Allgemeine Berichte | 08.12.2017

Professor Johannes H. Schroeder hat über 50 Steinarten in der Kernstadt ausgemacht

Der Stoff, aus dem Sinzig gebaut ist

Den neuesten, Sinzig betreffenden Stadtführer, gibt es kostenlos als pdf-Datei zum Herunterladen im Internet

Auch der Brunnen von Titus Reinarz wurde auf seine Naturwerksteine hin untersucht. HG

Sinzig. „In allen Städten gibt es Steine zu entdecken – in Millionenstädten bis hin – wie das Beispiel Sinzig zeigt – zu Kleinstädten“. So steht es im Vorwort der „Naturwerksteine in Sinzig (Rhein) - Nutzung in Architektur und Stadtgeschichte“. Für den Autor Johannes H. Schroeder, emeritierter Geologieprofessor an der TU Berlin, sind Naturwerksteine, also bearbeitete Steine, „wahrscheinlich die am meisten ignorierten Elemente des städtischen Raumes“. Auf seine Initiative erschienen etliche Bücher mit Stein-Spaziergängen in deutschen Städten. Den neuesten, Sinzig betreffenden Stadtführer, gibt es kostenlos als pdf-Datei zum Herunterladen im Internet (http://www.geo.tu-berlin.de/steine_in_sinzig_rhein). Er ist von großem Nutzen für Menschen, die offenen Auges ihr Umfeld wahrnehmen und an Deutungen interessiert sind. „Mit diesem Informationsmaterial in der Hand kann man auf Stein-Spaziergängen die im Laufe der Stadtgeschichte genutzten Steine sowie ihre jeweiligen Verwendungen kennenlernen. Die Steinvorkommen liegen nahe beieinander und sind gut zugänglich: Die Steine sind an oder in Gebäuden sowie im städtischen Freiraum- im Pflaster, an Brunnen, Denkmälern u.a.- zu sehen, die meisten aus der Nähe.“ Wie oft ist man an gedankenlos an Häusern vorbeigegangen. Mit dem Steinführer ausgerüstet, bringt man die Materialien zum Sprechen. Der Blick auf die gesamte Baukultur vertieft sich und wird farbiger.

Regional bis international

Auf kompakt gebauten 43 Seiten aus Text und vor allem Fotos sind die Stein-Auskünfte bewusst in den städtebaulichen Zusammenhang gesetzt. Knappen Infos zu Stadt und Historie folgen das Vorwort, Erläuterungen über die Entstehung der Steine und ihrer Oberflächenbearbeitung. In Kapitel fünf „Zur Geschichte der Nutzung von Steinen in Sinzig“ wird klar, welch gewaltige Zeiträume diese Baustoffe auf sich vereinen. Am Mühlenberg, östlich des Stadtkerns, wurde gut 400 Millionen alte Rheinische Grauwacke gebrochen, die vielfältig in Mauern, etwa in der Stadtmauer und Fassaden Verwendung fand. Der gleichalte Hunsrück- oder Moselschiefer deckt bis heute viele Dächer.

Nur rund 30 Millionen Jahre bis 10 000 Jahre alt sind die kontrastierenden vulkanischen Gesteine, wie Basalte, Trachyte und Tuffe. Aus der Trierer Gegend kamen als Dekorelemente rund 230 bis 250 Millionen Jahre alte Sandsteine hinzu.

Diese heimischen Materialien lieferten seit der Römerzeit bis um 1950 maßgeblich den Stoff, aus dem in Sinzig gebaut wurde. Eine Ausnahme erlaubte sich als gehobener Wohnort etwa das sogenannte Schloss, in Wahrheit eine Nobelvilla, die in ihrer Bauzeit von 1854 bis 1858 standesgemäß auf Steine aus Belgien, Italien und Portugal zugriff. Erst in den 1950ern bis 1970ern kamen auch zur breiteren Anwendung Gesteine aus Süd- und Nordeuropa nach Sinzig. Spätere Dekaden brachten niedrigpreisige Importe aus China, Indien, Südafrika und Südamerika ins Städtchen. Für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts nennt Professor Schroeder am Ort produzierte Ziegel und Wandfliesen „eine ernste Konkurrenz für die Naturwerksteine“.

Mit Sinzig verbunden

Ganz exakt in Bild und Worten zeigt er auf, wo man in Sinzigs Mitte auf welche der über 50 verbauten Steinsorten stößt. Im Pflaster auf Brunnen- und Marktplatz spürt er Steine aus China und der Türkei auf, am Dach des Geschenkhauses Markt 5 sowohl Moselschiefer als auch Asbestschiefer, am Hauptportal des Amtsgerichts Rheinische Basaltlava oder in der Sinziger Stadtmauer ein richtiges Steinallerlei. Gewidmet hat Schroeder den Sinziger Steinspaziergang „meinem Ururgroßvater Gustav Bunge und meiner Mutter Ruth Schröder, geborene Koenigs“.

