Das Leiden und Sterben Christi
Schuld. Die Passionsspiele in Schuld finden seit dem 7. März in der Pfarrkirche St. Gertrud in Schuld statt. Wochenlange Vorbereitung und intensive Proben haben stattgefunden, Regisseur ist Matthias Beer, ehemals Gemeindereferent der Pfarreiengemeinschaft Adenauer Land, hat mit den Darstellern und Darstellerinnen alle Feinheiten der Aufführung geprobt. Das Ensemble, gesamt rund 50 Personen, präsentiert sich erneut mit einer glanzvollen Leistung. Seit 1979 werden die Passionsspiele in mehrjährigem Rhythmus gespielt, haben ein hohes Renommee erlangt.
Der Altarraum ist als Bühne gestaltet. Die Bühnenausstattung ist bewusst zurückhaltend gehalten, die Zuschauer sollen sich ganz auf die Rollentexte und die Gestik und Mimik der Darsteller konzentrieren können. Die Inszenierung ist ausgerichtet an dem Buch des verstorbenen langjährigen Pfarrers Gerold Rosenthal, ein reich bebildertes Werk, in erster Auflage im Jahr 2000 erschienen. Einzelne Texte wurden aktualisiert, sie sind bewusst schnörkellos gehalten. Dies kommt der Darstellung des Leidens Jesu Christi auf der Bühne zugute. Die Passion ist zwar Theateraufführung, mag für manchen auch Anlaß zur Auseinandersetzung mit seinem Glauben geben, die Botschaft des Geschehens bleibt aktuell, es gibt Fragen, die sich der Einzelne stellen mag …
Anhand einzelner Personen wird die Dramatik des Geschehens besonders deutlich. Sehr bewusst wird die innere Zerrissenheit des Judas Ischariot. Zunächst ein begeisterter Anhänger von Jesus, versteht er, einer der zwölf engen Vertrauten von Jesus, diesen bald nicht mehr. Es kommen Zweifel auf, etwa, weil Jesus eine Frau wie Maria Magdalena akzeptiert, deren Lebenswandel Judas nicht zu akzeptieren vermag. „Ich glaubte die Stimme Gottes aus ihm zu hören. Doch er ist ein anderer als er scheint“. Und: Kann ein Gott, der so viel Leid zulässt, überhaupt ein Gott der Liebe sein? Judas zerbricht an diesen Zweifeln, er erkennt nicht den Messias, wird deshalb zum Verräter. Seine innere Spannung nutzen die Hohepriester geschickt aus, eine „Silberschlinge“ ist zudem hilfreich für den Verrat. Judas Reue kommt zu spät. „Ich habe Schuld auf mich geladen, das Geld brennt wie Feuer in meinen Händen“. Judas wirft dem Hohen Rat die 30 Silberlinge später vor die Füße Der Hohe Rat verachtet Judas, macht sich über den Verräter lustig. Letztlich nimmt sich Judas verzweifelt das Leben.
Sehr beeindruckend ist die Szene des Abendmahls, sie ist von der Gewissheit des bald bevorstehenden Todes Jesu gekennzeichnet. Jesus sagt den Verrat voraus, tiefe Betroffenheit und Entsetzen unter den Anwesenden, Judas gibt sich zu erkennen, verlässt die Abendmahlsrunde.
Wortgewaltig ist die Rolle des Kaiphas. Von Anbeginn macht er deutlich, dass er Jesus um jeden Preis töten lassen will, „O könnt ich ihn vernichten, von dem sie alle schwärmen“. Jesus kritisiert die Frömmigkeit der Schriftgelehrten, der Pharisäer und Hohepriester. Er ist deshalb verhasst bei ihnen. Sie fürchten ihren Machtverlust, weil Jesus die Menschenscharen so anzuziehen vermag. Die Einzugsszene macht es deutlich, das Volk jubelt Jesus zu, „Hosianna“-Rufe und Palmwedel.
Beklemmend mutet die Szene an, in der Jesus spricht „Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen“. Seine Enttäuschung wird offenbar, dass die Jünger nicht einmal eine Stunde mit ihm am Ölberg wachen konnten.
Deutlich sichtbar wird der Schmerz von Maria, der Mutter von Jesus. Sie begegnet ihm am Ölberg, sieht die Erfüllung der Worte des Propheten: „Die Bosheit wird ihn umlagern, ihn schmähen, ihn raufen und schlagen, ihm Hände und Füße durchbohren …“. Ihre Verzweiflung steigert sich als Jesus den Kreuzestod stirbt.
Petrus, der bereit ist, Jesus sogar mit dem Schwert zu verteidigen, ist entsetzt, als dieser ihm seinen späteren dreimaligen Verrat vorhersagt; und so geschieht es tatsächlich. Dreimal verleugnet Petrus seinen Meister: Der Hahnenschrei macht es deutlich, Petrus erkennt verzweifelt sein Versagen. „Mein Gott, was habe ich getan“!
Pontius Pilatus erkennt sogar, dass Jesus zu Unrecht angeklagt ist, der römische Prokurator lässt sich aber vom Volk beeinflussen, die Hoffnung auf Begnadigung eines zum Tode Verurteilten anlässlich des Paschafestes schlägt fehl, stattdessen verlangen die aufgewiegelten Massen die Freilassung von Barrabas.
Nach der Verurteilung zum Tode wird Jesus gezwungen das Kreuz selbst zu tragen, Simon von Cyrene muss ihm später helfen. Betroffenheit macht sich im Zuschauerraum bemerkbar, als Jesus geschwächt unter dem Kreuz zusammenbricht, als er seiner verzweifelten Mutter begegnet, als diese ihn nach dem Abnehmen vom Kreuz in die Arme schließt.
Nur bei einzeln Szenen erklingt Musik, mal getragen, mal dramatisch wird das Geschehen untermalt, etwa nach den letzten Worten von Jesus „Eli, Eli lamma sabachtami“ (Mein Gott, warum hast Du mich verlassen). Finsternis und Donnergrollen stellen sich ein.
Matthias Beer spricht im Epilog:“ … Die Welt hat ihn nicht erkannt, … die Seinen nahmen ihn nicht auf. Alle aber, die ihn aufnahmen, machte er zu Kindern Gottes“.
Die Aufführungen sind samstags um 19.00 Uhr, sonntags um 17.00 Uhr, letztmals am Karfreitag um 15.00 Uhr, die Spieldauer beträgt rund zwei Stunden. Karten: Tel. 02695 – 931310, Preis 14,- Euro.
Unter zahlreichen Helferinnen und Helfern, die sich um die Bühnengestaltung, Kostüme, Lichtführung verdient machen, ist namentlich Resi Weiler zu nennen, die seit Anbeginn als gute Seele der Aufführungen besonderes Engagement an den Tag legt.
Infos siehe auch www.passion-schuld.de
