet. Auch der Hochaltar war dem Geistlichen mit dem Beliebtheitsgrad von Zahnschmerzen ein Dorn im Auge. Doch bevor auch der entsorgt wurde, wurde der Pfarrer in eine Betonkirche des Saarlandes versetzt, deren nackte Wände ihm keine Chance zum Bildersturm mehr gaben.

Peter stand also beim Auftrag des neuen Pfarrers Edwin Zieroff, sich um den Aufbau einer neuen Krippe zu kümmern, erst einmal mit leeren Händen da. Da kam unverhoffte Hilfe: Beherzte Katholiken hatten zumindest einen Teil der gut 80 Zentimeter hohen Krippenfiguren aus dem Schutt gerettet und verwahrt. „Die kriegst du, musst sie aber auch aufstellen“, kam die Botschaft. Der Grundstock war gelegt und die katholische Frauengemeinschaft spendierte später weitere Figuren.

Und mit Pater Egon Wagner zog in den 1980-er Jahren ein Bastler ins Pfarrbaus ein. Liebevoll baute er markante Häuser aus den Dörfern der Pfarrei nach, die von „Küster Peter“ um die Kapellen Kreuzwäldchen und Bernhardus ergänzt wurden. Lokalkolorit mit Bachlauf, Dorfteich und Mühlrädern. Auch ein Fantasiemodell der ehemaligen Burg Kempenich gibt es. Zwei Gleichgesinnte hatten sich gefunden. Zudem hat ein Hohenleimbacher die Baupläne der einst auf dem Schuttplatz gelandeten Krippe wiederentdeckt und die „Stadt Jerusalem“, die früher vor dem Marienaltar stand, nachgebaut.

Mit ihr hat Peter Bell heute vier Aufbauvarianten: Kern und Hort der Geburt Christi stellt entweder die Burgruine dar, ein uriger Holzstall, die „Stadt Jerusalem“ oder wie diesmal die Wurzelkrippe. Auch so eine Besonderheit: Die Wurzeln und das Geäst sind quasi „himmlischen Ursprungs“. Denn sie stammen von einem Baum im Pfarrhof, in den in den achtziger Jahren der Blitz eingeschlagen war. Ein Zeichen vom Himmel hoch?

Nachhaltigkeit ist bei „Küster Peter“ halt hoch im Kurs, was auch ein Blick auf den Unterbau der Krippe zeigt. Denn dieser besteht zu großen Teilen aus den Passstücken der Fronleichnamsaltäre. Ein echter Bastler arbeitet eben mit dem was vorhanden ist. Ist aber auch bereit für Neues. So gibt es neben der großen Krippe in der Pfarrkirche, die als eine der schönsten im Kreis Ahrweiler gilt, seit acht Jahren an der Kapelle Kreuzwäldchen schon ab dem zweiten Advent den Krippenweg. Auf Initiative von Peter und seinen Messdienern hat das halbe Pfarrsprengel alte Krippen in allen Versionen und Größen von der Streichholzschachtel bis zur Grotte zusammengetragen und am Wegesrand ausgestellt. Ein Ausflugsziel, das nicht nur Kinder zum Staunen und Zählen animiert. Mal schauen, ob der geneigte Wanderer alle 81 Krippen, die dieses Mal ausgestellt sind, entdeckt. Es werden übrigens jedes Jahr mehr.

Was aber macht „Küster Peter“, wenn nicht gerade Weihnachten ist. Im Kempenicher Erlebniswald Steinrausch gehen die Märchenfiguren auf das Konto von Peter Bell und seines Freundes Ferdi Neiß und in Engeln plant das Duo einen „Zwergenweg“ mit Rätseln zu alten und ausgestorbenen Berufen. So ganz nebenher kümmert sich der Kümmerer der Pfarrei auch noch um die Jugendarbeit des Dorfes und die Messdienerausbildung. Und auch damit will der einstige Obermessdiener mit der ungewöhnlichen Karriere noch lange nicht aufhören.

Aber warum heißt Peter Bell „Küster Peter“. Ganz einfach: In einer Gegend, wo der Nachname Bell so häufig ist, wie Knieps in Walporzheim oder Schmitz in Köln, sind Beinamen nicht nur hilfreich, sondern auch Markenzeichen. „Küster Peter“ ist jedem ein Begriff.

