Allgemeine Berichte | 24.03.2025

Wählergruppe Pucher-Palmer

Das Erbe unserer Väter

V.li. Ulrike M. Dierkes, Martin Ruthenberg, Johannes Heibel. Foto: J. Gaisbauer

Höhr-Grenzhausen. Kürzlich hatten Diplom Sozialpädagoge Johannes Heibel und Autorin Ulrike M. Dierkes zum Gesprächsabend „Das Erbe unserer Väter“ in das Jugend- Kultur und Bürgerzentrum „Zweite Heimat“ eingeladen. Der Saal war gut gefüllt, etwa 100 Menschen waren der Einladung zu diesem schwierigen Thema gefolgt, das unweigerlich Emotionen und Erinnerungen hervorruft und zu der Frage führt: War Krieg jemals die richtige Lösung, um Sicherheit und Frieden zu erreichen?

Bedauerlicherweise waren weder Lehrer noch Mandatsträger gekommen - trotz der Einladung an die Schulen im Umkreis und die Aufforderung der Wählergruppe Pucher-Palmer an die Bürgermeister der VG und Stadt Höhr-Grenzhausen, die Veranstaltung ähnlich zu bewerben wie zuletzt die musikalische Lesung zur Erinnerung an den Holocaust „Ich wand’re durch Theresienstadt“ im Januar 2025. Immerhin fanden zwei Schüler den Weg zur Veranstaltung, von der sich eine Schülerin des Geschichtsleistungskurses auch rege am Diskurs beteiligte.

Johannes Heibel, Mitgründer des 1984 gegründeten Jugendhauses „Zweite Heimat“, das zum heutigen Jugend- und Kulturzentrums „Zweite Heimat“ in Höhr-Grenzhausen weiterentwickelt wurde, engagiert sich seit 1993 mit seinem Verein „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V.“ für den Schutz von Kindern und Jugendlichen. Er macht seit Jahren in zahllosen Aktionen und Projekten auf die physischen und psychischen Folgen der Opfer vom Gewalt aufmerksam, die die seelischen Auswirkungen meist ihr Leben lang mit sich herumtragen und ohne Aufarbeitung des Erlebten manchmal selbst zu Tätern werden. Eine Leidenskette, die sich fortsetzt. Interviews mit seinem Vater veröffentlichte er als Hörbuch, in denen dieser über seine traumatischen Erlebnisse als Soldat im zweiten Weltkrieg berichtete, den er als Fahnenflüchtiger und Verwundeter überlebte. Die grauenvollen Erfahrungen ließen ihn jedoch nie los.

Ulrike M. Dierkes, Autorin aus Koblenz, veröffentlichte im Buch „Die Engelkette“ die Tagebuchaufzeichnungen ihres ebenfalls zum Wehrdienst gezwungenen Vaters, der traumatisiert und verstümmelt zwar die Grauen des Weltkrieges überlebte, aber genauso wie Heibels Vater zeitlebens unter den seelischen Verletzungen und Qualen litt. Alptraumnächte, emotionale Untiefen und Konflikte hatten spürbare Konsequenzen auf das Familienleben und wirken bis heute auch in der Autorin nach.

Der ehemalige SWR Moderator Martin Ruthenberg moderierte das Gespräch zwischen der Autorin und dem Sozialpädagogen. In einfühlsamer Weise fragte er nach den Erlebnissen der Väter und ließ beide auch von den Auswirkungen auf ihre eigene Kindheit berichten. Ohne zu unterbrechen führte er dabei immer wieder auf die Fragestellungen zurück und machte für das Publikum spürbar, was wohl viele der Anwesenden aus den Berichten der eigenen Eltern und Großeltern kannten: Welches Grauen und Leiden Krieg nicht nur für diejenigen bedeutet, die als aktive Soldaten teilnehmen (müssen), sondern für alle Familienangehörigen. Denn das Erlebte wirkt in den nachfolgenden Generationen nach. Im Krieg gibt es nur Verlierer.

Im zweiten Teil des Abends wurde das Publikum mit einbezogen und steuerte z.T. eigene Familiengeschichten bei. Bei manchem kamen die Emotionen so hoch, dass sie nicht weitersprechen konnten. Andere ergriffen die Gelegenheit zum Appell, sich mit allen Mitteln für den Frieden einzusetzen, denn Gewalt sei der falsche Weg zur Konfliktlösung. Die älteren Generationen wussten und vermittelten, dass man nie wieder Krieg wolle und so ging man in der Vergangenheit für den Frieden auch auf die Straße. Heute scheint dies in Vergessenheit zu geraten zu sein: Wir hören, dass Deutschland kriegstüchtig werden müsse, die Meyer Werft solle Kriegsschiffe bauen, Volkswagen Panzer statt PKW. Aufrüstung sei zwingend notwendig, Milliarden Schulden müssten deshalb aufgenommen werden, die Wehrpflicht solle so schnell wie möglich wieder eingeführt werden. Ist es wirklich das, was wir uns für uns und unsere Kinder wünschen? Ist es nicht an der Zeit, diplomatische Ansätze zur Konfliktlösung von unseren Volksvertretern zu fordern?

