Dt. Bundeswehrverband, Kameradschaft: Ehemalige Soldaten, Reservisten, Hinterbliebene
Christen und Muslime – eine historische Betrachtung
Vortrag von Oberst a.D. Hans-Wilhelm Möser
Meckenheim. Die Kreuzzüge des 11. bis 13. Jahrhundert und deren Auswirkungen bis in die heutige Zeit hinein sind ein spannendes Thema, zu dem der Deutsche Bundeswehrverband im April eingeladen hatte.
Oberstleutnant a.D. Hans-J. Unger, Regionalbeauftragter des Deutschen Bundeswehrverbandes, freute sich Oberst a.D. Hans-Wilhelm Möser als Referenten begrüßen zu können. Der Meckenheimer Hans-Wilhelm Möser ist bekannt durch sein Buch „Die Schlacht bei Waterloo“, das er 2014 anlässlich der 200 jährigen Widerkehr des Ereignisses veröffentlichte. Er verbindet in diesem Buch erstmalig militärisch operative Erkenntnisse mit bekannten geschichtlichen Fakten. Als er dann in seiner aktiven Zeit als Soldat mehrere Jahre in Belgien lebte griff er die Gelegenheit beim Schopf und vertiefte das Thema und erwarb die belgische Lizenz als Führer auf dem Schlachtfeld.
Von seiner Schulzeit an interessierte er sich für Geschichte. Diese Liebe motivierte ihn auch nach seiner Pensionierung weiterhin intensiv an andern geschichtlichen Themen zu arbeiten. Für ihn war es dabei immer wichtig die Ursachen zu ergründen aber auch die Auswirkungen oder Vergleiche in die Gegenwart darzustellen. So stellte er in seinem Vortrag eindrucksvoll die Konfrontation des christlich geprägten Lebens des 11. und 12. Jahrhunderts mit dem arabischen Leben dar.
„Die schönen Künste blühten im arabischen Raum, sei es in der Literatur, sei es in der Dichtkunst oder in der Architektur. Die orientalische Gesellschaft der damaligen Zeit war der Sinnenfreude durchaus zugetan – wofür den Christen im Abendland das Fegefeuer drohte“ so Möser.
Mit Falschaussagen wurden Menschen manipuliert
Auch wurde deutlich; schon zu dieser Zeit wurden falsche und unvollständige Informationen dazu genutzt Menschen zu manipulieren. So wurde das himmlische Jerusalem, mit seinen angeblichen Toren aus Perlen, mit seinen edelsteingeschmückten Mauern und goldenen Straßen mit dem irdischen Jerusalem verwechselt - ein gut dokumentierter Irrglaube.
Interessant war, dass schon zu dieser Zeit mangelnder Integrationswillen beider Seiten zum Scheitern vieler Vorhaben führte.
Es gab einen enormen Kulturtransfer von der arabischen Seite in das christliche Abendland. Im Orient sind dagegen nur wenige kulturelle Spuren der Franken (Kreuzfahrer) zu entdecken. „Man kann also sagen, dass das Abendland nicht nur eine christlich geprägte Kultur hat mit Wurzeln in der klassischen griechischen und römischen Antike, sondern dass die arabische Welt auch einen ganz beträchtlichen Beitrag zu dieser heutigen Kultur geleistet hat“ so der Vortragende.
Dieser kulturelle Vorsprung der muslimischen Welt hielt sich bis etwa in das 16. Jahrhundert, dann verharrte sie in Selbstzufriedenheit. Das Abendland entwickelte sich dagegen in Folge der Renaissance ab 1400, der Erfindung der Buchdruckerkunst, der Reformation 1517, der Aufklärung und später dann durch die Trennung von Staat und Religion und durch Industrialisierung schneller in die Moderne.
Alle waren tief beeindruckt von der Detailkenntnis des Vortragenden. Deutlich wurde dass wir nicht nur Kaffee und Spargel oder Schach aus dieser Region erhalten haben, sondern auch medizinische, mathematische Kenntnisse. „Ohne diesen Kulturtransfer wäre unsere Entwicklung wahrscheinlich etwas anders verlaufen“, so der Vortragende.
Am Ende der Veranstaltung überreichte Hans-J. Unger ein kleines Präsent und dankte Hans-Wilhelm Möser für den hoch aktuellen und sehr interessanten Vortrag.
