Die Erpel Jecken feierten mit ihrem Bernd I. am Samstag eine tolle Prunksitzung
Büttenreden, schwungvolle Tänzen und fetzige Musik begeisterte die Narren
Erpel. Mit dem Larida-Marsch zog das Erpeler Tambourcorps unter Leitung von Dirk Richarz zusammen mit der Prinzen- und Kindergarde, den Stadtsoldaten um Kommandant Felix Weber und mit dem Tulpen werfenden Elferrat in das Turnschuh-Gürzenich der Alten und Freien Herrlichkeit ein. Krönenden Abschluss bildete Prinz Bernd I. „aus dem Hause Walbrück“ mit seinem fünfköpfigen Team, alle aus der Weinfest-Crew des begnadeten Dahlien-Gärtners. „Schön, dat Ihr alle hier seid, um einen tollen Abend zu erleben. Ich freue mich, Euer Prinz zu sein!“, erklärte Bernd I. der Narrenschar im Saal unter dem frenetischen Jubel der bunt kostümierten Jecken. Er sei für einige wohl ein Überraschungsprinz, weil ja bekannt sei, dass seine 5. Jahreszeit vom Weinfest bis zum Einkellern der Dahlienknollen andauere. Aber wie Mädchen davon träumen würden, Weinkönigin zu werden, so sei sein Traum früher gewesen, einmal Prinz zu sein. Den habe er dann aufgegeben, als er sich, statt eine schöne Frau zu heiraten, in einen korpulenten Mann verliebt habe. „Brauchtum und Tradition liegen mir am Herzen. Weil die sich den veränderten Zeiten angepasst haben, stehe ich, der erste schwule Prinz von Erpel, hier mit meinem Mann Holger auf der Bühne. Danke, dass wir von Euch so genommen werden, wie wir sind!“, so die Tollität. Die hatte zwar den Gärtnerspaten gegen die Narrenpritsch eingetauscht, von ihrer Gießkanne hatte sie sich aber nicht getrennt. Zuvor hatte sein Adjutant Holger der Tollität auch noch die Prinzen-Lackschühchen angezogen, war diese doch in derben, wenn auch roten Gartenschuhen eingezogen, um ja nicht im Schneematsch auszurutschen.
Endlich im angemessenen Outfit verkündete der Prinz sein Motto: „Bunk wie ‚ne Rähnbooche, so fiere mer Kirmes, Wingfeß und Fastelovend en uns joldisch Erpel am Rhing!“ Nachdem er sein fünfköpfiges Team vorgestellt hatte, neben Adjutant Holger Prinzenführer Uwe Trappe, Koch Frank Bender, Kellermeister Kurt Ziegert samt Bedienung Gisela Ziegert sowie als „Mädchen für alles“ Kathi Bender, nahm Bernd I. mitten unter dem Elferrat um Präsident Jörg Buchmüller Platz.
Als Eisbrecher kündigte dieser „Ne Ussjeflippte“ an, der auf eine 30-jährige Ehe zurückblickte. „Packst du gerade Orden aus“, herrschte der Büttenredner Andreas Schwager an, entriss diesem eine der glitzernden Auszeichnungen und verschenkte sie an einen niedlichen Clown, bevor die ehemalige Mülltonnen-Puppe des Schnäuzer-Duos ihre während des 30-jährigen Medizinstudiums erworbenen Kenntnisse zum Besten gab.
„Steh auf, mach laut, mach richtig Lärm“, fordert dann die Kindergarde mit den „Höhnern“ die bunt kostümierte Narrenschar auf, bevor die Kleine Prinzengarde diese wie die „Funky Marys“ schwungvoll aufforderte: „Isch will danze, danze met dir!“ Das bescherten den jungen Tänzerinnen die erste donnernden Rakete des Abends, bevor Jörg Buchmüller eine Nachwuchsbüttenrednerin aus Erpel ankündigte. Als Aushilfs-Kellnerin beim Pitter „Om Maat“ plauderte et „Köbinche“ Silvia Rings aus, was sie vor und hinter Theke so alles aufgeschnappt hatte, nachdem sie den Elferrat mit vollen Kölsch-Stängelche versorgt und - „Prost zesamme!“ - mit allen angestoßen hatte.
