Allgemeine Berichte | 23.03.2026

Rotwildring hofft nach Regierungswechsel auf Korrekturen des „politisch grünen Jagdgesetzes“

Kreis Ahrweiler: CDU-Sieg ist für Jäger ein Silberstreif am Horizont

Vorsitzender Christian Möller (rechts) vor der Ehrentafel im Gespräch mit einem Jäger.  Foto: GS

Kempenich. Kein Rotwildring Ahrweiler in den vergangenen Jahren ohne Diskussionen über das neue rheinland-pfälzische Jagdgesetz, das am 1. April 2027 in Kraft treten soll. „Vor dem Hintergrund der aktuellen jagdpolitischen Diskussionen und anstehenden jagdrechtlichen Änderungen in Rheinland-Pfalz stellt sich die Frage, wie wir uns künftig weiterhin für die Belange unseres Rot- und Muffelwildes einsetzen können, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wild, Wald und menschlichen Interessen sicherzustellen. Die Hegegemeinschaften in ihrer heutigen Form wird es künftig nicht mehr geben. Die anstehenden gesetzlichen Änderungen betreffen dabei nicht nur das Wirken der Hegegemeinschaften, sondern auch die Art und Weise, wie wir Jäger im Kreis und im gesamten Land künftig jagen werden“, sagte Vorsitzender Christian Möller vor dem Plenum der Jäger in der Kempenicher Leyberghalle.

Die parallele Ausstellung von Trophäen von Hirschen und Muffelwiddern liefert der Rotwildring und die Hegegemeinschaften gemeinsam mit den Gesamtabschusszahlen im Kreis Ahrweiler wichtige Indikationen über Bestände, Altersstruktur und den Zustand der Wildpopulation. Passende Erläuterungen gab es von Kreisjagdmeister Stefan Schuck, der auch Zahlen parat hatte. So wurden im vergangenen Jagdjahr 3600 Stück Schwarzwild erlegt, 4500 Stück Rehwild, 1200 Stück Rotwild und 207 Stück Muffelwild. „Und über allem schweben leidige Mindestabschusspläne“, so Schuck. Er unterstrich, dass die Hegeschauen zugleich das Ziel verfolgen, über ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wild, Wald und den Interessen der Bevölkerung zu informieren sowie zur fachlichen Weiterbildung beizutragen.

Fachwissen vor Ort

Doch geht es nach dem neuen Jagdgesetz, das von der CDU im Landtag strikt abgelehnt wurde, soll es all dies künftig nicht mehr geben. Das kritisierte in seinem Gastvortrag Klaus Nieding, Justiziar des Landesjagdverbandes, massiv: „Künftig soll der Forst bis in die Reviere hineinregieren.“ Dies statt auf die Expertise der Jäger und Heger vor Ort zu hören, die den Wildbestand kennen: „Wenn der Forst also künftig sagt, es müssen 100 Rehe erlegt werden, muss das geschehen, egal ob es die gibt oder nicht. Verstöße gegen Mindestabschusspläne gelten künftig als Ordnungswidrigkeit und können bis hin zum Verlust des Jagdscheins und somit des Jagdreviers führen.“

Das alles bringt die Jäger im Land in Harnisch, denn sie setzen auf Wald mit Wild statt Wald vor Wild sowie auf Waidgerechtigkeit statt Ausrottung.

Daher sagte auch Christian Möller im Gespräch mit Blick aktuell: „Wenn es den Rotwildring und die Hegegemeinschaften (Hohe Acht-Kesseling und Barweiler-Aremberg) als Körperschaften des öffentlichen Rechts zum 1. April 2027 nicht mehr geben sollte, heißt es für uns ‚zurück zu den Wurzeln‘. Dann organisieren wir uns als Verein, denn wir lassen das Rotwild nicht allein.“ Bei einem Regierungswechsel sieht Möller jedoch einen Silberstreif am Horizont. Denn noch ist das Jagdgesetz nicht in Kraft, und gut 55 dazugehörende Rechtsverordnungen sind noch nicht existent. Aber, so Justiziar Nieding: Diese würden dann im Umweltministerium von denselben Beamten erarbeitet, die auch das Jagdgesetz gemacht haben. Da gelte es, neu zu diskutieren und neu zu gestalten. Was der Kreisbeigeordnete und Noch-CDU-Landtagsabgeordnete Horst Gies so formulierte: „Um zukunftsfähige Lösungen zu finden, ist es wichtig, alle Faktoren eingehend zu analysieren und die Jagdpraktiken entsprechend anzupassen, um das Gleichgewicht zwischen Wildtierpopulationen und den Bedürfnissen der Gesellschaft zu wahren.“

Funktionierendes System

Dass dieses funktioniert, hat die Hegegemeinschaft Hohe Acht, Kesselinger Tal, unter Beweis gestellt. Unter dem Vorsitz von Ralf Mocken wurden früh tragfähige Strukturen und ein zielführendes Regelwerk aufgebaut. Dazu gehörten die Satzung, Bejagungs- und Fütterungskonzepte sowie klare Richtlinien für die Zusammenarbeit innerhalb der Hegegemeinschaft. Auch der verpflichtende körperliche Nachweis jedes erlegten Stücks wurde erfolgreich umgesetzt. Das zunächst komplexe Verfahren zur Aufstellung des Gesamtabschussplans und zur Abstimmung der Teilabschusspläne wurde laut Möller Schritt für Schritt zur Routine. Zentrale Erfolgsfaktoren waren die verpflichtende Mitgliedschaft und die enge Abstimmung zwischen Revierinhabern, Jägern und weiteren Beteiligten. Der Landesforst, der selbst erhebliche Flächen innerhalb der Hegegemeinschaft bejagt, sei von Anfang an in den Vorstand eingebunden gewesen.

Aber das alles soll es ja nach dem Willen der abgewählten Ampel so nicht mehr geben. Mit dem Wechsel in Mainz hoffen die Jäger jetzt auf Korrekturen.

GS

Vorsitzender Christian Möller (rechts) vor der Ehrentafel im Gespräch mit einem Jäger. Foto: GS

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