Denn Bunge schuf als Erbauer des Schlosses in Sinzig „ein einmaliges Familienzentrum“. In den Ferien zog es die Schröders von Schleswig-Holstein dorthin: „Begeistert erkundete meine Mutter mit uns fünf Kindern die Region.“

HG

Bereits 2008 führte Professor Schroeder (braune Jacke) zu einer Steinerkundung durch die Stadt und zeigt: Alleine am und im Schloss sind viele Steinarten zu entdecken.

Bereits 2008 führte Professor Schroeder (braune Jacke) zu einer Steinerkundung durch die Stadt und zeigt: Alleine am und im Schloss sind viele Steinarten zu entdecken.

Auch der Brunnen von Titus Reinarz wurde auf seine Naturwerksteine hin untersucht. Fotos: HG

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Boomerang : Wenn man sich so intensiv um verarmte Kinder oder alte Menschen kümmern würde....
  • Tanja Busch : Ich kaufe am liebsten nachhaltig und finde es mehr als schade, dass Inpetto schließen musste. Es war immer ein Erlebnis dort einzukaufen und ich würde mir wünschen, dass sich ein neuer Platz in Bendorf anbietet für Second Hand Ware.

Illegale Müllentsorgung sorgt erneut für Ärger

  • Heuschrecke: Das ist leider nicht nur in Kesselheim es sieht leider überall an den Container so aus
  • Boomerang : Schlimme Zustände. Allerdings wird da anscheinend auch nicht oft genug geleert. Und der Wertstoffhof war zwischen den Jahren komplett zu.
Sonderseite Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Imageanzeige
Image Anzeige
Seniorensitzung der Stadtsoldaten
Anzeige KW 3
Sozialarbeiter/innen, Sozialpädagogen/innen
Empfohlene Artikel

Altenahr. Staatssekretärin Simone Schneider hat dem Bürgermeister der Ortsgemeinde Altenahr (Landkreis Ahrweiler), Neofitos Arathymos, einen Förderbescheid in Höhe von 1,76 Millionen Euro überreicht. Die Mittel stammen aus dem Bund-Länder-Programm „Wachstum und nachhaltige Entwicklung – Nachhaltige Stadt“ und dienen der weiteren Entwicklung des Ortskerns.

Weiterlesen

Grafschaft. Für die Bläserklassen, Musikensembles, Musikkurse und die fünften Klassen des Are-Gymnasiums hieß es am Freitag, den 16. Januar 2026, „Jazz zum Anfassen“. Zu Gast waren die Jazz Messengers Rheinland-Pfalz, eine aus jungen Musikstudierenden der Hochschule für Musik Mainz bestehende Band. Unter der Leitung von Thomas Bachmann tourt das Ensemble durch Rheinland-Pfalz, um Schülerinnen und Schülern an Schulen die Ausdruckskraft und Vielfalt des Jazz nahezubringen.

Weiterlesen

Weitere Artikel

2. Karnevalssitzung des FKK begeistert mit hochkarätigem Programm

Närrische Höhepunkte in Kalenborn

Kalenborn. Am 17. Januar 2026 hat das Festkomitee Kalenborner Karneval zur 2. Karnevalssitzung eingeladen und bot ein abwechslungsreiches, jeckes Programm voller Höhepunkte. Charmant und souverän führten Daniela Winten-Krahm und Alina Riske durch den Abend und verbanden die einzelnen Programmpunkte mit viel Herzblut und karnevalistischem Esprit.

Weiterlesen

Jugendbüro Altenahr führt digitales Anmeldesystem ein

Schulung für alle mit Interesse

Altenahr. Zum 1. Februar führt das Jugendbüro Altenahr ein neues digitales Anmeldeverfahren für alle Angebote ein. Im Mittelpunkt steht dabei die webbasierte Software nupian, mit der das Jugendbüro seine Angebote – sowohl Ferienprogramme als auch Veranstaltungen außerhalb der Ferien – künftig vollständig online verwaltet. Um den Einstieg zu erleichtern, bieten die Mitarbeitenden des Jugendbüros Altenahr...

Weiterlesen

Einblicke in den Schulalltag der Boeselager-Realschule

Großer Andrang beim Tag der offenen Tür

Ahrweiler. Am Samstag, 17. Januar 2026, öffnete die Philipp Freiherr von Boeselager Realschule plus Ahrweiler ihre Türen für zahlreiche interessierte Besucher. Besonders viele Eltern der aktuellen Viertklässler nutzten die Gelegenheit, sich über das Schulangebot zu informieren. Darüber hinaus kamen auch viele ehemalige Schülerinnen und Schüler, um ihre frühere Schule zu besuchen und alte Kontakte zu pflegen.

Weiterlesen

Sonderseite Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Dauerauftrag
Aushilfe gesucht
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Unternehmen erfolgreich
Handwerker für Hausmeistertätigkeiten
Neueröffnung
Titelanzeige
Gesundheitsexperten in Bad Neuenahr-Ahrweiler
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Dauerauftrag Imageanzeige
Stellenanzeige ZFA
Rg.adresse:  BEST gGmbH Mainzer Str. 8 56154 Boppard