Dank ging nicht nur an Herrn Heibel, Frau Dierkes und Herrn Ruthenberg für diesen wichtigen Impuls zum Nachdenken. Sondern auch an die Vertreter der Stadt Höhr-Grenzhausen und die Leitung des Jugend-, Kultur- und Bürgerzentrums „Zweite Heimat“, die eine aus unserer Sicht in der heutigen Zeit so wichtige Veranstaltung ermöglicht haben.

Pressemitteilung der

Wählergruppe Pucher-Palmer

Weitere Themen

V.li. Ulrike M. Dierkes, Martin Ruthenberg, Johannes Heibel. Foto: J. Gaisbauer

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Oliver Spielmann: Was passiert, wenn es keine Baumschutzsatzung gibt, kann man in aktueller Sache in Neuwied sehen. Hier wurden im Rahmen einer Schulhofumgestaltung 3 nachweislich verkehrssichere gesunde 100 Jahre alte...
  • Koblenzer Bürger: Die Forderung der FDP, die Baumschutzsatzung abzuschaffen, ist ein längst überfälliger Schritt gegen staatliche Überregulierung. Es ist widersprüchlich, Hauseigentümer auf dem eigenen Grund und Boden...
  • Oliver Spielmann: Was passiert, wenn es keine Baumschutzsatzung gibt, haben wir in aktueller Sache in Neuwied gesehen. Hier wurden an einer Schule im Rahmen einer Umgestaltung 3 einhundert Jahre alte nachweislich gesunde...
  • Boomerang : Seit 2011 eine Frau durch einen herabstürzenden Ast in d Rheinanlagen ums Leben kam will keiner mehr für die Sicherheit verantwortlich sein. Mit alten Bäumen ist es wie mit alten Menschen, die können weg und machen nur Arbeit.
  • Bernd Hilger: Und wann wird sie für den Verkehr freigegeben ?
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag 2026
MAYA 2026
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
MAYA
Held*in Staubfeldwebel
Familien-Sonntag 2026
Empfohlene Artikel

Kreis Neuwied. Wer sich passend in Szene setzen will, bedient sich ab und an einer schicken Kulisse. Zuweilen läuft es aber schon mal umgekehrt - dann wird der Schauplatz selbst zum Hauptdarsteller. So geschehen im Roentgen-Museum Neuwied, wo Landrat Achim Hallerbach und Museumsleiterin Jennifer Stein jetzt die Ausstellung „Geformt aus Feuer und Stein – Der Westerwald in Fotografie und Keramik“ eröffnet haben.

Weiterlesen

Maria Laach. Am Samstag, den 28. Februar, interpretiert Gisbert Wüst aus Höhr-Grenzhausen um 12 Uhr in Maria Laach das Werk „Via Crucis“ (Kreuzweg) von Jean-Marie Plum, einem recht unbekannten belgischen Organisten und Komponisten.

Weiterlesen

Weitere Artikel

Mayen startet mit Traumwetter in den Frühling

Frühlingskirmes in Mayen: Ein Wochenende voller Genuss und Erlebnisse

Mayen. Ein traumhaftes Sonnenwetter läutete beim Frühjahrskirmeswochenende den ersehnten Frühling ein. So hatten sich das die vielen Hundert Besucher gewünscht und der Wettergott hatte nach dem nasskalten Winterwetter diesbezüglich tatsächlich ein Einsehen. Sehr zur Freude aller Anwesenden, die am verlängerten Wochenende einen Bummel entlang der Stände und Attraktionen sichtlich genossen.

Weiterlesen

Meckenheim. Zu einem folgenschweren Verkehrsunfall kam es am Samstagmorgen (07.03.2026) gegen 10:45 Uhr auf der Bonner Straße in Meckenheim. Zur Unfallzeit befuhr eine 68-jährige Autofahrerin die Meckenheimer Allee/Bonner Straße in Fahrtrichtung Rheinbach. Kurz vor der Kreuzung Gudenauer Allee/Bonner Straße beabsichtigte sie, nach links in eine Zufahrt abzubiegen und missachtete dabei die Vorfahrt eines entgegenkommenden Motorradfahrers, der die Bonner Straße in Fahrtrichtung Bonn befuhr.

Weiterlesen

Kreishandwerkerschaft
Holz Loth-Entsorgung
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
MAYA Azubi Messe
MAYA
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606 // Anzeige HEMS
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, März 2026
+Hospimed
Zukunft trifft Tradition KW 10
Imageanzeige Dauerauftrag 03/2026
Innovatives rund um Andernach
Wahlanzeige 4 von 6
Rund ums Haus
First Friday Anzeige Februar
Angebotsanzeige (März)
Christoph Rosenbaum
BSW -WK 4
"Zukunft trifft Tradition" KW 10