Kirchenkrippe und Krippenweg sind während der gesamten Weihnachtszeit bis zum 2. Februar zu sehen. GS

Kunstwerk mit viel Lokalkolorit: die Krippe in der Kempenicher Kirche. Foto: GS

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Stefan Kaufmann: Ostereierschießen gibt es am Sonntag auch in Kell (ab 12:00 Uhr) im Schützenhaus. Mehr Informationen auf andernach-kell.de

Wanderung auf der Traumschleife Wolfsdelle

  • Karin Thönes, Wanderregion Saar-Hunsrück e.V.: Das klingt nach einer tollen Wanderung! Nur ein kurzer Hinweis: Die Bezeichnung "Traumschleife" ist hier nicht korrekt. "Traumschleifen" bzw. "Traumschleifchen" heißen die Rundwanderwege in der Premium-Wanderregion Saar-Hunsrück.
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0197#
seniorengerechter Badausbau
Ideen für ein schönes Osterfest
Ostern
Ideen für ein schönes Osterfest
Stellenanzeige Bürokaufmann/-frau
Anzeige KW 13
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606  // AZ Commodity Rheinschiene KW 13
Empfohlene Artikel
Der neu gewählte Vorstand des RVK: (v.l.) Helmut Ewenz, Nicole Bagaev, Charlina Rachul, Silke Theisen, Lina Frorath, Johanna Klaes, Julia Jäger, Sophie Rosenstein, Nadja Netzer, Jule Fleckner, Annouschka Konitzer, Jana Buechleb, Nora Korte, Jutta Spies. Auf dem Foto fehlen: Tina Klein, Tina Hartmann, Lilly Dahlmann und Uwe Lederer.
39

Bonefeld/Kurtscheid. Im zurückliegenden Jahr feierte der heimische Reiterverein Kurtscheid (RVK) seinen 50. Geburtstag. Erneut gibt es beim RVK einen Grund mit einem Gläschen Sekt anzustoßen: Mit 335 Mitgliedern festigt die Gemeinschaft ihre Position als größter Reiterverein im Pferdesportverband Rheinland-Nassau. "Dieser Rang unterstreicht die Attraktivität des Vereins und die Bedeutung des Reitsports in unserer Region", sagt Jutta Spies, Vorsitzende beim RVK.

Weiterlesen

29

Maria Laach. Mit der siebten Fastenpredigt findet die diesjährige Reihe in Maria Laach ihren Abschluss. In den Tagen der Karwoche richtet sich der Blick noch einmal auf das Wesentliche der Fastenzeit: auf die Prüfung des eigenen Weges, auf die Bereitschaft, das eigene Leben neu auszurichten, und auf die Hoffnung, die damit verbunden ist.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
24

Ob die Kinder verletzt sind ist unklar – Polizei sucht Zeugen

25.03.: 44-Jährige Autofahrerin kollidiert mit Kindern auf E-scootern

Euskirchen. Am Mittwochnachmittag, den 25. März, ereignete sich gegen 16:40 Uhr an der Kreuzung Johannesstraße / Am Walzwerk in Euskirchen-Euenheim ein Verkehrsunfall. Dabei befuhr ein E-Scooter, auf dem sich zwei Kinder befanden, die Kreuzung aus der Straße „Am Walzwerk“ kommend und übersah eine 44-jährige Pkw-Fahrerin aus Euskirchen.

Weiterlesen

Seit einiger Zeit herrscht in Bad Breisig auf der B9 Tempo 30.  Foto: AKS
275

Petition gegen Geschwindigkeitsreduzierung in Bad Breisig erfolglos:

Bad Breisig: Tempo 30 auf der B9 bleibt

Bad Breisig. Bereits 2021 hatte der Stadtrat der Stadt Bad Breisig die Verwaltung damit beauftragt, ein verkehrsrechtliches Anhörungsverfahren zur Geschwindigkeitsreduzierung auf der Bundesstrasse 9 durchzuführen. Dieser Wille zur Geschwindigkeitsreduzierung wurde mit einem Beschluss des Stadtrats 2022 untermauert. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) als oberste Verkehrsbehörde stimmte 2024 der beabsichtigten Geschwindigkeitsreduzierung von 50 km/h auf 30 km/h zu.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0197#
Ostern
Ostern
Fahrer gesucht (m/w/d)
Imagewerbung
Recht und Steuern
Osteranzeige
Hubarbeitsbühnen-Schulung am 08.04.26
Kostenfreie Anzeige wegen schlechter Verteilung KW11
Lossprechungsfeier der Metall-Innung
Lossprechung Metallhandwerker-Innung Ahrweiler
Umbau u. Neueröffnung Blumen Meyer
Lossprechungsfeier Metall-Innung
Umbau u. Wiedereröffnung Blumen Meyer
Gegengeschäft
Stellenanzeige Betriebsstättenleitung
Wohnträume
Umbau und Wiedereröffnung Floristik & Ambiente Meyer