In der Bütt ist der „Flachlandtiroler“, seit Jahren zuhause. Nach einem „schönen Einlauf“ in den Saal verriet er, versetzte er den Erpeler Nachbar einen Tiefschlag nach dem anderen, bevor er seine Erlebnisse aus dem Winterurlaub, in der Sauna und beim Squash zum Besten gab.
Ans „Bickendörfer Büdche“ entführte dann die Prinzengarde, bei denen Nils Bornheim, Lucas Efferoth und Dominik Schwager eine tragende Rolle spielen. Nach ihrem schwungvollen Gardetanz machte die Truppe em „Tusnelche“ Platz. Voraussichtlich das letzte Mal wurden die Jecken von dieser umwerfenden Schönheit auf der Bühne geblendet, befand sich Christel Heck nach eigener Aussage auf ihrer Abschieds-Büttenreise.
„Oh, leever Jott, jev uns Wasser un helf uns en d’r Nut!“ sangen die Urselhofer aus Selhof. Die hatten selber „Nut“, war ihnen doch zu Beginn ihres Auftritts der Saft ausgegangen. Nach rund 20 Minuten aber, konnten sich die Jecken gar nicht satt hüre an kölsche Leeder. Nicht als „et Leech usjing em Roxy“, sondern beim Bläck-Fööss-Hit „Du bess die Stadt, op die mer all he stonn“, zog das Tambourcorps auf die Bühne, um das Quartett mit Trömmelche und Pfeifen zu unterstützen.
Wer allerdings der Aufforderung der Urselhofer „Kumm lommer heimjon!“ Folge geleistet hätte, hätte et „Oma Finchen“ verpasst. „Un isch bin de Weinkönijin un dat at seit zehn Johr“, erinnerte das Erpeler Urgestein, bevor es sich etwa der Verkehrslage im Ort widmete.
Mit einstündiger Verspätung ging es in die Pause, nach der Prinz Guido I. „vun Hünnije“ mit seiner großen Entourage, samt KG und Alter Garde Bernd I. seine Reverenz erwies. Nicht zu vergessen die „Magic Lights“. Nach deren Tanz wollten die Stadtsoldaten nicht nachstehen und prompt schickte um Kommandant Felix Weber die Mariechen Lara Bender und Tonia Siebertz ins Rennen bevor er seine Truppe, verstärkt durch den „nimmermüden“ Elferrat ausgiebig wibbeln ließ. Da warteten im Foyer schon die Grün-Weißen Funken vom Zippchen aus Kölsch Büllesbach im Foyer. Allerdings mussten sich die Tänzer aus dem nahen Westerwald noch etwas gedulden, berichtete Prinz Bernd doch zuvor von seinen Erlebnissen beim Einkauf im Supermarkt. „Applaus, Applaus“ hätte die Prinzengarde in ihren schwarz-weiß gerauteten Harlekin-Kostümen gar nicht erst einfordern müssen, die mit ihrem Showtanz lange nach Mitternacht das Ende einer tollen Prunksitzung einleiteten. „Ich wünsche mir so sehr, Ihr hört niemals damit auf“, schwärmte jeder im Saal in minimaler Abwandlung des Hit-Textes von den „Sportfreunden Stiller“. In diesen Wunsch bezogen alle Jecken auch die „Gulaschkapell“ mit ein, die mit heißen Rhythmen der Narrenschar die letzten Kraftreserven entlockte. DL
Im Spagat beendeten die beiden Mariechen der Stadtsoldaten ihren Tanz.
Adjutant Holger achtet auf Etikette und tauscht Bernds Turnschuhe gegen rote Prinzenschühchen ein.
